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Archäologen sprechen in Altdorf von einem Sensationsfund

Bei archäologischen Grabungen auf dem Winterbergareal in Altdorf wurden spätrömische Münzen, eine Gewandspange und ein goldener Anhänger gefunden. Für die Fachleute sind das Hinweise auf eine Besiedlung seit römischer Zeit.
Markus Zwyssig
In Altdorf gefunden: eine römische Gewandspange (oben), eine römische Münze des Kaisers Constantinus (rechts) und ein goldener Anhänger aus dem 6./7. Jahrhundert (links). Bild: F.X. Brun, Altdorf, Februar 2019)

In Altdorf gefunden: eine römische Gewandspange (oben), eine römische Münze des Kaisers Constantinus (rechts) und ein goldener Anhänger aus dem 6./7. Jahrhundert (links). Bild: F.X. Brun, Altdorf, Februar 2019)

Das Areal der Villa Winterberg, dem ehemaligen Gebäude des kantonalen Steueramts in Altdorf ist zurzeit eine Grossbaustelle. Das Büro ProSpect aus Aarau hat im Auftrag der Justizdirektion des Kantons Uri an mehreren Tagen im Herbst 2018 und Winter 2019 den Baugrund untersucht.

Seit längerem vermutet man, dass sich im Umfeld der Pfarrkirche St. Martin der mittelalterliche Haupthof, der sogenannte «Sal», befunden hat und hier damit der Kern der historischen Siedlung Altdorf zu suchen ist. Ein Hinweis darauf ist der mittelalterliche Wohnturm, der um 1700 in den späteren Bau der Villa Winterberg integriert wurde.

Kellergeschoss aus dem 16. Jahrhundert entdeckt

Das Archäologenteam um Dr. Christian Auf der Maur untersuchte den Bereich des Parkplatzes hinter dem Altdorfer Gemeindehaus zunächst mittels einzelner Bodensondierungen. Schliesslich konzentrierte es die Untersuchungen auf die Fläche um die Villa Winterberg und den Bereich zwischen Gasthaus Tell und Gemeindehaus. Hier konnten Mauerzüge nachgewiesen werden, die aus der Zeit vor dem letzten grossen Dorfbrand von 1799 stammten. Dazu der Experte:

«Es scheint sich unter anderem um Keller von älteren Bauten zu handeln, die der Feuersbrunst zum Opfer fielen und nicht wiederaufgebaut wurden.»

Die Keller wurden in der Folge zugeschüttet und überdeckt. Das wiederentdeckte Kellergeschoss beim Gemeindehaus ist aufgrund der Mauer- und Fensterkonstruktion mindestens ins 16. Jahrhundert zurückzudatieren. Es stammt demnach vom Vorgängerbau des 1809 errichteten Schul- und heutigen Gemeindehauses.

In den ausgegrabenen Gebäuderesten bargen die Archäologen erstaunliche Funde, die teils tief in die Geschichte Altdorfs zurückreichen. Dazu gehören Fragmente eines Speckstein- wie eines Glasgefässes. Das rechteckige, mächtige Mauerwerk, wo die Funde entdeckt wurden, deutet auf ein mittelalterliches Steinhaus hin, wie es bereits in Schriften des späten Mittelalters erwähnt ist.

Die eigentliche Sensation fand man etwa einen Meter unter dem bestehenden Boden. Hier kam neben spätrömischen Münzen auch eine Fibel (Gewandspange) zum Vorschein. Es scheint sich nicht nur um Zufalls- oder Streufunde zu handeln, sondern um direkte Hinweise einer römischen Besiedlung.

Ein filigran verzierter Anhänger aus Gold ist etwas jünger und in die Zeit um 600 zu datieren. «Es muss einer Frau aus der Oberschicht gehört haben», erklärt Auf der Maur.

«Vermutlich war es eine Grabbeigabe.»

Gräber könnten in der Nähe sein, müssen aber nicht. Es wurden bisher auch keine entdeckt. «Der Goldfund dürfte eher zufällig durch Umlagerungen an den Entdeckungsort gelangt sein.»

Dass die Geschichte des Orts viel weiter zurückreicht, zeigt ein in der Baugrube gefundenes Holzstück aus der Jungsteinzeit. Es wird auf 4500 Jahre datiert und markiert das damalige Bodenniveau in 6 Metern Tiefe, das seither mehrfach übersart wurde. «Weitere Funde von Holzkohle und Tierknochen werden wir nach der C-14-Methode zeitlich datiert.»
Im Laufe der nun folgenden Bauarbeiten schliesst der Archäologe weitere Funde, die zeitlich noch weiter zurückreichen, nicht aus. «Es würde sich dann um Spuren aus der Bronze- und der Steinzeit handeln», erklärt Auf der Maur.

Ausstellung mit den Fundstücken ist denkbar

Für den Archäologen sind die gewonnen Erkenntnisse aus den Grabungen sehr wichtig. «Die Funde liefern ein weiteres Puzzleteil der Altdorfer Siedlungsgeschichte», so Auf der Maur. Die Untersuchungen konnten in enger Absprache zwischen Bauleitung und Archäologen durchgeführt werden. «Wir sind speditiv vorgegangen, sodass der gleichzeitiger Ablauf von Grabung und Bauablauf ohne Verzögerungen möglich ist.» Der Archäologe bezeichnet die Grabung im Winterbergareal denn auch als kleine Erfolgsgeschichte.

Was genau mit den Funden passiert, ist noch offen. Beabsichtigt ist aber, dass auch die Bevölkerung sie zu sehen bekommen. «Es wäre schön, wenn man die bedeutendsten Stück im historischen Museum zeigen könnte», sagt Auf der Maur. Zudem wird zu den archäologischen Funden ein Bericht verfasst, der ebenfalls öffentlich einsehbar sein wird.

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