Archiv sammelt Urner Kunst

Vor bald 120 Jahren wurde die Urner Künstlerin Erna Schillig geboren. Nach ihrem Tod 1993 übernahm das Staatsarchiv ihren Nachlass. Eine Erinnerung an eine prägende Urner Persönlichkeit.

Melanie Widmer, Staatsarchiv
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Erna Schillig drückte sich mit Textilkunst aus.

Erna Schillig drückte sich mit Textilkunst aus.

Bild: PD

Bevor aus ihr eine Vorreiterin der modernen Innerschweizer Textilkunst wurde, arbeitete sie zunächst als gelernte Krankenschwester in Genf. Aus gesundheitlichen Gründen kehrte sie im Jahr 1925 zurück in den Kanton Uri, wo ihre künstlerische Laufbahn im Atelier von Heinrich Danioth ihren Anfang nahm.

Erna Schillig verbrachte damals die Sommermonate im Hotel ihrer Eltern auf dem Klausenpass. Hier auf dem Klausen lernte sie den deutschen Maler und Professor August Babberger (1885-1936) kennen, welcher seit Jahren den Sommer in seinem Atelier auf der Balmalp verbrachte. Angeregt durch die moderne Landschaftsauffassung von Babberger bildete sich um ihn ab 1925 die lose Künstlergruppe Urner Kreis, zu der neben seinen Schülern Heinrich Danioth und Erna Schillig weitere Schweizer Künstler, Literaten und Musiker gehörten. In den folgenden Jahren nahm Erna Schillig Privatunterricht bei August Babberger und wurde seine Mitarbeiterin und Lebensgefährtin. Zusammen verwirklichten Babberger und Schillig zahlreiche künstlerische Projekte, darunter im Jahr 1932 die Ausmalung der Kuonschen Kapelle (auch Höfli-Kapelle) in Altdorf und auch einige Künstlerpublikationen. Inspiriert durch die Urner Hochgebirgslandschaft schuf Erna Schillig in den 1920er- und 1930er-Jahren viele Pastellmalereien, Feder- und Bleistiftzeichnungen, in denen eine abstrahierte, rhythmisierte Farbsprache vorherrscht, sowie eine enge Annäherung an den Stil August Babbergers sichtbar wird. Besondere Bekanntheit erlangte die Künstlerin durch ihre Wandbilder in Putztechnik und ihre Wandteppiche. Vor allem mit Letzteren prägte sie die moderne Innerschweizer Textilkunst. Ihr Trachtenteppich wurde sogar im Schweizer Pavillon an der Weltausstellung 1937 in Paris gezeigt.

Abteilung zu gutem Renommee verholfen

Die Textilkunst liess sie auch nach dem Tod August Babbergers nicht los. Nachdem sie während des Zweiten Weltkrieges als Krankenschwester in einem Zuger Internierungslager gearbeitete hatte, leitete sie von 1947 bis 1967 die Textilabteilung der Kunstgewerbeschule in Luzern und verhalf dieser zu einem guten Renommee. Während dieser Zeit wurde Erna Schillig auch vom Kanton Luzern mit dem Professorentitel ausgezeichnet. Von 1967 bis zu ihrem Tod 1993 lebte sie zurückgezogen in Altdorf.

Nach dem Tod von Erna Schillig übernahm das Staatsarchiv Uri ihren Nachlass. Dieser vielseitige Bestand setzte sich sowohl aus schriftlichen Dokumenten als auch zahlreichen künstlerischen Werken zusammen. Dazu zählen viele Zeichnungen und Druckgrafiken, aber auch Gemälde und textile Kunstobjekte, wie der abgebildete Wandteppich mit dem Titel Alpsegen. Durch den Eingang solcher Nachlässe ist es dem Staatsarchiv Uri möglich, die kantonale Kunst- und Kulturgutsammlung zu vergrössern. Denn als Teil des Staatsarchivs hat die Kunst- und Kulturgutsammlung unter anderem das Dokumentieren des Urner Kunstschaffens zum Ziel. Ein weiterer Schwerpunkt liegt zudem bei der aktiven Kunstförderung durch Neuerwerbungen von Werken zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler. Im Rahmen der kantonalen Kunst- und Kulturgutsammlung betreut das Staatsarchiv Uri auch die Ausleihe von Werken an kantonale öffentliche Gebäude und an die kantonale Verwaltung, 13 Werke Erna Schilligs befinden sich ausserhalb des Staatsarchivs.