Auftragsschütze im Fall Walker erscheint nicht vor Urner Landgericht

Das Landgericht Uri hat am Donnerstag den Prozess gegen Sasa Sindelic wegen Irreführung der Rechtspflege vertagt. Der Angeklagte kreuzte nicht in Altdorf auf.

Lucien Rahm / SDA
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Bild aus vergangener Zeit: 2015 erschien der Auftragsschütze noch vor dem Urner Gericht - mittlerweile in Freiheit, leistete er der Vorladung nicht Folge.

Bild aus vergangener Zeit: 2015 erschien der Auftragsschütze noch vor dem Urner Gericht - mittlerweile in Freiheit, leistete er der Vorladung nicht Folge.

Bild: Alexandra Wey/Keystone

Sasa Sindelic, der Auftragsschütze im Fall Ignaz Walker, ist erneut Thema beim Urner Landgericht. Am Donnerstagmorgen hätte die Verhandlung gegen den 31-jährigen Kroaten in Altdorf stattfinden sollen. Die Vorwürfe: falsche Anschuldigung und Irreführung der Rechtspflege. Allerdings waren zu Verhandlungsbeginn um 9 Uhr weder Sindelic noch sein Zürcher Amtsverteidiger zugegen. Gerichtspräsident Philipp Arnold wartete vorschriftsgemäss noch 15 Minuten ab, um Sindelics Abwesenheit definitiv feststellen zu können. Dann vertagte Arnold das Verfahren auf einen noch unbestimmten Zeitpunkt. Erst, wenn der Beschuldigte auch nach abermaliger Vorladung nicht erscheint, darf ein Verfahren in seiner Abwesenheit durchgeführt werden.

Dass sich Sindelic tatsächlich nach Altdorf begeben wird, scheint unwahrscheinlich, zumal sein genauer Aufenthaltsort den Behörden nicht bekannt ist. Vorgeladen hatte ihn das Gericht mit einem öffentlichen Aufruf im Amtsblatt. Darin wird Sindelic freies Geleit zugesichert. Er dürfte der Verhandlung also beiwohnen, ohne dabei verhaftet zu werden. Denn eigentlich gilt für den Kroaten ein Einreiseverbot für die Schweiz. Nun wird er nochmals per Amtsblatt zum Erscheinen aufgefordert.

Nach vorzeitiger Entlassung ausgeschafft

Nachdem er 2017 vorzeitig aus der Haft entlassen worden war, wurde Sindelic umgehend nach Kroatien ausgeschafft. Bis dahin verbüsste er seine Haftstrafe in Krauchthal BE und Zug. Zu dieser Strafe verurteilte ihn das Landgericht wegen versuchten Mordes. Im Auftrag des damaligen Erstfelder Barbetreibers Ignaz Walker schoss Sindelic Ende 2010 auf dessen Ex-Frau Nataliya K. Das Gericht sprach dafür eine Gefängnisstrafe von achteinhalb Jahren aus.

Während dieser Haft gab er der SRF-Sendung Rundschau ein Interview. Darin behauptete Sindelic, Walker sei unschuldig und Opfer eines Komplotts geworden. Die versuchte Tötung von Nataliya K. sei in Wirklichkeit von dieser und ihrem neuen Freund inszeniert worden, um das Verbrechen Walker anzuhängen und ihn so ins Gefängnis zu bringen. Vor Obergericht bestätige Sindelic diese Aussagen. Da sie sich aber nicht bewahrheiteten, hat sich Sindelic laut dem ausserordentlichen Luzerner Staatsanwalt André Graf der falschen Anschuldigung und der Irreführung der Rechtspflege schuldig gemacht.

Auch das Bundesgericht verwarf die Komplotttheorie. Es bestätigte im Dezember 2018 die zehnjährige Freiheitsstrafe gegen Walker wegen versuchten Mordes in Mittäterschaft.