Landgericht Uri: Arbeiter erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Chef

Vor fast fünf Jahren ereignete sich ein Arbeitsunfall, der die Urner Justiz bis heute beschäftigt. Der Verunfallte hat seinen damaligen Arbeitgeber angeklagt und fordert 30'000 Franken Genugtuung. Am Montag, 17. September, wurde der Fall vor den Schranken des Landgerichts verhandelt.

Carmen Epp
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Im Gerichtsgebäude in Altdorf wurde eine Forderungsklage von 30'000 Franken verhandelt. (Bild: Archiv UZ)

Im Gerichtsgebäude in Altdorf wurde eine Forderungsklage von 30'000 Franken verhandelt. (Bild: Archiv UZ) 

Obwohl der Unfall schon lange zurückliegt, könne er sich noch ziemlich genau daran erinnern, hielt der Kläger in seiner Befragung fest. Er sei beim Montieren von Stahlträgern einer Brückenkonstruktion ausgerutscht, worauf sein Bein schmerzte und stark anschwoll. Statt ihn sofort ins Spital zu fahren, habe sein Chef entschieden, dies erst nach Beendigung der Arbeiten – rund 2 Stunden später – zu tun. Im Kantonsspital Uri diagnostizierten die Ärzte einen Bruch des Schienbeins. Darunter leide er bis heute – sowohl körperlich als auch psychisch. So habe er sich mehreren Operationen unterziehen müssen, verspüre bis heute Schmerzen und sei bis vor Kurzem arbeitslos geblieben, weshalb ihn seine Frau mit seiner Tochter verlassen habe.

Helme Pflicht, «bei uns aber nicht üblich»

Sein damaliger Arbeitgeber sei seinen Schutz- und Sicherheitspflichten nicht nachgekommen, so der Kläger. Auf der Baustelle habe niemand einen Helm getragen und es seien auch keine Absturzsicherungen vorgenommen worden. Zudem habe er an jenem Tag über 14 Stunden gearbeitet, was ebenfalls nicht rechtens sei.

Ob der Kläger damals so lange gearbeitet habe, sei schwer nachzuweisen, hielt der beklagte Arbeitgeber fest. Auf keinen Fall habe er ihn angewiesen, 14 Stunden zu arbeiten. Dass auf der Baustelle keine Helme getragen und keine Absturzsicherungen vorgenommen wurden, bestritt der Arbeitgeber hingegen nicht. Zwar seien Helme Pflicht, räumte er ein, «bei uns aber nicht üblich», weil oft überhängend gearbeitet werde. Die Stelle gegen Absturz zu sichern, sei technisch nicht möglich gewesen.

Zeuge der Anklage wird erneut vorgeladen

Um den Unfallhergang zu rekonstruieren, wurden vier Zeugen vor Gericht geladen. Aufschlussreich waren die Befragungen jedoch nicht. Einer der Zeugen war am besagten Tag gar nicht vor Ort, zwei andere befanden sich zwar auf der Baustelle, erinnerten sich aber nicht mehr an die Details. Der einzige Zeuge, der den Unfall beobachtet und den Kläger gar «gerettet» haben soll, kam der Vorladung aus unbekannten Gründen nicht nach.

Der Arbeitgeber wiederum wies jede Verantwortung für den Unfall von sich. Dass der Kläger den Stahlträger mit einem Vierkantholz einpassen wollte, sei unnötig gewesen; er habe ihm dann auch befohlen, sich aus der gefährlichen Position zu entfernen. Den Unfall habe er dann nicht mitgekriegt, sagte der Arbeitgeber. Seine Anwältin hielt mit Verweis auf diverse Arztberichte fest, die Beschwerden, die der Verunfallte bis heute geltend macht, seien vorgetäuscht.

Am 27. September geht die Verhandlung weiter. Dann wird der Zeuge, der den Unfall mitbekommen haben soll, erneut vorgeladen. Die Plädoyers werden schriftlich geführt.