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Interview

Urner Kantonalbank will den Zug nicht verpassen

Eine erhöhte Mitarbeiterfluktuation, strukturelle Veränderungen in der Organisation, aber auch Zukunftsprojekte wie der Neubau am Bahnhof fordern die Führung. Bankratspräsident Heini Sommer und CEO Christoph Bugnon nehmen Stellung.
Interview: Bruno Arnold
Bankratspräsident Heini Sommer (links) und Christoph Bugnon, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Urner Kantonalbank, sind von der Notwendigkeit und Richtigkeit der Strategie 2021 überzeugt. (Bild: Corinne Glanzmann (Altdorf, 18. Oktober 2018))

Bankratspräsident Heini Sommer (links) und Christoph Bugnon, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Urner Kantonalbank, sind von der Notwendigkeit und Richtigkeit der Strategie 2021 überzeugt. (Bild: Corinne Glanzmann (Altdorf, 18. Oktober 2018))

Heini Sommer, bei der Urner Kantonalbank häufen sich die Abgänge in erhöhtem Masse? Macht Ihnen das als Bankratspräsident Sorgen?

Heini Sommer: Es ist richtig, dass wir in den letzten rund zwei Jahren eine erhöhte Fluktuation hatten. Sorgen macht mir dies aber nicht, da ich die Gründe kenne. In einer Transformationsphase, wie wir sie aktuell mit der Umsetzung der Strategie 2021 durchlaufen, sind häufigere Abgänge keine ausserordentliche Entwicklung.

Und weshalb braucht es diese Transformation der UKB?

Sommer: Um nur einige Gründe zu nennen: Die Margen stehen unter Druck und sind seit 2000 laufend rückgängig. Die Kosten steigen, nicht zuletzt aufgrund wachsender Anforderungen des Regulators. Für die Kantonalbanken gibt es kein Abschotten mehr. Geografische Grenzen gelten – gerade wegen der zunehmenden Digitalisierung – nicht mehr. Die Bankenbranche muss sich für den «digitalen Tornado» rüsten und sich anpassen. Diesen Herausforderungen begegnet die UKB mit der Strategie 2021. Bei der Übernahme des Präsidiums des Bankrats im Jahr 2016 habe ich den Mitarbeitern gesagt, dass wir eine Strategie ausarbeiten, die uns ins nächste Jahrzehnt führen soll und die Zukunftsfähigkeit unseres Bankinstituts sichert.

Der Urner Kantonalbank geht es doch sehr gut. Braucht es die angesprochene Sicherung überhaupt?

Sommer: Unserer Bank geht es noch sehr gut. Wir sind in Uri die Nummer 1 im Privat- und Firmenkundengeschäft und mit einem Eigenkapital von 290 Millionen Franken auch gut aufgestellt. Wir sind also nicht unter akutem Zugzwang. Aber der Bankrat ist überzeugt: Wenn wir nicht heute schon versuchen, noch agiler zu werden und uns noch bewusster auf die Kundenbedürfnisse auszurichten, kann es schwierig werden. Wir wollen und müssen schneller und noch besser werden und im zunehmenden Preiskampf eine Rendite erzielen, welche die zukünftige Existenz sichert. Wer sich nicht rechtzeitig neu ausrichtet, der überlebt nicht – gerade in der sich äusserst dynamisch entwickelnden Bankenwelt. So hat sich die Anzahl der Banken in der Schweiz von 2007 bis 2017 um 21 Prozent verringert, und diese Konsolidierung wird weitergehen. Die UKB möchte trotz ihrer Kleinheit selbstständig bleiben.

Beim Personal hat die Strategie 2021 offenbar Verunsicherung ausgelöst.

Christoph Bugnon: Die grösste Herausforderung ist die horrende Veränderungsgeschwindigkeit. Die nötigen organisatorischen Anpassungen und Änderungen in den bankinternen Abläufen verlangen Flexibilität und Offenheit für Neues. Dies führt zu Reibungen, Diskussionen und Fragen. Es gibt Mitarbeiter, die mit dem Tempo überfordert sind. Dies kann sich in Unruhe und auch in Zukunftsängsten manifestieren. Dies ist bei Veränderungen absolut natürlich.

