«APPENZELLER ALPENBITTER»: Walter Regli kennt den Flaschengeist

Wie der Appenzeller Schnaps schmeckt, wissen alle. Wie er gemacht wird, wissen weltweit nur zwei Männer. Einer von ihnen ist der Urner Walter Regli.

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Walter Regli. (Bild Philipp Arnold/Neue UZ)

Walter Regli. (Bild Philipp Arnold/Neue UZ)

«Kräuterkammer» steht draussen auf der Holztür, und die Zierschrift kündet an: Hier wartet das Geheimnis. Das «Appenzeller»-Geheimnis. 42 verschiedene gedeckte Fässer stehen in der Kräuterkammer, bis zum Rand gefüllt mit 42 verschiedenen Wurzeln, Blüten, Blättern oder Samen. Walter Regli hebt einen Deckel: Der Duft von Kamillenblüten strömt heraus, so intensiv und würzig, dass die Nase kaum mithalten mag. Dann geht er zum nächsten Fass, atmet Chinarinde ein. Und ein wenig später Anis-Samen.

Gramm für Gramm
Geheim ist nicht, was drin ist. «Mit chemischen Methoden lässt sich das heute herausfinden», sagt Regli. Geheim ist vielmehr, wie diese Inhaltsstoffe gemischt werden. Das kann kein Chemiker herausfinden. Das weiss nur der gebürtige Andermattner und «Appenzeller»-Verwaltungsrat Walter Regli (59). Und ein Kollege. «Wir mussten uns absichern. Wenn mir was passieren würde, wären wir aufgeschmissen.» Einmal in der Woche geht Regli in die Kammer, öffnet die Fässer, und während sich die Gerüche bis in die letzte Ecke ausbreiten, mischt Regli die Kräuter für den Appenzeller Schnaps. Seit über dreissig Jahren. Alleine. Gramm für Gramm. Meistens nachts. «Dann kann ich ungestört arbeiten.»

Der gebrochene Schwur
Kräuter für den Appenzeller Schnaps darf nur mischen, wer im Verwaltungsrat sitzt. Und das darf nur, wer zur Ebneter- oder Kölbener-Dynastie gehört. Oder sich dort eingeheiratet hat.

So wie Walter Regli. Seine Frau Elisabeth ist gebürtige Kölbener. «Als ich Elisabeth damals kennen lernte, wusste ich natürlich, dass ihre Familie an der Appenzeller AG beteiligt ist», erzählt Regli. Und mit einem Schmunzeln fügt er an: «Ich wehre mich aber gegen den Vorwurf, es hätte sich um eine Zweckheirat gehandelt.» Eigentlich hatte sich Regli als Jüngling ja geschworen, nie mehr ins Appenzellerland zurückzukehren: Die sechs Jahre im Kapuziner-Internat Appenzell nahmen ihm die Lust an der Region. «Die Internatsregeln waren brutal streng, und wir hatten kaum Freizeit.» Aber Beruf und Liebe führten den jungen Anwalt nach dem Studium trotzdem wieder in die Ostschweiz. Mittlerweile fühlt er sich in Appenzell sehr wohl. «Die Lebensqualität ist hoch», sagt Regli. In den letzten Jahren hat man sich hier viel erarbeitet. «Die Appenzeller sind fleissige, ehrgeizige Leute. Wie die Urner.»

Philipp Arnold

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Urner Zeitung.