Bald starten die Arbeiten fürs Fernwärmenetz in Göschenen

Am 4. Mai werden in Göschenen die Baumaschinen für die erste Etappe des Fernwärmeleitungsnetzes auffahren. Damit folgt gemäss EWG-Geschäftsführer Bruno Müller auf eine lange und intensive Planungsphase endlich die bauliche Realisierung dieses ehrgeizigen Projekts.

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Die Bauarbeiten für das Fernwärmenetz Göschenen starten am 4. Mai.

Die Bauarbeiten für das Fernwärmenetz Göschenen starten am 4. Mai.

Bild: PD/Bruno Müller
(pd/sez)

Bereits 2011 wurde auf dem Areal «Eidgenössischen» das Heizwerk Gotthard erstellt und durch einen alten Militärstollen nachhaltig produzierte Wärmeenergie nach Andermatt geliefert. Zu diesem Zeitpunkt fanden auch erste Vorabklärungen durch die Gemeinde für einen möglichen Energieabsatz im Dorf Göschenen statt. Bedingt durch die schwierige Geländesituation mit erheblichen Höhenunterschieden musste das erste Projekt aus finanziellen Gründen zurückgestellt werden. Mit der Zustimmung zum Bau des zweiten Gotthardtunnels änderte sich die Ausgangslage aber schlagartig: Einerseits benötigt das Astra als Bauherrin für Kantine, Büros und Arbeiterunterkünfte ausreichend Wärmeenergie, anderseits muss die alte Löschwasserleitung für den Gotthardstrassentunnel definitiv ersetzt werden.

Grosse Chance auf ein neues Fernwärmenetz

Durch die zwangsläufig nötigen Grabarbeiten mitten im Dorf Göschenen eröffneten sich völlig neue Optionen für den Bau eines Fernwärmenetzes. Der über zehn Jahre garantierte Wärmebezug durch das Astra verbessert zudem die Kennzahlen der Wirtschaftlichkeitsrechnung markant. Mit dieser neuen Ausgangslage wurde das Projekt Fernwärmenetz Göschenen reaktiviert und ein erster Planungskredit gesprochen. Als Bauherrin wird das Elektrizitätswerk Göschenen EWG auftreten. Am 19. Mai 2019 befürworteten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Göschenen schliesslich einen Investitionskredit in der Höhe von 1,2 Millionen Franken für die Realisierung des geplanten Fernwärmenetzes. In zahlreichen Sitzungen der Wärmekommission konnten die genaue Leitungsführung definiert und Knackpunkte wie die Unterstossung der SBB-Geleise oder die Querung der Schöllenen-Reuss gelöst werden. Parallel dazu wurde in Göschenen intensiv nach potenziellen Wärmekunden gesucht, welche das nachhaltige Angebot nutzen wollten. Bereits beschlossene Sache war der Anschluss der gemeindeeigenen Objekte wie Schulhaus, Pfarrhaus, Sportanlage und Villa Bergruh.

Der hohe Koordinationsaufwand hat sich gelohnt

Als grösste Herausforderung entpuppte sich die Koordination mit allen Werkbeteiligten. Neben dem Astra und dem EWG konnten im Laufe der Planung mit SBB, Abwasser Uri, Wasserversorgung Göschenen und dem EWA weitere Interessenten gewonnen werden. Die Grabarbeiten ergeben so einen hohen Synergieeffekt, zudem können in diesem Projekt auch längst fällige Strassen­sanierungen, etwa im Bereich der Kirchmatt, erledigt werden. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf knapp 5 Millionen Franken. Mehr als 95 Prozent der Aufträge konnten an Urner Unternehmen vergeben werden. Kurz vor dem eigentlichen Baubeginn kamen noch die Auswirkungen der aktuellen Covid-19-Pandemie ins Spiel. Die angeordneten Zwangsmassnahmen erschwerten die Planung zusätzlich und verzögerten den ursprünglich geplanten Baubeginn um zwei Wochen. Nun wird es aber am 4. Mai definitiv losgehen mit der Realisierung eines umwelt­freund­lichen und nachhaltigen Fernwärmenetzes in Göschenen.