«Wer sich nicht rechtzeitig neu ausrichtet, der überlebt nicht.»

Heini Sommer, Bankratspräsident

Sommer: Der Bankrat, die Geschäftsleitung und die Mitarbeiter müssen in einer Phase des Umbruchs eine gewisse Verunsicherung und Reibungen aushalten können. Was klar ist: Jeder stellt sich selber immer wieder die Frage, ob ihm dies gefällt oder nicht. Es gibt sehr viele Mitarbeiter, die diese Veränderungen auch als Bereicherung und attraktives Zukunftsbild sehen.

Anders gesagt: Es geht mit der Strategie 2021 auch darum, Mitarbeitern den Abgang nahezulegen. Geschieht dies mit goldenen Fallschirmen?

Sommer: Goldene Fallschirme wollen und können wir uns als kleine Bank nicht leisten. Die Veränderung von Organisationen und Abläufen führt häufig dazu, dass sich Betroffene überlegen, wo sie sich in den nächsten fünf oder zehn Jahren beruflich sehen. Die einen sind fasziniert von der neuen Herausforderung und entscheiden sich zu bleiben. Bei anderen führt dies zum Wunsch, sich neu zu orientieren, auch mal Erfahrungen in einer anderen Bank oder in einer anderen Branche zu sammeln. Wird trotzdem ein Stellenabbau nötig, sorgen wir dafür, dass dieser sozialverträglich erfolgt. Wir suchen gemeinsam mit den Betroffenen akzeptable und faire Lösungen – auch wenn diese rein rechnerisch nicht immer die kostengünstigsten sind.

«Es gibt auch Mitarbeiter, die mit dem Tempo überfordert sind.»

Christoph Bugnon, CEO

Bugnon: Wir wollen und können zum Glück jeden Fall einzeln anschauen. Das ist ja gerade die Chance einer relativ kleinen Bank. Bisher ist es uns auch grösstenteils sehr gut geglückt, für beide Seiten verkraftbare und akzeptable Lösungen zu finden.

Aber schadet die erhöhte Fluktuation nicht auch dem Image der Bank? Finden Sie überhaupt noch genügend qualifiziertes Personal?

Sommer: Wechsel haben immer auch zur Folge, dass neue Mitarbeiter mit eigenen Vorstellungen und Ideen kommen und dass sich daraus auch Chancen für die UKB ergeben.

Bugnon: Wir haben in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit der Strategie 2021 auch auf externe Beratung gesetzt, weil wir angesichts des rasanten Wandels in der Branche das nötige Know-how anders gar nicht hätten aufbauen können. Jetzt kommt die Phase, in der wir diesen Anteil zurückfahren können. Diese Strategie hat auch dazu geführt, dass neue und spannende Menschen mit dem entsprechenden Know-how, die auch neue Dynamik mitgebracht haben, angestellt werden konnten. Interessanterweise haben wir die gesuchten Leute bisher relativ gut und zu vernünftigen Konditionen gefunden, die sich im Rahmen unseres Lohngefüges bewegen. Eine Transformation in einem kleinen Unternehmen mitzugestalten und damit eine gewisse Wirkung erzielen zu können, ist offensichtlich auch eine extrem spannende Aufgabe.

Im Erdgeschoss des heutigen UKB-Hauptsitzes in Altdorf soll eine Kundenzone beibehalten werden. (Bild: Corinne Glanzmann, 18. Oktober 2018)

Im Erdgeschoss des heutigen UKB-Hauptsitzes in Altdorf soll eine Kundenzone beibehalten werden. (Bild: Corinne Glanzmann, 18. Oktober 2018)

Die Strategie 2021 hat auch mit Sparen zu tun. Zeichnen sich Veränderungen bei den Filialen ab?

