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Axenstrasse bleibt nach Felssturz bis Mitte September zu

Die beiden Felsblöcke, die auf die Axenstrasse zu fallen drohen, lassen sich nur mit grossem Aufwand beseitigen. Durch Helikopter gesicherte Arbeiter müssen die Felsen anbohren und sprengen. Deshalb bleibt die Axenstrasse acht Wochen lang gesperrt.
Florian Arnold
Diese Steine drohen auf die Axenstrasse zu donnern. (Bild: Astra)

Diese Steine drohen auf die Axenstrasse zu donnern. (Bild: Astra)

Es sind keine guten Nachrichten, die das Astra am Mittwochnachmittag im Schwerverkehrszentrum in Erstfeld verkündete: Die Axenstrasse bleibt voraussichtlich acht Wochen gesperrt. Grund dafür sind zwei Gesteinsblöcke, die es vom Volumen her mit einem Klassenzimmer aufnehmen. Oder in Zahlen: die beiden Felsen sind 200 und 300 Kubikmeter gross und wiegen über 1000 Tonnen. «Man kann sich leicht vorstellen, was passiert, wenn diese Blöcke aus einer Höhe von 500 Metern auf die Autobrücke fallen», so Richard Kocherhans, Leiter Astra Zofingen. Solange diese Blöcke also in der Absturzschneise liegen, bleibt die Axenstrasse zu.

Entdeckt worden waren die beiden Blöcke am Sonntag, als sich im Gebiet zwischen den beiden Tunnels Gumpisch und Stutzegg ein Murgang ereignete. Dabei donnerte ein 12 Tonnen schwerer Stein in die Tiefe, beschädigte die Unterkante der Strassenbrücke und kam unterhalb dieser zu liegen. Nachdem die Strasse gesperrt wurde, sichteten Geologen die wesentlich gefährlicheren Blöcke. Seither wird versucht, diese aus dem Gebiet zu schaffen.

Dieser Felsblock zeigt die Dimensionen des Steinbruchs vom Sonntag. (Bild: Astra)

Dieser Felsblock zeigt die Dimensionen des Steinbruchs vom Sonntag. (Bild: Astra)

Erst Wasser, dann Sprengstoff: kein Erfolg

Doch das ist eine heikle Mission. «Oberhalb der beiden grossen Felsblöcke liegt weiteres loses Material, das sich jederzeit lösen kann», sagt Geologe Markus Liniger vom Unternehmen Geotest, der die Situation vor Ort begutachtet. Das macht es extrem schwierig, Massnahmen umzusetzen. In einem ersten Versuch habe man probiert, die Felsen wegzuschwemmen, indem Wasser in die Schneise geflogen wurde. Danach wurde rund um die Felsen gesprengt – ebenfalls erfolglos. Nun muss in die Felsen hineingebohrt werden, um dort Sprengstoff anzubringen.

Axensperrung: Markus Liniger, Geologe Markus Liniger vom Unternehmen Geotest. (Bild: Florian Arnold, 31. Juli 2019)

Axensperrung: Markus Liniger, Geologe Markus Liniger vom Unternehmen Geotest. (Bild: Florian Arnold, 31. Juli 2019)

Dies geht allerdings nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Vom Helikopter aus werden die Arbeiter an langen Leinen an den Fels geseilt, während von einem zweiten Helikop­ter aus das Gestein oberhalb der Felsblöcke überwacht wird. Sollte sich etwas bewegen, werden die Arbeiter unmittelbar in Sicherheit gebracht. Geflogen respektive gearbeitet werden kann somit nur bei guter Witterung, was die Planung schwierig mache, so Geologe Liniger.

Der Hang wird laut dem Experten schon seit Längerem beobachtet. Bisher habe man davon ausgehen können, dass Steinschläge in diesem Gebiet nicht bis auf die Strasse reichten. In Kombination mit dem Murgang sei nun aber ein anderes Bild zu Tage gekommen. Eine Gefahr sieht Liniger darin, dass der grössere der beiden Blöcke eine recht runde Form aufweise. Dadurch könne der Stein eine grössere Wucht entwickeln, weil er vom Untergrund weniger gebremst werden. Sobald sich die Steine in Bewegung setzen, hofft man, dass diese auf einer Schutthalde weiter unten zu liegen kommen und in eine stabile Lage gelangen. Ob dazu am besten mehrere kleinere Sprengungen oder eine grosse nötig sind, soll diese Woche bestimmt werden.

Die Arbeiten oberhalb der Axenstrasse sind vom Helikopter aus möglich. (Bild: Astra)

Die Arbeiten oberhalb der Axenstrasse sind vom Helikopter aus möglich. (Bild: Astra)

Automatische Sperrung wird angestrebt

Parallel zu den Arbeiten am Fels plant das Astra im Gebiet eine Überwachungsanlage zu installieren. Mit Radar sollen Gesteinsverschiebungen erkannt werden und den gefährdeten Strassenabschnitt sofort automatisch sperren. «Bei Sperrungen ist immer das Problem, dass es lange dauert, bis man die Strasse wieder freigeben kann», gibt Liniger zu bedenken.

