Auf Tuchfühlung mit dem «144 für Tiere» in Altdorf

Seit bald zwei Jahren gibt es den Tierrettungsdienst Zentralschweiz mit Sitz auf dem Haldi. An einer Benefiz-Veranstaltung konnte man nicht nur dessen Betreiber, sondern auch achtbeinige Tiere kennenlernen.

Urs Hanhart
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Marcel und Chiara Henzen stellten ihren Tierrettungsdienst Zentralschweiz vor. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 11. Mai 2019)

Marcel und Chiara Henzen stellten ihren Tierrettungsdienst Zentralschweiz vor. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 11. Mai 2019)

Im Mehrzweckraum des Dätwyler-Gebäudes in Altdorf waren am Samstag, 11. Mai, den ganzen Tag über verschiedene Informationsstände aufgebaut. Diese drehten sich fast alle um das Wohl von Haustieren. Am meisten Aufmerksamkeit bei den Besuchern weckte ein Stand, an dem mehrere lebende und auch tote Vogelspinnen bestaunt werden konnten. Auch riesige Kakerlaken und weitere Krabbeltiere gab es dort zu sehen.

Ein Stand mit Vogelspinnen zog neugierige Blicke auf sich. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 11. Mai 2019)

Ein Stand mit Vogelspinnen zog neugierige Blicke auf sich. (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 11. Mai 2019)

Das alles war jedoch nur ein Nebengleis. Der wichtigste Stand war nämlich jener des Tierrettungsdienstes Zentralschweiz, der als Organisator auftrat und dem auch die Einnahmen sowie Spenden aus der Benefiz-Veranstaltung zugutekamen.

Von der Tier-Spitex bis hin zu Transporten zum Tierarzt

Der Tierrettungsdienst wurde im Juni 2017 von Marcel Henzen und dessen Frau Chiara aus der Taufe gehoben. Auf die Idee dazu kamen sie wegen einer schweren Erkrankung ihres Hundes. «Wir mussten ihn damals selber ins Spital fahren und wären froh gewesen um ein solches Angebot. Deshalb haben wir dann später beschlossen, selber einen Tierrettungsdienst aufzuziehen», erklärt Marcel Henzen.

Zunächst befand sich der Sitz des Tierrettungsdienstes im Muotatal, wurde dann aber nach einem Jahr aufs Haldi verlegt. «Anfänglich haben wir nur die Kantone Schwyz und Zug abgedeckt», erklärte Henzen. «Seit Juni 2018 haben wir auch noch die restlichen Zentralschweizer Kantone hinzugenommen. Deshalb drängte sich die Verlegung in den Kanton Uri auf, weil man von dort schnell in die anderen Kantone gelangt.»

Die Dienstleistungen des Tierrettungsdienstes seien breit gefächert, sagt Henzen – und fügt an:

«Etwas überspitzt formuliert sind wir das 144 für Haus- und Kleintiere.»

Medizinisch beschränken sich die Einsätze auf die Erstversorgung. Bei komplizierteren Fällen wird ein Tierarzt beigezogen. Daneben wird eine Tier-Spitex angeboten, Transporte zu Tierärzten sowie Schwerverletzten-Transporte zu Tierkliniken übernommen. Zudem ist das Ehepaar am Aufbau einer Pflegebetreuung.

Betrieb ist noch nicht selbsttragend

2018 leistete der Tierrettungsdienst Zentralschweiz 170 Einsätze. Diese Zahl sei im Vergleich zu anderen Tierrettungsdiensten relativ klein, so Henzen. «Erfreulich ist, dass unser Rettungsdienst laufend an Bekanntheit gewinnt. Viele Leute schätzen es inzwischen, dass es nun auch in der Zentralschweiz eine Abdeckung gibt.»

Henzen widmet sich inzwischen vollberuflich dem Tierrettungsdienst. 90 Prozent aller Fahrten werden von ihm abgedeckt. Wenn es viele Einsätze gibt, übernimmt seine Frau einen Teil der Transporte. Ausserdem wird Henzen von drei freiwilligen Helfern unterstützt. Den Rückholtransport, beispielsweise nach Autounfällen, bietet der Tierrettungsdienst für die ganze Schweiz und auch das grenznahe Ausland an. Weite Auslandtransporte seien derzeit noch nicht möglich, da ihre Einsatzfahrzeuge weitergehende Auflagen erfüllen müssten. «Das können wir im Moment finanziell noch nicht bewerkstelligen», so Henzen.

Der Tierrettungsdienst Zentralschweiz wird einerseits durch Spenden und andererseits durch die Einnahmen aus den Transportaufträgen finanziert, wobei Findeltiere kostenlos transportiert werden. Henzen hält fest:

«Momentan müssen wir meistens noch etwas drauflegen und den Betrieb quasi privat subventionieren.»

Das sei nur möglich, weil seine Frau noch einer anderen Arbeit nachgeht.

Dienstleistungen müssen bekannter werden

Henzen ist aber zuversichtlich, dass sich der Tierrettungsdienst mit zunehmender Bekanntheit dereinst selber finanzieren kann. Dazu diente auch der Benefiz-Anlass am Samstag, an dem Firmen, Partner und Sponsoren mit Ständen vertreten, die den Tierrettungsdienst von Beginn weg unterstützt hatten.

Mit knapp 200 Franken Spenden und Einnahmen liegt der finanzielle Erfolg des Anlasses zwar unter den Erwartungen. «Wir sind aber trotzdem froh, das Geld nun für die Ausgaben der Organisation einsetzen können, auch wenn es nicht reicht, diese zu decken.» Der Anlass habe gezeigt, dass sie noch mehr Öffentlichkeitsarbeit leisten müssen. Ein erster Schritt sei jedoch getan. «Es gab gute Gespräche. Neue Kontakte wurden geknüpft und vorhandene gestärkt.»

Zwei Urner retten Tiere aus allen Notlagen

Ob ein Hund im zu heissen Auto, eine Katze in der Motorhaube, flugunfähige Mauersegler, ein verirrter Siebenschläfer oder eine verhedderte Ente: Ist irgendwo ein Tier in Not, rücken Marcel und Chiara Henzen von Schattdorf in die ganze Zentralschweiz aus.
Carmen Epp