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AUSTAUSCH: Das Tessin rückt näher zu uns

Der Neat-Tunnel bringt uns 30 Minuten schneller ins Tessin. Touristiker, Studenten und Pendler könnten davon profitieren.
Gerhard Lob, Bellinzona
Die schnellere Bahnverbindung weckt Hoffnungen beim Tessiner Tourismus. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Die schnellere Bahnverbindung weckt Hoffnungen beim Tessiner Tourismus. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Gerhard Lob, Bellinzona

Auch für die Tessiner ist der 1. Juni, und somit die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels, ein wichtiger Tag. Doch ebenso wichtig ist für die Kantonshauptstadt Bellinzona ein Termin im Herbst: Am 14. und 15. Oktober wird der renovierte und erweiterte Bahnhof eingeweiht – wenige Wochen vor Inbetriebnahme des Neat-Tunnels.

Die Luzerner Stadtregierung und weitere Gäste sollen zu diesem Anlass mit dem Zug nach Bellinzona reisen und bereits den neuen Basistunnel passieren können. Luzern wird dann auch am Wochenmarkt in Bellinzona teilnehmen. Erst kürzlich sind die beiden Orte eine Städtepartnerschaft eingegangen.

Künftig interessant für Pendler?

Bereits weisen die Zentral- und die Südschweiz Gemeinsamkeiten auf. Zum Beispiel als Standorte für Bundesgerichte – das Versicherungsgericht ist in Luzern angesiedelt, das Bundesstrafgericht in Bellinzona. Vor allem sind Luzern und Bellinzona aber Fixpunkte auf der Gotthardachse. Das gilt sowohl für die Autobahn A 2 als auch für die Eisenbahn.

Als «Porta del Ticino» (Tor zum Tessin) wird Bellinzona der erste Haltepunkt von Reisenden südlich des Gotthards sein. Die Fahrzeit zwischen Luzern und Bellinzona wird sich ab der Inbetriebnahme des Tunnels Mitte Dezember um rund 30 Minuten reduzieren und nur noch gut 1 Stunde und 30 Minuten betragen. Zurzeit dauert die schnellste Verbindung 2 Stunden und 7 Minuten.

Gemäss Wirtschaftsforschern ist aber auch eine Fahrzeit von 1,5 Stunden noch zu lange, um für Arbeitspendler interessant zu sein. Mit neuen Arbeitsmodellen wie Home-Office könnte ein Wohnort im Tessin und ein Arbeitsort in der deutschen Schweiz zu einer realen Möglichkeit werden. Natürlich gilt dieses Modell auch umgekehrt, wie Rico Maggi, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts an der Universität Lugano, festhält.

Die Erwartungen im Tessin sind gross: Bellinzonas Stadtpräsident Mario Branda verweist darauf, wie der Bau der Gotthardbahn im 19. Jahrhundert Bellinzona verändert und geprägt hat. «Ich hoffe, dass auch der Basistunnel einen positiven Schub bringen wird», so Branda. Er denkt unter anderem an eine engere Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlichen Instituten dies- und jenseits des Gotthards.

«Tessin muss die Chance packen»

Für Marco Solari, den Präsidenten des Filmfestivals Locarno und langjährigen Präsidenten von Ticino Turismo, stellt der Gotthard-Basistunnel einen «so radikalen Wandel wie der Strassentunnel dar». Die Schweiz werde stärker zu einer einzigen Stadt verschmelzen, in der die Kantone wie Quartiere miteinander verbunden sind. Positiv sieht er auch neue Kooperationen, beispielsweise die Idee, dass das Verkehrshaus in Luzern in Biasca eine Art Aussenstelle realisieren könnte. «Wichtig ist, dass das Tessin diese Chance packt», so Solari.

Zusammenarbeit im Tourismus

«Die Zentralschweiz wird gerade von Politikern im Tessin gerne mal vergessen», meint hingegen Luca Albertoni, Direktor der Tessiner Industrie- und Handelskammer. Dabei sei der Austausch mit dieser Region sehr wichtig und intensiv. Insbesondere viele Handwerksbetriebe aus der Zentralschweiz seien in der Südschweiz tätig. Der neue Gotthard-Basistunnel könne in einigen Branchen zu einer vertieften Zusammenarbeit führen, etwa im Tourismus. «Die Zentralschweiz, und insbesondere Luzern, arbeitet sehr gut mit Asiaten, die für uns – bisher – eine geringere Rolle spielen», so Albertoni.

Uni Luzern ist beliebt

Beliebt ist Luzern auch bei den Tessiner Studenten, vor allem im Fachbereich Rechtswissenschaften. Im Jahr 2010 waren noch 84 Studierende aus dem Tessin (3,5 Prozent aller Studierenden) an der Uni Luzern eingeschrieben, im vergangenen Jahr 2015 ist diese Zahl bereits auf 167 angestiegen (6 Prozent). Die Universität Luzern geniesst im Tessin einen guten Ruf. Und die Nähe ist für Heimwehtessiner wichtig. «Durch die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels wird unsere Uni für Studierende aus dem Tessin noch attraktiver», sagt Lukas Portmann, Sprecher der Uni Luzern.

Nicht zu unterschätzen ist die Bedeutung des Neat-Tunnels allerdings auch für den kulturellen Austausch. Denn die sprachlichen und kulturellen Barrieren sind – bedingt durch den Gotthard – noch immer gross.

Benvenuti in Ticino!

Paolo Beltraminelli (54, CVP), Präsident der Tessiner Regierung. (Bild: pd)

Paolo Beltraminelli (54, CVP), Präsident der Tessiner Regierung. (Bild: pd)

Als Regierungspräsident des Kantons Tessin freue ich mich sehr, dass sich das Tessin und die Zentralschweiz demnächst viel näher sein werden. Wir werden einen fast einheitlichen Wirtschaftsraum bilden können. Für unseren Kanton ist es eine grosse Chance, solch dynamische Partner zu gewinnen, die regional, national und weltweit tätige Unternehmen bei sich beheimaten.

Ich bin überzeugt, dass auch die Zentralschweizer Kantone grosse Vorteile aus der Nähe zum Tessin haben werden. Ein positives Beispiel ist die Städtepartnerschaft zwischen Luzern und Bellinzona, welche für den Tourismus und die Wirtschaft neue attraktive Möglichkeiten eröffnen wird. Ich freue mich, Sie in unserem Kanton begrüssen zu dürfen!

Vergessen wir nicht, ein solch komplexes Bauwerk wie der neue Basistunnel konnte nur dank politischem Mut und grossem Fachwissen realisiert werden. So können wir mit Begeisterung direkt vor unserer Haustür die längste Eisenbahnquerverbindung der Welt einweihen.

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