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Anklage gegen Auftragskiller
im Fall Walker erhoben

Falsche Anschuldigung und Irreführung der Rechtspflege: Das wirft der ausserordentliche Urner Staatsanwalt dem verurteilten Auftragsschützen Sasa Sindelic im Fall des ehemaligen Barbetreibers Ignaz Walker vor. Gegen den Kroaten wurde Anklage vor dem Landgericht Uri erhoben.
Sasa Sindelic beim Interview mit dem Reporter der «Rundschau» von Schweizer Fernsehen SRF. (Screenshot SRF)

Sasa Sindelic beim Interview mit dem Reporter der «Rundschau» von Schweizer Fernsehen SRF. (Screenshot SRF)

Staatsanwalt André Graf beantragt für den Kroaten Sasa Sindelic eine bedingte Freiheitsstrafe von sieben Monaten, wie er am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Die Anklage hatte er am 28. Dezember eingereicht. Graf bestätigte damit eine Meldung der «Neuen Zürcher Zeitung».

Sindelic ist vom Landgericht Uri im September 2012 wegen versuchten Mordes rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt worden. Er hat im November 2010 auf Nataliya K., die Ex-Frau des damaligen Erstfelder Barbetreibers Ignaz Walker, geschossen. Nach vorzeitiger Haftentlassung ist der heute 29-Jährige seit dem 11. Juli 2018 wieder auf freiem Fuss. Er wurde damals direkt nach Kroatien ausgeschafft. Die Schweiz hat gegen ihn eine Einreisesperre verhängt.

Im Gefängnis hatte Sindelic seine Aussagen geändert und in der «Rundschau» von SRF erklärt, Walker sei unschuldig und das Opfer eines Komplotts. Die versuchte Ermordung von Nataliya K. sei von ihr selber und ihrem Freund inszeniert worden, um den Barbetreiber in Haft zu bringen. Die Inszenierung sei aber teilweise fehlgeschlagen.

Einstellung bemängelt

Der Kanton Uri setzte in diesem Fall Graf als ausserordentlichen Staatsanwalt ein, der unter anderem ein Verfahren gegen den Auftragsschützen prüfte. Er stellte es aber ein. Diese Einstellungsverfügung wurde aber daraufhin vom ausserordentlichen Oberstaatsanwalt Alexandre Vonwil bemängelt. Grund war, dass der Angeklagte die Aussagen gegenüber dem Fernsehen gemacht und später bei der Zeugenbefragung vor Obergericht bestätigt hatte.

Graf, der mittlerweile pensioniert ist und auf Ersuchen der Urner Staatsanwaltschaft den Fall noch betreut, sagte, wegen der Aussage bei der Zeugenbefragung hätte man eine Anklage in der Tat schon vorgängig in Betracht ziehen können. Das werde nun nachgeholt.

Graf geht von Abwesenheitsverfahren aus

Graf geht von einem Abwesenheitsverfahren aus, zumal er den Angeklagten bereits vor der Einstellung des Verfahrens zweimal einvernommen habe. Damals habe er die Aussage verweigert.

Das Bundesgericht hat im Dezember die Verurteilung von Ignaz Walker zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren wegen versuchten Mordes an seiner damaligen Frau und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz bestätigt.

Wyss untersucht Rolle der Medien

Mit dem Bundesgerichtsurteil ist der Fall des ehemaligen Erstfelder Barbetreibers Ignaz Walker juristisch abgeschlossen, nicht aber für die Urner Regierung. Der Medienwissenschaftler Vinzenz Wyss soll die Berichterstattung über den Fall des verurteilten Erstfelder Barbetreibers Ignaz Walker unter die Lupe nehmen. Der Urner Regierungsrat hat den Journalistikprofessor mit einer entsprechenden Untersuchung beauftragt. Wyss solle in einem unabhängigen Gutachten Befunde erarbeiten, die aus medienwissenschaftlicher, medienethischer und juristischer Sicht interessierten, teilte die Regierung am Dienstag mit. Die wissenschaftliche Arbeit solle dabei helfen, den Fall auch im Hinblick auf die behördliche Kommunikationsarbeit aufzuarbeiten und entsprechende Erkenntnisse daraus zu gewinnen.

«Die Medien schauen uns auf die Finger, warum soll das nicht auch einmal umgekehrt sein», hatte Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti im Dezember zum Studienauftrag gesagt. Die Ergebnisse werden nach Abschluss der Untersuchung publiziert.

Auch Polizist M. bleibt ein Thema

Der Regierungsrat hat im Dezember 2018 zudem entschieden, die Administrativuntersuchung zur Frage der Verletzung der Ausstandspflicht im Strafverfahren Ignaz Walker weiterzuführen. Zur Klärung der offenen Fragen wird eine externe Fachperson beauftragt. Im März 2015 war Hanspeter Uster, Baar, von der Urner Regierung als unabhängiger Experte beauftragt worden, einen Bericht hinsichtlich der Verletzung von Ausstandspflichten im Strafverfahren gegen Ignaz Walker zu verfassen. Im Bericht sollte insbesondere geklärt werden, ob vorgesetzte Personen einen involvierten Polizisten allenfalls als befangen erklären und vom Verfahren hätten befreien müssen. Zudem wurde Hanspeter Uster beauftragt, den Umgang von Kantonspolizei, Sicherheitsdirektion (der die Kantonspolizei unterstellt ist) und Regierungsrat (dem die verfassungsmässige Aufsicht über die Kantonsverwaltung zukommt) mit Fragen zu Befangenheit und Ausstand in diesem Fall zu beurteilen.

In seinem Bericht vom 30. August 2015 beantwortete Uster fünf von sieben gestellten Fragen. Er empfahl zudem, die Fragen zum Ausstand wegen einer möglichen Wechselwirkung zum hängigen Strafverfahren erst nach dem rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens zu klären. Der Regierungsrat ist dieser Expertenmeinung gefolgt, so dass zwei Fragen noch nicht beantwortet sind. Sie lauteten damals konkret:

  • Wäre im Fall Ignaz Walker ein Ausstand von Polizist M. angezeigt gewesen?
  • War es vertretbar, im Sinne einer Interessenabwägung zu entscheiden, dass Polizist M. weiterhin fallbezogene kriminaltechnische Tätigkeiten ohne persönlichen Kontakt zu Ignaz Walker ausführen kann? (bar/sda)

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