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BAHNVERKEHR: Gotthard-Bergstrecke: «Ein Glücksfall für den Kanton Uri»

Ab 2020 betreibt die Südostbahn die Gotthard-Bergstrecke für die SBB. Trotzdem will jedoch Andermatt Swiss Alps die Idee eines Skibusses von den Zentren nach Andermatt – als Ergänzung zur Bahn – nicht aufgeben.
Carmen Epp
Eine Komposition der Südostbahn unterwegs zwischen Arth-Goldau und Sattel, im Hintergrund: Die Mythen. (Bild: PD)

Eine Komposition der Südostbahn unterwegs zwischen Arth-Goldau und Sattel, im Hintergrund: Die Mythen. (Bild: PD)

Die Südostbahn (SOB) holt die Gotthard-Bergstrecke vom Abstellgleis zurück aufs Tapet. Ab Dezember 2020 wird das Ostschweizer Bahnunternehmen die Panoramaroute durch den Kanton Uri betreiben, mit eigenem Rollmaterial und nach eigenem Konzept, aber unter dem Dach der SBB. Dann fahren alternierend alle zwei Stunden Fernverkehrszüge von Basel beziehungsweise Zürich über die Gotthard-Bergstrecke direkt ins Tessin.

Möglich macht dies ein Kooperationsvertrag, den die SBB und die SOB vergangene Woche unterzeichneten (siehe Ausgabe vom 8. und 13. Juli 2017). Die SBB und die SOB werden den Vertrag nun dem Bundesamt für Verkehr vorlegen und ein Konzessionsgesuch einreichen.

Zusammenarbeit birgt Chancen für Uri

Damit haben monatelange Gespräche zwischen den beiden Bahnunternehmen ein versöhnliches Ende genommen, von dem nicht zuletzt auch der Kanton Uri profitiert. Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind spricht auf Anfrage von der «bestmöglichen Lösung» und einem «Glücksfall» für den Kanton Uri. Nicht nur, weil die Tage, an denen man auf der Zugreise vom Mitteland nach Göschenen bis zu dreimal umsteigen muss, bald gezählt sind. Positiv sei auch die Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen. Hätte die SOB ein eigenes Konzessionsgesuch für den Fernverkehr auf der Gotthard-Bergstrecke eingereicht, wären durch die Konkurrenzsituation Probleme entstanden, ist sich Camenzind sicher. Durch die Zusammenarbeit zwischen den SBB und der SOB sieht der Urner Volkswirtschaftsdirektor auch Chancen für die Bergstrecke selber. «Die SOB ist gut im Vermarkten von touristischen Strecken, was sie beim Voralpen­express bereits bewiesen hat. Und die SBB haben die Grösse und die Power. Diese Ergänzung ist ideal.»

Auch der Urner CVP-Ständerat Isidor Baumann, der in Bundesbern für den Erhalt der Gotthard-Bergstrecke kämpft, begrüsst die Zusammenarbeit der beiden Bahnunternehmen. «Der bisher verlässliche Partner, die SBB, ist weiterhin am Ball, lässt aber auch die Ideen und Überlegungen der SOB einfliessen. Das sehe ich als grosse Chance für die Bergstrecke.» Er habe sich denn auch sogleich via SMS bei SBB-CEO Andreas Meyer «für diesen bedeutenden Entscheid für die Leute am Gotthard» bedankt.

Den einzigen «Schönheitsfehler» sieht Baumann darin, dass die Zusammenarbeit erst 2020 beginnt. «Gute Ideen sollte man eigentlich nicht für später aufsparen, sondern sofort umsetzen», findet er. Die späte Umsetzung dürfte daran liegen, dass die SOB für ihre Fernverkehrsstrecken neues Rollmaterial, Züge des Typs Flirt III, einsetzen möchte, das noch bestellt werden muss.

Immerhin: Gemäss Fahrplanentwurf der SBB sind bereits ab Dezember 2017 Verbesserungen vorgesehen. Dann verkehren zwei Interregio-Züge ganzjährig am Wochenende von Zürich nach Göschenen. An Werktagen ist weiterhin ein Umsteigen in Erstfeld notwendig.

Skibusse sollen Bahnangebot ergänzen

Aktuellen Handlungsbedarf sieht hingegen die Andermatt Swiss Alps (ASA) AG. Diese hatte bereits im Februar angekündigt, die Einführung eines Skibusnetzes mit regelmässigen Fahrten von Basel, Zürich, Zug, Luzern und Lugano nach Andermatt zu prüfen, um Skifahrern das lästige Umsteigen zu ersparen. Man beur­teile die Absicht von den SBB und der SOB «grundsätzlich positiv – auch wenn 2020 noch weit weg ist», hält ASA-Mediensprecher Stefan Kern auf Anfrage fest. An regelmässigen Skibusangeboten sei man aber «weiterhin interessiert».

Die ASA sei diesbezüglich im Gespräch mit Busunternehmen. Es gebe auch Unternehmen, die bereits Konzessionsgesuche eingereicht hätten, so Kern. Um welche Busunternehmen es sich handelt, wollte der Mediensprecher nicht sagen. Dabei scheinen die Abklärungen bereits weit fortgeschritten. So geht die ASA davon aus, dass es bereits ab der kommenden Wintersaison 2017/18 ein entsprechendes Skibusangebot geben wird. Ob, wie lange und in welchem Umfang das Angebot bestehen bleibt, sei dann eine unternehmerische Entscheidung des Anbieters, also des Busunternehmers, sagt Kern. Dabei sehe die ASA den Skibus nicht etwa als Konkurrenz zur Bahn, sondern als Ergänzung. «Je mehr verschiedene Möglichkeiten es gibt, nach Andermatt zu kommen, desto mehr Leute kommen schliesslich auch», so Kern.

Uri muss attraktives Umfeld schaffen

Hier sieht auch Isidor Baumann noch weitere Aufgaben auf den Kanton Uri zukommen. Sobald die direkten Züge ab 2020 eingesetzt werden, müsse man aufzeigen, dass die Strecke auch tatsächlich benötigt wird. «Dafür braucht es ein attraktives Umfeld», sagt der Urner Ständerat. «Und da sind der Tourismus und die Tourismusförderung gefragt.» Man sei bereits im Gespräch mit den Tourismusorganisationen, hält Urban Camenzind dazu fest. Der Urner Volkswirtschaftsdirektor ist zuversichtlich: «Mit dem jetzigen Bekenntnis der SBB und der SOB zur Gotthard-Bergstrecke im Rücken sind wir auf einem guten Weg.»

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

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