Sommer: Es gibt grundsätzlich keine Denkverbote oder Tabus. Letztlich kann es aber nicht um die Frage gehen, ob wir an einem Standort eine Filiale haben oder nicht, sondern darum, wie wir mit unserem neuen Geschäftsmodell, der Vertriebsbank, ein Distributionsnetz aufbauen können, das die Kundenbedürfnisse möglichst gut erfüllt. Dieses Netz – und damit auch die Frage der Filialstandorte – muss laufend den veränderten Kundenbedürfnissen Rechnung tragen. Diese haben sich in den vergangenen Jahren deutlich geändert. Das zeigt zum Beispiel die Entwicklung des Zahlungsverkehrs, der heute grösstenteils online stattfindet und nicht mehr über Einzahlungsscheine. Zudem spüren wir auch das Bedürfnis nach flexibleren Öffnungszeiten oder den Ruf nach einem Angebot, das vermehrte Kundenkontakte am Abend ermöglicht, aber auch den Wunsch nach neuen Touchpoints wie etwa Twint.

«Es gibt grundsätzlich keine Denkverbote oder Tabus.»

Heini Sommer, Bankratspräsident

Bugnon: Diesen Wünschen sind im Spannungsfeld des Margendrucks aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht der Bank irgendwo Grenzen gesetzt. Ich denke, wir werden Prioritäten setzen müssen und können langfristig sicher nicht einfach alles Wünschbare erhalten und zugleich Neues auf- und ausbauen. Das ist immer auch eine Frage der Ressourcen.

Der Neubau der UKB am Bahnhofplatz 1 in Altdorf scheidet die Geister: Grössenwahnsinn oder Notwendigkeit?

Sommer: Ganz klar eine Notwendigkeit. Der Kantonsbahnhof Altdorf wird dereinst der zentrale Standort sein mit den meisten Pendlerströmen. Wir glauben an die Zukunft des Entwicklungsschwerpunkts Urner Talboden und nehmen mit unserem Engagement am Bahnhofplatz auch unsere volkswirtschaftliche Verantwortung gemäss UKB-Gesetz wahr, indem wird sozusagen einen Beitrag zum Durchstarten des Generationenprojekts Entwicklungsschwerpunkt unteres Reusstal leisten. Von Grössenwahn kann überhaupt keine Rede sein. Das ist unter anderem daran zu erkennen, dass die UKB selber nur einen Drittel der gesamten Fläche respektive nur gut 2000 Quadratmeter in Anspruch nehmen wird. Das sind 20 Prozent weniger, als heute an der Bahnhofstrasse 1 zur Verfügung stehen. Auf den restlichen zirka 4500 Quadratmetern bieten wir modernste Büroräumlichkeiten für innovative Unternehmen an.

So sieht der Neubau beim Bahnhof Altdorf aus, den die Urner Kantonalbank plant. (Illustration: UKB)

So sieht der Neubau beim Bahnhof Altdorf aus, den die Urner Kantonalbank plant. (Illustration: UKB)

Und was hat der Neubau mit der Strategie 2021 zu tun?

Sommer: Das neue Hauptgebäude soll ein Symbol der Strategie 2021 respektive der neuen Ausrichtung als Vertriebsbank sein. Wir wollen am Bahnhofplatz moderne Dienstleistungsangebote und einen attraktiven Begegnungsort schaffen. Die UKB will dort einen weiteren Meilenstein setzen – ähnlich wie 1978, als sie als schweizweit dritte Bank einen Bancomaten einführte, oder wie 2002, als sie als eine der ersten Banken im Land die typischen Schalter mit Panzerglas vollständig abgeschafft und ein neues und innovatives Marktplatzkonzept lanciert hat, das schweizweit Beachtung und einige Nachahmer gefunden hat.

Also ist der Neubau halt doch ein Prestigeobjekt?

Bugnon: Nein. Die Urner Kantonalbank setzt damit ein starkes Zeichen und einen volkswirtschaftlichen Initialimpuls. Wir bauen ja keine neue Bank, sondern ein attraktives Dienstleistungszentrum. Im neuen Gebäude können wir unseren Mitarbeitern aber auch bisher nicht vorhandene Möglichkeiten anbieten, die ein kundenorientiertes Arbeiten und das gute Funktionieren von internen Abläufen – über die verschiedenen Geschäftseinheiten hinweg – optimal unterstützen. Eine riesige Bank, die Uri auch nie brauchen wird, war in keinem Moment unsere Absicht.

Ging es aber zumindest darum, als Platzhirsch andern Bankinstituten zuvorzukommen?

