Ausführungsprojekt für den Bau der zweiten Gotthard-Strassenröhre genehmigt

Die Planung für den Bau der zweiten Gotthard-Strassenröhre schreitet voran. Baubeginn der Vorarbeiten ist im nächsten Sommer. Bis dahin werden die bautechnischen Einzelheiten geregelt. 

René Meier
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Was einst nur in der Theorie diskutiert wurde, wird immer fassbarer: Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) hat für das vom Bundesamt für Strassen (Astra) erarbeitete Projekt grünes Licht gegeben. Oder wie es das Astra am Donnerstag in einer Medienmitteilung formuliert: «Das Uvek hat das Ausführungsprojekt geprüft und die Plangenehmigungsverfügung erteilt».

Die zweite Röhre wird neben der bestehenden Tunnelröhre - im Bild das Nordportal - gebaut.

Die zweite Röhre wird neben der bestehenden Tunnelröhre - im Bild das Nordportal - gebaut. 

Bild: Urs Flüeler / Keystone (Göschenen, 31. August 2017)

Das vorliegende Projekt konkretisiere die generelle Planung des Bundesrates. Als nächstes erarbeitet das Astra das Detailprojekt. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

Ausbruchmaterial: Beim Bau der zweiten Gotthardröhre fallen rund 6,3 Millionen Tonnen Ausbruchmaterial an. Der grösste Teil davon kann wiederverwendet werden: Rund 2,8 Millionen Tonnen Gestein werden für die Verbesserung und Renaturierung der Flachwasserzone im Urnersee verwendet, rund 2,5 Millionen Tonnen werden in Airolo verwendet. Hier wird der Autobahnanschluss Airolo umgestaltet und die Autobahn auf einer Länge von 1000 Meter überdeckt. Dabei kann das Landschaftsbild aufgewertet und zusätzliche Flächen geschaffen werden, welche als ökologische Ersatzmassnahme dienen.

Göschenen: Im Rahmen des Plangenehmigungsverfahrens wurde für die Baustellenunterkünfte in Göschenen eine Lösung gefunden, die eine sinnvolle Nachnutzung ermöglicht, wie es weiter heisst. Das Astra werde zwei Parzellen kaufen. Die Unterkünfte für die rund 170 Arbeiter werden somit auf einer Tiefgarage erstellt, welche für die Dauer der Baustelle genutzt werde und der Bevölkerung Ersatzparkplätze garantiere. Für die spätere Nutzung der Parzellen als Wohnraum werde das Astra 2020 zusammen mit der Gemeinde Göschenen, dem Kanton Uri und Experten einen Projektwettbewerb durchführen. Zudem seien in Göschenen ebenfalls ökologische Ersatzmassnahmen vorgesehen.

Airolo: Weil der Platz in Göschenen knapp ist und die Naturgefahren hoch sind, wird der grösste Teil der Materialbewirtschaftung nach Airolo ausgelagert. Aufbereitet wird das Gestein in Stalvedro, südlich von Airolo. Danach wird das Gestein unter anderem per Zug bis nach Flüelen gebracht, wo es in den Urnersee gekippt wird. 

Kosten: Der Bau der zweiten Gotthardröhre beläuft sich gemäss aktuellen Schätzungen auf 2,053 Milliarden Franken (plus / minus 15 Prozent). Das entspricht den Angaben, die der Volksabstimmung zu Grunde lagen.

Baustart: Baubeginn der Vorarbeiten ist im Sommer 2020. Die Hauptarbeiten starten 2022, zeitgleich von Göschenen und Airolo und dauern sieben Jahre. Die zweite Röhre soll Mitte 2029 in Betrieb gehen. Anschliessend wird die bestehende Röhre während drei Jahren saniert. Ab 2032 stehen beide Tunnel zur Verfügung. Es wird eine Fahrspur pro Richtung dem Verkehr offenstehen, die andere dient als Pannenstreifen. 

Hinweis: Weitere Details auf der Seite des Astra 

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Carmen Epp