Zum Einsatz kommen soll deshalb ein System, das schon erfolgreich in lawinengefährdeten Gebieten eingesetzt wird. Liniger nennt ein Beispiel aus Zermatt. Dort löse eine Überwachungsanlage eine Strassensperre aus, eine zweite Anlage überprüft dann, ob die Lawine effektiv bis auf die Strasse reicht. Ist dies nicht der Fall, wird die Strasse wieder frei gegeben. Details dazu sollen in den kommenden Tagen geklärt werden.

Bei Notfällen kann Sisikon auf Kanton Schwyz zählen

Das neue Regime bedeutet auch Konzeptanpassungen für die Urner Kantonspolizei. «Die Polizei aber auch die Feuerwehr und der Rettungsdienst mussten umdisponiert werden», sagt Oliver Schürch, Chef der Bereitschafts- und Verkehrspolizei Uri.

Denn die Urner Gemeinde Sisikon ist zurzeit vom Rest des Kantons quasi abgeschnitten. Für Notfälle können die Sisiger nun auf die Nachbarschaftshilfe aus dem Kanton Schwyz zählen.

Nadelöhr bei der Baustelle in Hergiswil

Vor allem aber war die Kantonspolizei mit Umsignalisierungen beschäftigt. Die Axenstrasse benützen pro Tag durchschnittlich 16'000 Fahrzeuge, in der Ferienzeit tendenziell mehr. Der Verkehr wird via A2 und Luzern umgeleitet. Dort kommt es zwischen Buchrain und der Verzweigung Rotsee zu Staus. Als ein Nadelöhr kristallisiert sich auch die Baustelle in Hergiswil heraus. An der Medienkonferenz am Mittwoch wurde allerdings betont, dass zurzeit der Verkehr beim Baustellenmanagement Vorrang habe. Staus lassen sich aber auch dort nicht verhindern.

Axensperrung: Dieses Bild wird man nun für längere Zeit antreffen: Der Axen ist ab dem Kreisel Flüelen gesperrt. (Bild: Florian Arnold, 31. Juli 2019)

Axensperrung: Dieses Bild wird man nun für längere Zeit antreffen: Der Axen ist ab dem Kreisel Flüelen gesperrt. (Bild: Florian Arnold, 31. Juli 2019)

«Wenn der Verkehr normal läuft, haben wir genügend Kapazität am Seelisberg», gibt sich Schürch überzeugt. «Dadurch, dass wir zwei Röhren am Seelisberg haben, können wir auch im Ereignisfall auf Gegenverkehr in einer Tunnelhälfte umschwenken. Es gibt also mehrere Eskalationsstufen.» Schlimmstenfalls müsse aber der Verkehr Richtung Gotthard zurückgestaut werden, da die Ausweichroute Axen ausfalle.

Situation für öffentlichen Verkehr soll noch verbessert werden

Axensperrung: Richard Kocherhans, Leiter Astra Zofingen. (Bild: Florian Arnold, 31. Juli 2019)

Axensperrung: Richard Kocherhans, Leiter Astra Zofingen. (Bild: Florian Arnold, 31. Juli 2019)

Astra-Stellenleiter Richard Kocherhans ist sich bewusst, dass die voraussichtlich achtwöchige Sperrung einen grossen Einschnitt für die Lokalbevölkerung bedeute. «Wir sind im engen Kontakt mit dem Kanton Uri und der zuständigen Stelle für öffentlichen Verkehr, ob man allenfalls zusätzliche Verbindungen schaffen kann», so Kocherhans. Dies sei allerdings Sache des Kantons, der kommende Woche mit den Gemeinden nach Lösungen suchen wird.

Ein Recht auf die Strassenverbindung gebe es nicht, räumt Kocherhans ein. «Es gibt aber ein moralisches Recht, dass wir alles daran setzen, die Folgen abzudämpfen», so der Astra-Stellenleiter. Darauf dürfe man zählen.

Kaum Auswirkungen auf Axentunnel-Projekt

Dass durch das Ereignis das Axentunnel-Projekt vorangetrieben wird, glaubt Richard Kocherhans hingegen nicht. «Es herrscht Konsens darüber, dass das Risiko von Naturgefahren an der Axenstrasse hoch ist. Die Gegner bringen andere Gründe vor.» So sind es mehrere Umweltorganisationen, die gegen das Projekt opponieren. Noch wurde die Stufe Plangenehmigung nicht erreicht.

So muss denn am Axen auch weiterhin mit Sperrungen gerechnet werden, wie es in den vergangenen zwei Jahren rund fünfmal der Fall war. «Eine absolute Sicherheit kann es nie geben», so Kocherhans.

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