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ASYL: Was Asylsuchende den Hotels einbringen

Das Hotel Löwen in Seelisberg wird zur Asyl- unterkunft. Damit will der Besitzer eine Bruttorendite von 5 Prozent erzielen. Ist das viel? «Nein», sagt ein Experte.
Thomas Heer
Der Seelisberger «Löwen». (Bild: Keystone)

Der Seelisberger «Löwen». (Bild: Keystone)

Thomas Heer

Zur Ehrenbürgerschaft von Seelisberg wird es Hanspeter Acklin wohl nicht reichen. Zu viel Unmut hat er sich in den letzten Tagen seitens der Bevölkerung zugezogen. Denn kürzlich wurde publik, dass Acklin auf seine Initiative hin mit der Urner Regierung einen Mietvertrag abschloss und darin festhielt, dass der Kanton künftig bis zu 60 Asylbewerber in seinem ehemaligen Hotel Löwen unterbringen darf.

Gegenüber der «Basler Zeitung» äusserte sich der Schaffhauser Unternehmer auch über finanzielle Angelegenheiten. Er erwähnte, dass er mit der Immobilie künftig eine Bruttorendite von 5 Prozent erwirtschaften will. In Zeiten von Negativzinsen könnten Laien auf böse Gedanken kommen und Acklin der Raffgier bezichtigen.

Keine Abzocke

Sind diese 5 Prozent Bruttorendite wirklich überrissen? «Keineswegs», sagt Stephan Kurmann, Partner der Katag Treuhand, ein auf die Gastro- und Hotelindustrie spezialisiertes Unternehmen. Brutto ist nicht netto. Das heisst, die erwähnten 5 Prozent beinhalten Kosten für Verwaltung und Unterhalt, Versicherungsprämien, allfällige Fremdkapitalzinsen, Steuern und sonstige Abgaben. Damit ein Hotelier langfristig erfolgreich geschäften kann, muss er laut Kurmann eine Bruttorendite von 7,5 Prozent erwirtschaften. Der Treuhänder sagt aber auch: «Wir wissen, dass diese Zielgrösse vielerorts nicht erreicht wird.»

«Das wäre ja Wucher»

Gemäss Hanspeter Acklin handelt es sich im Fall des Hotels Löwen um einen ganz gewöhnlichen Mietvertrag. Gerüchte kursierten, der Kanton würde Acklin für jeden einzelnen Asylbewerber täglich 30 Franken auszahlen. Damit kämen für einen Monat wie den September bei voller Auslastung, das heisst 60 Asylbewerbern, total 54 000 Franken zusammen. Hanspeter Acklin sagt, davon könne keine Rede sein und ergänzt: «Das wäre ja Wucher.»

Nicht nur ehemalige Hotels werden da und dort zu Asylunterkünften umgenutzt. Auch Jugendherbergen dienen mancherorts als temporäre Flüchtlings-Domizile. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Treuhänder amtet Stephan Kurmann noch als Präsident des Vorstandes der Schweizer Jugendherbergen. Stephan Kurmann sagt: «Als Zwischennutzung stellen wir unsere Liegenschaften für Asylbewerber zur Verfügung.» Kurmann betont, dass seine Organisation damit keine Gewinne anstrebt und ergänzt: «Unser Ziel ist eine schwarze Null.» Dieses Modell hat für die Herbergebetreiber den Vorteil, dass in einer Zwischensaison das Haus nicht schliessen muss und die Angestellten weiterbeschäftigt werden können.

Fixer Betrag pro Person und Tag

Im Gegensatz zu Hanspeter Acklin schliessen die Jugendherbergen Verträge ab, die der Institution pro Tag und Asylbewerber einen fixen Betrag garantieren. Abklärungen dieser Zeitung ergaben, dass diese Summe zwischen 30 und 35 Franken liegt. Mit diesem Geld müssen die Jugendherbergen für die Asylbewerber aber auch täglich drei Mahlzeiten plus Getränke bereitstellen, inklusive Babynahrung für die Kleinkinder. Die knapp 35 Franken decken zudem die Reinigungskosten, das Betriebsmaterial, die Abfallentsorgung, Aufwendungen für Energie, Heizung und Unterkunft.

Für Letzteres – wenn es sich um eine Zivilschutzanlage handelt – bezahlt der Kanton Luzern den Gemeinden pro Nacht und Person 7.20 Franken. Diese Zahl nennt Silvia Bolliger, Interims-Abteilungsleiterin im Kanton Luzern. Dazu kommen 11.50 Franken als Essenspauschale pro Tag.

1450 Franken pro Monat

Vom Bund erhalten die Kantone für jeden Asylbewerber im Monat 1450 Franken. Gemäss Silvia Bolliger vom Kanton Luzern reiche dieser Betrag aber nicht aus. Dies auch daher, weil mit diesem Geld nicht nur Verpflegungs- und Unterbringungskosten gedeckt werden müssen, sondern auch die Aufwendungen für die Betreuung, die Verwaltung sowie die Sprachkurse der Asylsuchenden.

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