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Asylsuchende lernen in Uri von Einheimischen

Beim Projekt «Mitenand» lernen Flüchtlinge von Freiwilligen, wie das Zusammenleben in der Schweiz funktioniert. Von der gemeinsamen Zeit können beide Parteien profitieren, wie das Beispiel von Andrea Arnold und Max Büeler zeigt.
Andrea Arnold unterstützt im Rahmen des Projekts «Mitenand» einen Flüchtling aus Afghanistan. (Bild: PD)

Andrea Arnold unterstützt im Rahmen des Projekts «Mitenand» einen Flüchtling aus Afghanistan. (Bild: PD)

«Mitenand» heisst das Projekt des Hilfswerks der Kirchen (HdK) Uri und des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK). Die Idee: Urner betreuen stundenweise und freiwillig Asylsuchende, vorläufig Aufgenommene und anerkannte Flüchtlinge. Sie unterstützen sie beim Einkaufen, beim Kontakt mit den Behörden, beim Deutschlernen oder in der Schule. Ein Team aus Einheimischen und Asylsuchenden wird als Tandem bezeichnet, was der Idee entspricht, dass man gemeinsam für eine gewisse Zeit in die gleiche Richtung fährt, wie die Organisatoren schreiben.

Derzeit sind im Kanton Uri 26 solcher Tandems unterwegs. Die Palette von Freiwilligen, die sich einem Asylsuchenden oder einer Familie aus einem Krisengebiet annehmen, ist breit. Es engagieren sich Studentinnen, Ärzte, Pensionäre und auch Urner Bergbauern.

Gespräche bieten Einblick in eine andere Kultur

Am Projekt nimmt beispielsweise die Familie Arnold aus Unterschächen teil. Die Landwirte leben auf 1500 Metern über Meer. Andrea Arnold betreut seit rund eineinhalb Jahren einen jungen Flüchtling aus Afghanistan. «Damals las und hörte man in den Medien fast täglich über die vielen Flüchtlinge», erinnert sich Arnold. Für sie war klar: «Die, die da sind, muss man unterstützten. Sie sollen die Möglichkeit erhalten, sich gut zu integrieren.» Gesagt, getan: «Meine Erfahrungen sind durchwegs positiv», sagt die dreifache Mutter. In seinen Bedürfnissen sei der Teenager aus Afghanistan gleich, wie ihre eigenen Kinder. Dazu gehören etwa die Schule, das Dazugehören oder Hobbies. Arnold selber schätzt die Gespräche: «Ich habe durch ihn Einblick in eine andere Kultur erhalten.»

Auch Max Büeler aus Altdorf engagiert sich freiwillig. Der 77-Jährige trifft sich mit zwei unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden. Sie sind 17 beziehungsweise 18 Jahre alt und stammen aus Somalia und Eritrea – einer ist Muslim, der andere strenggläubiger Christ. Die beiden jungen Männer kamen alleine in die Schweiz und sind heute in einer begleiteten Wohngruppe in Altdorf untergebracht. Büeler trifft sich in der Regel einmal wöchentlich mit ihnen. «Man kann nicht immer nur über die Asylpolitik beschweren, sondern muss auch selber was machen», sagt Büeler. Deshalb hilft er den beiden Jugendlichen bei den Schulaufgaben, übt Konversation mit ihnen, vermittelt die Regeln unseres Zusammenlebens oder erklärt ihnen Land und Leute. Büeler hat die beiden auch schon in die Göscherneralp zum Fischen mitgenommen. Einmal ging es in den Zoo, wo die Jugendlichen als Erstes die Elefanten sehen wollten. Obwohl die beiden aus afrikanischen Ländern stammen, haben sie die Tiere nie zu Gesicht bekommen.

Durch den Kontakt zu Einheimischen lernen die Flüchtlinge unsere Gepflogenheiten kennen und erhalten einen wichtigen Einblick in die Lebensweise der Schweizer.

Das Gelernte hilft auch in der Heimat

Auf die Idee, sich zu engagieren, ist Büeler beim Lesen eines Zeitungsartikels gekommen. Die damalige Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli sprach sich dafür aus, dass sich mehr Freiwillige im Asylbereich engagieren. Nach Gesprächen mit Vertretern des SRK entschied er sich definitiv, mitzumachen.

Büeler ist sich bewusst, dass die jungen Männer in Europa Schutz, Wohlstand und Freiheit suchen. Sein Ansatz ist pragmatisch: «Die Leute sind nun mal da und man sollte ihnen die Chance geben etwas zu lernen. Diejenigen, die allenfalls wieder nach Hause geschickt werden, können vom bei uns Gelernten in ihrer Heimat profitieren.» Kurz gesagt: «Wer etwas lernen und sich integrieren will, den soll man unterstützen.» Büeler hat sein Berufsleben in der Dätwyler AG verbracht und hat Einblick in viele Abteilungen und Betriebe erhalten. Noch immer denkt er unternehmerisch: «Wer die Sprache kann und einen Beruf lernt, kann später auf eigenen Beinen stehen.»

Die Berufslehre als Ziel

Der jugendliche Flüchtling, der mit Andrea Arnold in Kontakt steht, ist auf bestem Weg dazu. Die ersten schulischen Hürden hat er gemeistert. Nächstes Schuljahr besucht er das Brückenangebot am BWZ Uri mit einem Tag Schule und vier Tagen Praxis. Das nächste Ziel: eine Lehrstelle. «Man merkt, dass er etwas zurückgeben will», sagt Andrea Arnold. (red)

Hinweis Weitere Informationen zum Projekt gibt Iris Mulle vom Hilfswerk der Kirchen unter Telefon 041 870 23 88.

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