Bugnon: Der Platzhirsch-Gedanke war sicher nicht die Motivation oder das entscheidende Argument, um diesen Bau aufzustellen. Für uns war aber von Anfang an klar, dass wir auf jeden Fall im Entwicklungsschwerpunkt in irgendeiner Form vor Ort präsent sein wollten – im Minimum mit einem Bancomaten, im Maximum mit der ganzen Bank. Im Verlaufe der Projektierung ist dann der Entscheid für den Umzug an den Bahnhofplatz gefallen.

Glauben Sie, dass alle Räumlichkeiten vermietet werden können?

Bugnon: Wir erarbeiten zurzeit ein Vermarktungskonzept. Wir sind optimistisch, dass es einen echten Bedarf für diese Räumlichkeiten geben wird.

«Eine riesige Bank, die Uri auch nie brauchen wird, war in keinem Moment unsere Absicht.»

Christoph Bugnon, CEO

Sommer: Ich bin persönlich zuversichtlich, zumal wir für alles offen sind. Es gibt beispielsweise auch Ideen zur Ansiedlung von grösseren Dienstleistungsunternehmen oder beispielsweise auch von Universitäts- oder Fachhochschulabteilungen. Diesbezüglich arbeiten wir eng mit der Volkswirtschaftsdirektion zusammen.

Aber in Uri hat es bereits genügend Büro- oder Gewerberäumlichkeiten?

Bugnon: Dessen sind wir uns natürlich bewusst. Die Vermarktung dürfte denn auch die grosse Herausforderung werden. Zuversichtlich stimmt uns aber, dass es in Uri bisher nichts Vergleichbares in dieser Modularität, Flexibilität und Grösse gibt, wie es die UKB dereinst am Bahnhofplatz 1 wird zur Verfügung stellen können. Wir führen eine Liste mit Interessenten, die sich bereits gemeldet haben. Aber im Moment können wir noch keine konkreten Angebote machen.

Und wie sieht der Plan B für den Fall aus, dass die Nachfrage für die Einmietung zu gering sein wird?

Sommer: Wenn man als Investor auftritt, kann man nicht alle Risiken ausschliessen. Wir haben eine Marktanalyse vorgenommen und sind aufgrund dessen zum Schluss gekommen, dass das Projekt für die Urner Kantonalbank finanziell verkraftbar ist.

Das heisst: Der Kanton muss nicht Angst haben, dass die UKB plötzlich weniger Gewinn abliefert?

Sommer: (lacht) Das könnten und dürften wir uns gar nicht leisten.

Bugnon: Wie bereits gesagt: Die Urner Kantonalbank kann diese Investition verkraften. Das hat auch damit zu tun, dass die aktuellen Finanzierungsparameter positiv sind. Das heisst: Wir verfügen über genügend Eigenmittel und die Zinsen für das zu beschaffende Fremdkapital sind tragbar.

Was geschieht mit dem Gebäude an der Bahnhofstrasse 1?

Sommer: Wir wollen auch in dieses mittlerweile 40-jährige Gebäude im Dorfzentrum von Altdorf investieren, um die Räumlichkeiten für Mieter attraktiv zu machen. Es bestehen bereits auch verschiedene Kontakte. Im Erdgeschoss bleiben wir weiterhin mit Mitarbeitern und einer Kundenzone präsent. Die langfristige Entwicklung des Standorts wird durch den Markt und die Kundenbedürfnisse bestimmt.

Ein Teil der heutigen UKB-Räumlichkeiten im Parterre des Hauptsitzes an der Bahnhofstrasse 1 in Altdorf bleibt auch nach dem Bezug des Neubaus am Bahnhofplatz 1 für Dienstleistungen der UKB erhalten. (Bild: Corinne Glanzmann (Altdorf, 18. Oktober 2018) )

Ein Teil der heutigen UKB-Räumlichkeiten im Parterre des Hauptsitzes an der Bahnhofstrasse 1 in Altdorf bleibt auch nach dem Bezug des Neubaus am Bahnhofplatz 1 für Dienstleistungen der UKB erhalten. (Bild: Corinne Glanzmann (Altdorf, 18. Oktober 2018) )

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