Asylbewerber sollen an abgelegene Orte

In Wassen werden 90 Flüchtlinge beherbergt, befiehlt der Bund. Der Gemeindepräsident aber will sie weit weg vom Dorf haben.

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Gemeindepräsident Marco Calcagni will höchstens zehn Asylbewerber in Wassen aufnehmen. (Bild: Nadia Schärli/Neue LZ)

Gemeindepräsident Marco Calcagni will höchstens zehn Asylbewerber in Wassen aufnehmen. (Bild: Nadia Schärli/Neue LZ)

«Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, um dies zu verhindern»: So kommentiert Marco Calcagni, Gemeindepräsident der Urner Gemeinde Wassen, die Absicht des Bundes, in einer Armeekaserne in Wassen 90 Asylbewerber unterzubringen. Dies ist nötig, weil die Empfangszentren des Bundes überlastet sind.

Calcagni wäre höchstens bereit, fünf bis zehn Flüchtlinge aufzunehmen. Sollten es aber 90 sein, so will er diese nicht im Siedlungsgebiet in seiner Gemeinde haben. Sein Vorschlag: Statt in Wassen sollen die Flüchtlinge «in einer Unterkunft an einem abgelegenen Ort» untergebracht werden, wo man gar bis zu 120 Personen beherbergen könnte. Er habe bereits einen konkreten Vorschlag dazu erhalten; wo sich diese Unterkunft befindet, sagt er allerdings noch nicht.

 Vorbild ist der Kanton Bern, der ebenfalls auf Geheiss des Bundes Flüchtlinge aufnehmen muss: Bern will sie auf dem Jaunpass unterbringen. Für Calcagni ist einfach klar, dass für Wassen mit seinen bloss 470 Einwohnern 90 Flüchtlinge nicht tragbar seien. Der Urner Landammann Markus Züst sagte auf Anfrage, dass eine private Unterkunft als Flüchtlingszentrum eine Option sein könne, sollte der Bund sich dies ebenfalls vorstellen können.

Bund will noch mehr Zentren

Neben Uri und Bern soll auch in Graubünden ein zusätzliches Bundeszentrum für Flüchtlinge eröffnet werden. Justizministerin Simonetta Sommaruga sagt aber schon jetzt, dass in weiteren Kantonen noch zusätzliche Zentren eröffnet werden sollen. Im Kanton Luzern etwa ist aber noch kein offizielles Gesuch eingetroffen, sagt Luzerns Sozial- und Gesundheitsdirektor Guido Graf. In Luzern müsse sowieso zuerst ein Ersatz für das Asylzentrum in Malters gefunden werden, das Ende Jahr geschlossen wird.

Derweil machte die Konferenz der kantonalen Polizeidirektoren gestern ihrem Ärger über die Asylpraxis des Bundes Luft: Sie wirft diesem gar Versagen im Asylwesen vor.

Kari Kälin und Bruno Arnold

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