Kolumne

Auf den Doppelmord folgt der Hochzeitsantrag

Ein turbulenter Ferientag in Mexiko ging dank eines Hochzeitsantrags doch noch versönlich zu Ende.

Philipp Zurfluh
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UZ-Redaktor Philipp Zurfluh

UZ-Redaktor Philipp Zurfluh

Sonniges Wetter, wunderbare Sandstrände, Tacos oder Tequila. Diese Begriffe verbinden viele Menschen mit Mexiko. Das Land ist vor kurzem meine Feriendestination gewesen. Die Vorfreude auf meine zehntägige Reise war gross. Dennoch schlich sich auch ein mulmiges Gefühl ein, als ich mich im Flugzeug über dem Atlantischen Ozean befand und ich mich meinem Ziel näherte.

Brutale Kriminalität ist in Mexiko seit langem traurige Realität. In vielen Teilen des Landes kämpfen Drogen­kartelle um die Vorherrschaft – auch in touristisch geprägten Gebieten. Im vergangenen Jahr wurde ein Höchststand von fast 36’000 Morden verzeichnet. Zudem gelten rund 40’000 Menschen als verschwunden. Dass ich während meiner Ferien aber auch nur annähernd in Berührung mit Kriminalität kommen würde, habe ich mir nicht ausgemalt. Denn ich war in einer Region zu Besuch, die als tourismusfreundlich und sicher eingestuft wird. Mein mulmiges Gefühl soll aber nicht unbegründet bleiben ...

Nach einem Tagesauflag mit einer Reisegruppe ging es mit einem kleinen Bus zurück Richtung Hotel. Kurz bevor wir ankamen, rissen mich zwei Knalle aus dem Ferien-Feeling. Dieser Ton ging mir durch Mark und Bein. Keine drei Minuten später rauschten schwer bewaffnetes Militär und die Polizei heran. Als wir am Tatort vorbeifuhren, sah ich die beiden leblosen Personen in einem Fahrzeug. Ein schlimmer Anblick, ohne Details zu nennen. Sie fielen zwei Heckenschützen zum Opfer, wie ich später erfuhr.

Der Tag war gelaufen, war mein Gedanke. Es kann nur noch besser kommen – und es kam besser. Gerade als ich mich beim Abendessen meiner vorzüglichen Speise widmen wollte, stand ein Mann – schätzungsweise in meinem Alter – bedächtig auf und kniete sich auf den Boden. Der Blick ging hoch zu seiner Auserwählten. Sie riss ihre Augen weit auf und schlug sich die Hände vors Gesicht – Romantik lag in der Luft. Die Gäste zückten ihr Smartphones, schliesslich soll doch ein solch magischer Moment digital festgehalten werden. Nach einem «Yes, I do» ihrerseits fielen sich die beiden in die Armee. Lauter Beifall ertönte von allen Seiten. Ich fühlte mich wie ein Statist in einem Film. Ein turbulenter Tag endete doch noch versöhnlich.