Nach Rückzug von Investor: Skigebiet Brüsti muss um Existenz fürchten 

Die neue Verbindungsbahn wird nicht gebaut, ein Investor hat sich zurückgezogen. Jetzt droht auch dem Skigebiet Brüsti das Aus.

Georg Epp
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Dunkle Wolken über dem Brüsti: Das Skigebiet kämpft ums Überleben.

Dunkle Wolken über dem Brüsti: Das Skigebiet kämpft ums Überleben. 

Bild: Corinne Glanzmann (Attinghausen, 18. Januar 2020)

Ein grösseres Skigebiet, erweiterte Freizeitaktivitäten im Sommer und im Winter, die Sanierung des Bergrestaurants und eine neue Verbindungsbahn: Mit diesen Massnahmen hätte die Bergregion Brüsti oberhalb von Attinghausen Attraktivität gewinnen sollen. Jetzt ist das Strukturprojekt Brüsti gescheitert, wie an der Generalversammlung vom vergangenen Montag, 27. Januar, bekannt wurde. Zur ausserordentlichen Generalversammlung der Luftseilbahn Attinghausen Brüsti AG begrüsste Verwaltungsratspräsident Kari Briker 31 Aktionäre im Gasthaus Krone.

Das Strukturprojekt Brüsti beinhaltet mehrere Teilbereiche, die zusammen einen Mehrwert für die Bergregion Brüsti, die Gemeinde Attinghausen und nicht zuletzt für die Tourismusregion Urner Unterland generieren sollten. Ein wichtiges Kernelement wäre die Verbindungsbahn gewesen, welche die Bergstation der Luftseilbahn Attinghausen-Brüsti direkt mit der Bergstation des Skilifts Kulmegg verbunden hätte: der Schlüssel für ein funktionierendes Gesamtkonzept.

Zu über 60 Sitzungen getroffen

Seit der ordentlichen GV vom 6. Mai 2019 wurde das Projekt vorangetrieben. Der Investor Zgraggen Holding AG beabsichtigte die Brüsti Immobilien AG zu erwerben. Er setzte eine Frist. Zur Übernahme bis Ende November sollten alle Bewilligungen und das Finanzkonzept für die nötige Verbindungsbahn vorliegen. Über 60 Sitzungen waren dazu nötig, Vizepräsident Daniel Epp orientierte im Detail, was alles abgeklärt wurde: Das Projekt der Verbindungsbahn wurde optimiert und bereinigt, das Gesuch an Kanton und Gemeinde Ende Juli eingereicht. Vom Kanton gab es eine positive Rückmeldung mit einer finanziellen Beteiligung von 1 Mio Franken NRP Geldern (200000 Franken à fonds perdu sowie 800000 Franken als zinsloses Darlehen) und auch die Einwohnergemeinde Attinghausen stellte eine Aktienbeteiligung von 450000 Franken in Aussicht. Im Oktober kam es zur Krisensitzung mit der Familie Zgraggen aus Lauerz, der ein Teilbereich gehört. Keine Einigungen konnte in Sachen Überfahrrechts über das Grundstück gefunden werden. So zog sich denn der Investor, die Zgraggen Holding AG, Schattdorf, zurück: Denn ohne Verbindungsbahn sei das Projekt nicht rentabel.

Für nächsten Winter muss neu verhandelt werden

Nun musste schnell gehandelt werden, um wenigstens die Skisaison zu retten. Die Luftseilbahn Attinghausen Brüsti AG konnte sich mit der Eigentümerin der Skiliftanlage einigen, dass der Winterbetrieb für die Saison 2019/2020 durch die LSB als Notlösung übernommen werden konnte. Für den nächsten Winter 2020/2021 muss neu verhandelt werden, sonst droht auch dem Skigebiet Brüsti das Aus.

Für die Bemühungen verdankt

Aus der Versammlung gab es verschiedene Dankesvoten an den Verwaltungsrat. Präsident Kari Briker und sein Team haben alles versucht, nun ist das Vorhaben gescheitert. Auch Kilian Huwyler, der Präsident des Skiclubs Brüsti, bedankte sich, dass für diesen Winter die Notlösung ausgehandelt werden konnte. Wie es nun weitergeht, ist ungewiss. Natürlich hofft man, wenigstens das Skigebiet zu erhalten. Auch Ruedi Zgraggen von der Zgraggen Holding AG bedauerte, dass das Projekt gescheitert ist. Er bedankte sich ebenfalls für die Bemühungen des Verwaltungsrates.

Aktienstruktur muss angepasst werden

Vorgängig zu den Informationen über das Strukturprojekt orientierte Kari Briker über die Umwandlung von Inhaber­aktien in Namensaktien, die nach neuem Bundesgesetz unumgänglich sind. Gemäss diesem Gesetz sind Inhaberaktien nur noch zulässig, wenn die Gesellschaft Beteiligungspapiere an einer Börse kotiert oder die Inhaberaktien als Bucheffekte ausgestaltet hat. Um gesetzeskonform zu bleiben, will man auf die ordentliche GV der LAB hin den Artikel 4 der Statuten wie folgt ändern: «Das Aktienkapital der Gesellschaft beträgt 101875 Franken, eingeteilt in 1875 Namenaktien zum Nennwert von je 1 Franken (Kategorie A; Stimmrechtsaktien) und 10000 Namenaktien zu einem Nennwert von je 10 Franken (Kategorie B; Stammaktien).

Hier wurde eifrig diskutiert, Entscheide werden aber erst an der ordentlichen GV gefällt. Weiter wurde orientiert, dass der bisherige Betriebsleiter René Zurfluh im September 2019 die Kündigung eingereicht hat und dass mit Kurt Wyrsch aus Erstfeld ein neuer Betriebsleiter bestimmt wurde. Er wird die Stelle am 1. März 2020 antreten.

Trainingsbetrieb auf dem Brüsti steht auf der Kippe

In nächster Zeit wird sich entscheiden, ob im Winter der Skibetrieb in Attinghausen aufrechterhalten werden kann oder nicht. Der Urner Skiverband verstrahlt dennoch Optimismus aus für die kommende Saison.
Paul Gwerder