AUFSCHWUNG: «Beim Rugby darf man kein Weichei sein»

Es ist ein Sport für Hartgesottene. Gespielt wird praktisch ohne Schutzausrüstung, dafür aber mit viel Leidenschaft und Teamspirit und einer grossen Portion Kampfgeist. Auch in Uri lassen sich immer mehr von Rugby begeistern.

Philipp Zurfluh
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Ruppig geht es im Rugby zu und her. Rechts ist Raphael Zanini, Captain des Rugbyklubs Üri, zu sehen. Bild: Urs Hanhart (Bauen, 29. November 2016)

Ruppig geht es im Rugby zu und her. Rechts ist Raphael Zanini, Captain des Rugbyklubs Üri, zu sehen. Bild: Urs Hanhart (Bauen, 29. November 2016)

Dienstagabend in der Mehrzweckhalle in Bauen. Es geht richtig hart zur Sache, nichts für schwache Nerven. 25 Frauen und Männer laufen und kämpfen um einen ovalen Ball. Der Rugbysport hat in Uri Einzug gehalten.

Raphael Zanini, der Captain und Gründer des Rugbyklubs Üri, begann 2013, sich dem Rugby zu widmen. Er spielte mit Freunden zusammen oft in der Freizeit. Schon bald wurde das Hobby zu einer wahren Leidenschaft. 2014 entschieden der Bürgler und ein paar Freunde, den Schweizer Rugbyverband zu kontaktieren. Dieser konnte den Urnern bei ein paar Trainings wertvolles Wissen und Tipps geben. Schon kurze Zeit später war der erste Rugbyklub in Uri gegründet, fortan genannt Rugbyklub Üri.

Grosser Respekt vor Schiri und Gegnern

Seit dem Herbst 2015 spielt die Mannschaft in der Schweizer Erwachsenenliga. So spielte sie schon gegen Profis, die ihr Geld in der höchsten Liga in Italien verdienen. «Wir müssen manchmal klare Niederlagen einstecken, doch wir können selbst von unseren übermächtigsten Gegnern taktisch und technisch profitieren.» Seit dem Sommer dieses Jahres hat der Verein mit dem Rugbyklub Ticino zusammengespannt. So trainiert das Team jeden Dienstag in Bellinzona, ausgenommen in den Wintermonaten. «Der Aufwand lohnt sich», sagt Zanini. Zurzeit benützt das Team jeden Dienstag die Mehrzweckhalle in Bauen, um ihrer Passion nachzugehen. Auch Frauen dürfen mittrainieren, spielen aber in der Meisterschaft nicht mit. Zurzeit sind bei den Männern 16 Spieler im Alter zwischen 18 und 25 Jahren lizenziert. Für den angehenden Seklehrer ist der in England entstandene Sport eine Lebensschule. «Dieser Sport ist intensiv, actionreich, und man kann alle Energie herauslassen. Nach einem Spiel bin ich fix und fertig.» Er streicht zudem den Teamgeist hervor: «Bei uns kann einer nichts allein ausrichten, er ist auf die Mitspieler angewiesen.» Der gross gewachsene Captain ergänzt: «Wir sind wie eine grosse Familie.»

Körperliche Fitness beugt Verletzungen vor

Das Vorurteil, Rugby sei brutal, wird dieser traditionsreichen Sportart nicht gerecht. Werte wie gegenseitiger Respekt und leidenschaftliche Hingabe im Spiel werden grossgeschrieben. Ein altes englisches Sprichwort lautet sinngemäss: «Fussball ist ein Spiel für Gentlemen, welches von Grobianen gespielt wird, und Rugby ist ein Spiel für Grobiane, welches von Gentlemen gespielt wird.» Zanini kann das voll und ganz bestätigten: «Ich bin fasziniert von der Fairness gegenüber dem Gegner und dem Schiedsrichter, sei es auf oder neben dem Platz.» Im Fussball würde man oft sehen, wie der Schiedsrichter angeschnauzt werde, so etwas würde es im Rugby nicht geben. Die Spielregeln verbieten eine aggressive Spieltaktik. So darf ein Spieler ohne Ball nicht angegriffen werden, und auch grobe Berührungen der Halsregion werden vom Schiedsrichter scharf sanktioniert. Ohne blaue Flecken kommt man aber nicht davon, das weiss der Rugbyspieler: «Die Schutzausrüstung ist im Vergleich zu anderen Sportarten minimal.» Gerade mal ein Zahnschutz ist obligatorisch. «Beim Rugby darf man kein Weichei sein.»

«Wir möchten in Zukunft mehr Spieler anwerben»

Bisher sei seine Mannschaft von schweren Verletzungen verschont geblieben. «Wichtig ist die körperliche Fitness, sonst steigt das Verletzungsrisiko», betont Zanini. Harte Zweikämpfe ist sich der Student gewohnt. Er hat sich in seinen jungen Jahren dem Schwingsport gewidmet. So habe er gelernt, was Körperkontakt und hart umkämpfte Duelle bedeuten. Wie es mit dem Klub weitergehen wird, ist noch nicht in Stein gemeisselt. «Es wird sich bald entscheiden, ob wir weiterhin mit dem Rugbyklub Ticino zusammen trainieren können oder nicht.» Für Raphael Zanini ist aber klar: «Wir wollen in Zukunft noch mehr Spieler anwerben, die sich für Rugby begeistern lassen.» Fragt man ihn nach seinem grössten Wunsch, erhält man eine prompte Antwort: «Es wäre toll, mal in Uri ein Rugbyturnier auf die Beine stellen zu können.»

Philipp Zurfluh
philipp.zurfluh@urnerzeitung.ch