Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Autoknacker in Sisikon: Mutmasslicher Dieb war «psychisch belastet»

Vor dem Urner Landgericht ist der Fall eines untergetauchten Mannes verhandelt worden. Dieser habe während gewisser Taten unter dem Einfluss von Medikamenten gestanden.
Lucien Rahm

Von Körperverletzung über mehrfachen Diebstahl und Hausfriedensbruch bis hin zur illegalen Einreise in die Schweiz hat die Liste der Vorwürfe, die dem jungen Mann aus Marokko zur Last gelegt werden, alles zu bieten. Der erstgenannte Vorwurf ist seit vergangenem April verjährt. Für den Rest hätte sich der Marokkaner gestern vor dem Urner Landgericht verantworten müssen. Wo sich der Mann befindet, ist den Behörden allerdings nicht bekannt. Das Verfahren wurde in seiner Abwesenheit durchgeführt.

Für sich betrachtet seien die einzelnen Taten eigentlich nichts Schweres, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Imholz zu Beginn seiner Ausführungen. Doch in der Summe sehe das Ganze eben anders aus. Seinen Opfern sei dadurch «ein gutes Stück Sicherheitsgefühl abhanden gekommen».

Konkret habe der Beschuldigte 2012 zusammen mit zwei Komplizen mehrere Autos in Sisikon aufgebrochen. Durch ein «arbeitsteiliges Zusammenwirken», wie es Imholz nannte, habe das Trio aus drei Personenwagen unter anderem mehrere teure Sonnenbrillen, Bargeld sowie einen Rollmeter entwendet. Verteidiger Karl Stadler, der den nicht anwesenden Beschuldigten vor dem Landgerichtspräsidenten II, Philipp Arnold, vertrat, stellte jedoch in Frage, ob sich die Beteiligung seines Mandanten an den Diebstählen beweisen lasse. Ein Zeuge, der das Eindringen ins Auto seines Vaters beobachtete, habe nur von zwei Tätern gesprochen. Diese habe er als osteuropäisch aussehend beschrieben. Sein Mandant sei jedoch nordafrikanischer Herkunft. Auch habe die Polizei weder eine Gegenüberstellung vorgenommen noch diese Zeugenaussagen protokolliert, so Stadler. Aufgrund dieser «Schwächen in der polizeilichen Beweisführung» sei die Beteiligung des Beschuldigten nicht eindeutig beweisbar.

DNA-Probe überführte Täter

Zweifelsfrei belegt ist hingegen die Anwesenheit des Marokkaners in einer Tiefgarage im zugerischen Rotkreuz. Mittels einer DNA-Analyse konnten die Ermittler ihm nachweisen, dass er 2012 in diese eingedrungen war. Dort machte er sich an zwei Autos zu schaffen, entnahm dem einen zwei hochpreisige Sonnenbrillen und dem anderen mangels verwertbarer Gegenstände nichts. Anschliessend verschaffte er sich Zugang zu drei Kellerabteilen, indem er die sie umgebenden Holzlatten wegriss. Auch hier konnte der Täter aber nichts aus seiner Sicht Brauchbares finden. Strafbar machte er sich dabei dennoch: des Hausfriedensbruchs, der Sachbeschädigung und des versuchten Diebstahls.

Angesichts des DNA-Beweises habe der Beschuldigte schliesslich zugeben müssen, dass er sich in der Tiefgarage aufhielt, sagte Oberstaatsanwalt Imholz. Was er dort gemacht habe, daran habe er sich dann allerdings nicht erinnern können. Denn er habe dabei unter starken Medikamenten gestanden. «Alles einfach nur Quatsch», befand Imholz.

Verteidiger Stadler sagte, der Beschuldigte habe zu jener Zeit tatsächlich Medikamente eingenommen. «In der Zeit dieser Delikte war er stark belastet, da sein Vater 2012 schwer erkrankte.» Nach seinem ersten mutmasslichen Delikt im April 2012 verbrachte der Marokkaner zudem 40 Tage in Untersuchungshaft, was ihn psychisch zusätzlich belastet habe. «Er war letztlich suizidal gefährdet, konsumierte Alkohol und auch Drogen.» Dennoch erachtete auch Stadler seinen Mandaten als schuldig im Zusammenhang mit dem Garageneinbruch.

«Im Grunde kein Krimineller»

Aufgrund der psychisch belastenden Umstände und seiner Lebensgeschichte als Flüchtling sei ihm eine bedingte Geldstrafe von 1200 Franken während einer Probezeit von zwei Jahren auszusprechen, forderte Stadler. «Er ist im Grunde kein Krimineller.»

Oberstaatsanwalt Imholz plädierte für eine ebenfalls bedingte Geldstrafe, die allerdings 3000 Franken betragen soll. «Der Beschuldigte zeigte sich weder kooperativ noch reuig.» Auch eine Busse von 800 Franken sowie die Verfahrenskosten sollen dem Marokkaner auferlegt werden. Die ganze Untersuchung kostete bislang über 10'000 Franken. Das Gericht wird den Parteien sein Urteil in den nächsten Tagen schriftlich eröffnen. Ob es auch den Beschuldigten selbst eines Tages erreichen wird, ist ungewiss.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.