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Arbeit von Menschenrechtlerin wird dokumentiert

Christine Schuler spielt die Hauptrolle in einem Dokumentarfilm über von Gewalt betroffenen Frauen im Kongo. Sie und ihr aus Uri stammender Mann haben drei Kriege im Ostkongo miterlebt.
Eve Ensler während eines Besuchs auf der V-World Farm mit Christine Schuler-Deschryver (hinten links) und drei kongolesischen Mädchen, die auf der Pflanzung Arbeit gefunden haben. (Bild: PD)

Eve Ensler während eines Besuchs auf der V-World Farm mit Christine Schuler-Deschryver (hinten links) und drei kongolesischen Mädchen, die auf der Pflanzung Arbeit gefunden haben. (Bild: PD)

Der Urner Carlos Schuler ist Gorillaschützer und engagiert sich seit 30 Jahren für die Linderung menschlichen Leids. Er ist verheiratet mit der schweizerisch-belgischen Menschenrechtlerin Christine Schuler-Deschryver (geboren in Katana, Süd-Kivu, Zaïre). Während dreier Kriege hielten sie im Ostkongo durch.

Nun spielt Christine Schuler die zentrale Rolle im Dokumentarfilm «City of Joy», welcher seit Kurzem beim Streamingdienst Netflix zu sehen ist. Von Gewalt betroffene Frauen versuchen in der «City of Joy» im Ostkongo, ihre Trauma zu überwinden und zu sich zu finden. Im Film kommt auch der kongolesische Gynäkologe und Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege zu Wort.

Über 1100 Frauen aufgenommen

Christine Schuler-Deschryver baute zusammen mit der befreundeten Frauenaktivistin Eve Ensler und ihrer Wohltätigkeitsorganisation «V-Day» und der Panzi-Stiftung mit dem Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege das Frauendorf City of Joy auf. Während Christine Schuler als Koordinatorin von V-Day seit der Eröffnung der City of Joy im Jahr 2011 für die Gesamtleitung verantwortlich ist, sorgt Carlos Schuler auf der 300-Hektaren-Pflanzung für die Selbstversorgung, für Infrastrukturen und den Strassenbau. Dank der Sensibilisierung der Bevölkerung und den taktischen Verhandlungen mit den Dorfchefs gelang es dem Paar, die Sicherheit der rund 180 Arbeitenden auf der V-World Farm zu gewährleisten.

Seit der Eröffnung des Frauendorfs 2011 konnte Christine Schuler-Deschryver über 1100 weibliche Opfer aufnehmen. Im Panzi-Krankenhaus werden diese, wo nötig medizinisch behandelt. In der City of Joy werden dann Mut und Selbstvertrauen aufgebaut. Die Frauen erlernen dort vielfältige Fähigkeiten und auch Kompetenzen als spätere Aktivistinnen. Im Dokumentarfilm des von Gewalt zerrissenen Ostkongos erzählen diese Frauen offen vor der Kamera von ihren schmerzlichen Gewalterfahrungen. Regisseurin Madeleine Gavin zeigt zusammen mit einem Kameramann einfühlend das tiefe Leiden, den unglaublichen Überlebenswillen und die Kraft des Widerstands der ostkongolesischen Frauen. Der Schmerz der Opfer wird zu Aktion umgewandelt («From Pain to Power» ist der Slogan von City of Joy). Die Frauen kehren nach sechs Monaten Gemeinschaft in ihre Dörfer zurück. Dort erkämpfen und behaupten sie ihre Rolle, um den Kampf gegen Gewalt und Zerstörung aufzunehmen.

Friedensaktivisten leben gefährlich

Am 10. Dezember wird Denis Mukwege in Oslo mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Damit wird auch die Aufbauarbeit in der City of Joy gewürdigt. Zusammen mit der irakischen Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad erhält der Arzt die Auszeichnung für seinen Kampf, um die Anwendung von sexueller Gewalt als Kriegswaffe zu beenden, wie das norwegische Nobelkomitee in Oslo erklärte. Beide hätten herausragend gegen Kriegsverbrechen gekämpft. Der 63-jährige in Bukavu aufgewachsene Arzt hat Tausende von Vergewaltigungsopfer operiert. Er hält Vorträge in der ganzen Welt, denn mit Vergewaltigungen als Kriegstaktik werden stets auch die sozialen Dorfstrukturen zerstört.

Doch die Friedensaktivisten leben gefährlich. Am 25. September 2012 kritisierte Mukwege vor der UNO in New York den fehlenden globalen Willen, aber auch die kongolesische Regierung und die Kriegsverbrechermilizen. Einen Monat später drangen Schwerbewaffnete in sein Haus in Bukavu ein. Sie töteten einen engen Mitarbeiter. Mukwege selbst und seine Familie konnten sich retten. Carlos Schuler hörte die Schüsse nahe an seinem Wohnhaus und war einer der ersten vor Ort. Die Täter waren schon geflohen. Seither kann Mukwege das Panzi-Spital kaum mehr verlassen und UNO-Truppen bewachen Tag und Nacht das Krankenhaus.

Seit über 20 Jahren tobt im Ostkongo ein bewaffneter Konflikt, an dem neben verschiedenen lokalen Kriegsparteien auch internationale Grossmächte direkt oder indirekt beteiligt sind – etwa durch Ausbeutung der Bodenschätze oder durch Rüstungsexporte. Der Konflikt hat mehr als sechs Millionen Menschen das Leben gekostet. Er wird von vielen Beobachtern nicht nur als Kampf um die politische Vorherrschaft in Afrika, sondern auch als ein zentraler Konflikt der Globalisierung betrachtet, geht es doch um begehrte, seltene Rohstoffe.

Die internationalen Organisationen zum Schutz der Bevölkerung wirken machtlos. Die Wurzeln des Konflikts sind auch in der kolonialen Ausbeutung und dem 32-jährigen Regimes des Diktators Mobutus zu suchen. Es gab nie einen funktionierenden Staat, kein Vertrauen in staatliche Institutionen wie Polizei, Militär, Justiz oder Parteien. Nach dem Genozid im benachbarten Ruanda im Jahr 1994 und der Flucht hunderttausender Hutus – darunter auch vieler Mörder – in den Ostkongo versank die einst fruchtbare Kivu-Region in Chaos. Korruption, Milizen- und Rebellengruppen breiteten sich aus und es entstand eine florierende Kriegsökonomie. (pd/ml)

Bücher zum Thema: «Leben und Überleben im Kongo: Gorillaschutz und Familienleben im Krieg», Gisler Druck 1843 AG, info@gisler1843.ch, Telefon 041 874 18 43; «The Vagina Monologues» von Eve Ensler.

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