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Axen wieder offen: Alarmanlage, Damm und Netze tun ihre Pflicht

Ein Murgang und Steinschlag mit mehreren hundert Kubikmetern Geröll hat die Infrastruktur an der Axenstrasse beschädigt. Die Strecke war am Mittwoch zwischen Sisikon und Flüelen bis 16 Uhr gesperrt.

Florian Arnold
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Das Geröll im Schutznetz.

Das Geröll im Schutznetz.

Bild: PD

Und plötzlich polterte es gewaltig: In der Nacht auf Mittwoch kam es im Bereich Gumpisch an der Axenstrasse erneut zu einem Murgang. Selbst auf der anderen Seeseite, also bei Bauen, habe man das rutschende Geröll noch gehört, wie Zeugen berichteten. Zwar erreichte nur wenig Gesteinsmaterial die Fahrbahn, wie Bilder zeigen. Trotzdem musste die Axenstrasse um 22.10 Uhr gesperrt werden. Gestern um 16 Uhr gaben die Verantwortlichen des Bundesamts für Strassen (Astra) die Verbindung zwischen Flüelen und Brunnen für den Verkehr wieder frei. Bis dahin musste der Verkehr über den Seelisbergtunnel und Luzern umgeleitet werden – wie dies während der längeren Sperrung im vergangenen Herbst der Fall war.

Wesentlich ist für das Astra, dass die ergriffenen Massnahmen vom vergangenen Jahr Wirkung zeigten. Dank des im Winter erstellten Ablenkdamms konnten Schäden an der Strasse selbst verhindert werden, wie das Astra schreibt. Und auch die Kantonspolizei Uri bestätigte: «Die im Herbst 2019 installierte Alarmanlage sprach ohne Zeitverzug an und löste eine vollständige Sperrung der Nationalstrasse aus.»

Einzelne kleine Steine schafften es bis auf die Axenstrasse.

Einzelne kleine Steine schafften es bis auf die Axenstrasse.

Bild: PD

Netze, Damm und Anlage beschädigt

Aufgrund der Dunkelheit konnte in der Nacht das Ausmass des Naturereignisses nicht abgeschätzt werden. Am Mittwochmorgen hätten die Verantwortlichen die Lage aus dem Helikopter begutachtet, sagt Astra-Sprecherin Esther Widmer. Der Murgang hat deutliche Spuren hinterlassen: So wurde der Ablenkdamm an wesentlichen Stellen zerdrückt. Daneben nahmen auch die Rückhaltenetze Schaden. Auch das Überwachungssystem wurde beschädigt.

Der Murgang bei der Axenstrasse.

Der Murgang bei der Axenstrasse.

Bild: PD

«Für uns gilt in solchen Situationen immer, dass wir die Verkehrssicherheit so rasch wie möglich wieder herstellen und die Strasse für den Verkehr wieder freigeben können», erklärt Esther Widmer. Im Verlauf des gestrigen Tages mussten deshalb Reissleinen und Sensoren ersetzt werden, damit das Überwachungs- und Alarmsystem wieder funktionierte. Dieses detektiert Blöcke und Murgänge, welche in Bewegung geraten und veranlasst eine automatische Sperrung der Axenstrasse, indem die Ampeln sofort auf Rot schalte. Die Reaktionszeit ist so ausgelegt, dass 20 Sekunden verbleiben, bis das Gestein auf der Fahrbahn auftrifft.

Auslöser des Ereignisses dürften die starken Regenfälle der vergangenen Tage gewesen sein. Deshalb wirkten die Verantwortlichen des Astra nicht überrascht: «Regen erhöht die Möglichkeit eines Murgangs. Da sich noch rund 100 000 m3 Geröll im Gumpischtal befinden, ist ein Murgang immer wieder möglich.» Dies sei auch der Grund für die ständige Überwachung. Aufgrund des jüngsten Ereignisses seien aber keine zusätzlichen Massnahmen nötig, so Esther Widmer. Was dieses an Kosten ausgelöst habe, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen. In den kommenden Wochen werden Reparatur- und Wiederherstellungsarbeiten am Ablenkdamm und den Schutznetzen ausgeführt.

Ereignisse werden für neues Projekt analysiert

Das jüngste Ereignis stellt gerade auch die Planer des Projekts «Neue Axenstrasse» vor grosse Herausforderungen. Denn die Pläne, die nun vom Uvek genehmigt wurden (siehe Ausgabe vom Dienstag), sehen Folgendes vor: Exakt an der Stelle, wo sich der Murgang ereignete, wird sich das Südportal des Sisikoner-Tunnels befinden.

«Wir sind noch daran, die Felsstürze vom vergangenen Jahr und auch den jetzigen zu analysieren», sagt Stefan Gielchen, Gesamtleiter Axen vom Tiefbauamt Schwyz. «Für uns ist wichtig, die Sache sehr seriös anzugehen. Wir müssen aufzeigen, dass wir die Gefährdungen durch die Geologie beherrschen können.» Denn die verbleibenden 100000 Kubikmeter instabiles Gestein am Berg sind definitiv ernst zu nehmen. «Zum jetzigen Zeitpunkt können wir davon ausgehen, dass unser Projekt die bisherigen Felsstürze ausgehalten hätte.» Denn das Südportal des Sisikoner-Tunnels wird mit einer Galerie überdacht sein, welche die Strasse vor Felsstürzen sichern soll. Doch wäre es nicht sicherer, den Tunnel etwas länger zu bauen und das Portal weiter südlich zu platzieren und somit die gefährliche Stelle zu umgehen?

Erkenntnisse der Experten werden abgewartet

«Jetzt das Projekt umzukippen, wäre zu kurz gegriffen», sagt der Gesamtleiter des 1-Milliarden-Projekts. Dieses um eine Tunnelverlängerung anzupassen, dürfte gerade auch politisch und formell äusserst aufwendig werden. «Wenn die Experten zum Schluss kommen, dass wir das Projekt den neuen geologischen Erkenntnissen anpassen müssen, werden wir dies tun», sagt Stefan Gielchen weiter, stellt aber auch klar: «Eine Verschiebung des Portals ist kein Thema.»

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