Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Auch die Experten müssen spekulieren

Remo Infanger

Unsere Zeitung wollte wissen, was die geplagten Anwohner unternehmen könnten. Doch bei der kantonalen Verwaltung ist niemand für solche ungebetenen Gäste verantwortlich. Auf Anfrage wurde unsere Zeitung von einer Amtsstelle zur andern weitergeleitet – vom Amt für Umweltschutz über das Amt für Landwirtschaft bis hin zu Georges Eich vom Amt für Raumentwicklung. Dieser hatte dafür eine Erklärung: «Da es sich nicht um eine geschützte Tierart handelt und keine direkten Schäden in der Landwirtschaft oder an Häusern entstehen, ist im Kanton effektiv niemand für einen solchen Fall zuständig», sagte er. Hinzu komme, dass man in Uri noch nie von einer Tausendfüssler-Plage gehört hat.

Massnahmen mechanischer Art

Beim Laboratorium der Urkantone (Laburk) in Brunnen hat man von diesem Problem schon gehört: Ähnliche Fälle habe es 2011 im bündnerischen Flims oder im bernischen Seedorf gegeben, hiess es dort. Mit einer Tausendfüssler-Plage habe das Laburk selber aber noch nie zu tun gehabt. «Schädlingsbekämpfung liegt nicht in unserem Tätigkeitsbereich», erklärte Beat Kollöffel, Leiter Biologie beim Laburk. «Da eine Beseitigung offenbar nicht leicht ist, muss das Problem vor Ort angeschaut werden.» Kollöffel schlägt Massnahmen mechanischer Art vor: «Dichte Fenster und Türen oder Klebeband beim Eingangsbereich, an denen die Insekten kleben bleiben, können fürs erste sinnvolle Lösungsansätze sein», so Kollöffel. Der Biologe vermutet, dass das trockenwarme Wetter mit dem Aufkommen der ungebetenen Gäste in Verbindung stehen könnte. «Tausendfüssler mögen Feuchtbereiche», so Kollöffel. «Es ist denkbar, dass sie durch die Trockenheit nun andere Plätze aufsuchen.»

Urner Biologe hat einige Erklärungen

Urs Wüthrich, Biologe und ehemaliger Kollegi-Lehrer, pflichtet der Einschätzung seines Berufskollegen bei. «Mir ist kein solcher Fall bekannt und ich führe die Fauna-Datenbank der Naturforschenden Gesellschaft Uri nun seit vier Jahren», so Wüthrich. Tausendfüssler seien Tiere, die primär im Boden leben und sehr wichtig für die Herstellung von Humus seien. «In der Tierwelt kann es aber immer wieder Populationsschwankungen geben», erklärt der Biologe. «So kommt es bei optimalen Bedingungen vor, dass sie sich explosionsartig vermehren.» Die Massenvermehrung in Erstfeld hält schon seit drei bis vier Jahren an. Mechanische und chemische Bekämpfungen blieben bisher erfolglos.

Die Tiere scheinen gemäss Wüthrich keine echten Fressfeinde zu haben und werden wohl ihres intensiven Geruchs wegen weder von Eidechsen noch von Spinnen oder Vögeln gefressen. Der Grund für das Massenvermehrungsphänomen bleibt jedoch gemäss der Experten noch im Dunkeln.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.