AUSSTELLUNG: Maler Rudolf Stüssi bringt Altdorf zum Wanken

Der Maler Rudolf Stüssi hält sich nicht gerne an Regeln. In einer neuen Ausstellung zeigt er den Urner Hauptort aus einem ganz neuen Blickwinkel.

Franziska Herger
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Der Maler Rudolf Stüssi zeigt mit seinen Werken neue Perspektiven auf. (Bild: Franziska Herger (Altdorf, 2. Juni 2017))

Der Maler Rudolf Stüssi zeigt mit seinen Werken neue Perspektiven auf. (Bild: Franziska Herger (Altdorf, 2. Juni 2017))

Franziska Herger

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Das Türmli im Zentrum von Altdorf ist schräg, die Fresken an der Turmwand sind zum Leben erwacht. Die gemalten Soldaten steigen auf die Strasse hinab, und auch Tell sieht nicht aus, als würde er noch lange auf dem Sockel bleiben: In den Augen von Rudolf Stüssi ist Altdorf in ständiger Bewegung und voll seltsamer Vorkommnisse. «Realistische Malerei ist mir zu langweilig», sagt der schweizerisch-kanadische Künstler. «Das kann jeder.» Stüssi gilt als Erfinder der fünften Perspektive, die ihn berühmt gemacht hat. Seine Malerei können Kunstfans noch bis Ende Juli in der Ausstellung «Schief gesehen» in der Kleingalerie Müller in Altdorf bestaunen. Am Freitagabend fand die Vernissage statt.

Es ist bereits das dritte Mal, das Rudolf Stüssi in der Kleingalerie Müller ausstellt. «Das ist immer wieder ein Highlight», sagt Eigentümer Willy Müller. Der Coiffeur lernte Stüssi vor siebzehn Jahren an dessen Wohnort in der Lenzerheide kennen. Seither sind sie gute Freunde. Stüssi zieht es aber nicht nur aus Freundschaft nach Uri. «Die Dramatik des Sees und der Berge ist jedes Mal beeindruckend. Ich komme immer wieder gerne zum Malen und Fotografieren hierher.» So hat er nicht nur das Telldenkmal, sondern auch das Rütli, das Kapuzinerkloster, das Fremdenspital und die Martinskirche in leuchtenden Farben eingefangen. Altdorf ist auf den ersten Blick erkennbar, und doch will man ein zweites und drittes Mal hinschauen: Der Urner Hauptort scheint zu tanzen, vieles ist nicht so, wie es zunächst scheint. Die Besucher der Vernissage zeigten grosses Interesse an den Werken, die auch zum Verkauf stehen.

Perspektive ja, aber weniger langweilig

Neben den Altdorfer Bildern zeigt Stüssi in der Ausstellung den Beginn einer neuen Serie von Ölbildern. Auch hier wollte sich der Maler nicht an die Regeln halten: «Ich hasse Rechtecke.» So bersten die Werke nun in sogenannten Sperrholzergänzungen überall dort aus dem Rahmen, wo das Bild bei Erreichen des Rands noch nicht fertig war. In der Kleingalerie Müller gibt es zudem drei Bilder zu sehen, die Stüssi eigens für die Ausstellung im Museum seines Freundes H. R. Giger in Gruyère gemalt hat. Sie sind merklich düsterer und unheimlicher als der Rest der Ausstellung. Andere Bilder, etwa eine Reihe von Porträts, muten fast klassisch an.

Was verbindet die Werke von Rudolf Stüssi, der auch als Trickfilmzeichner gearbeitet und «Heidi» von Johanna Spyri illustriert hat? «Ich muss immer frei sein und meiner Inspiration folgen», sagt der Wahlberliner. «Trotzdem ist meine Art zu malen unverkennbar.» Seine berühmte fünfte Perspektive schafft er, indem er das konventionelle Fadenkreuz von horizontalen und vertikalen Linien leicht verdreht. «So habe ich immer noch Fluchtpunkte, immer noch nur eine Bewegung durch das ganze Bild», erklärt Stüssi. Aber eben – «es ist weniger langweilig». Als Erfinder einer aus den Fugen geratenen Welt will er aber nicht gesehen werden. «Es war nicht meine Idee, dass die Welt schräg ist.»

Hinweis

Die Ausstellung «Schief gesehen» ist noch bis am 28. Juli in der Kleingalerie Müller in Altdorf zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 18.30 Uhr sowie am Samstag von 8 bis 12 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.