BAUEN: An der Urner Riviera brodelt es

Für Touristen ist Bauen eine Idylle am Urnersee. Doch unter der Oberfläche regieren Missgunst und Frust. Das bekommt vor allem der Gemeinderat zu spüren.

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Bauen: Ein kleines Dorf – mit grossen Problemen. (Bild Neue UZ)

Bauen: Ein kleines Dorf – mit grossen Problemen. (Bild Neue UZ)

Das malerische Dorf Bauen wird aufgrund seines milden Klimas liebevoll die Urner Riviera genannt. «Hier wohnen Naturliebhaber, die gerne die Stille geniessen, den Wechsel der Wolken und der Farben auf dem See beobachten und die Beschaulichkeit der Landschaft mit ihren wechselhaften Seelenbildern erleben wollen», heisst es auf der Homepage. Doch die Postkarten-Idylle trügt. Hinter den Kulissen der kleinsten Urner Gemeinde brodelt es gewaltig. Die Poststelle und der Dorfladen sind geschlossen. Seit einiger Zeit fährt kein Postauto mehr nach Bauen. Und im kommenden Jahr geht auch noch die Schule definitiv zu.

Pöbeleien im Anschlagkasten
Doch das zurzeit grösste Problem: Auch die Ämter in der 200-Seelen-Gemeinde können kaum mehr besetzt werden (siehe Kasten). Fragt man Einwohner nach den Gründen, winken die meisten ab. «Ich sage lieber nichts», lautet die Antwort. Stattdessen wird man zum Gemeinde-Anschlagkasten verwiesen. Dort hängen Postkarten, die aktuelle oder potenzielle Behördenmitglieder in jüngster Zeit von anonymen Absendern erhalten haben. Sie sind gespickt mit böser Kritik und ehrverletzenden Anschuldigungen. Zum Beispiel: «Grosser Einsatz für Parkgebühren, minimaler bis kein Einsatz für eine Busverbindung bringt der Bevölkerung gar nichts.» Oder: «Wäre das Gemeindepräsidium nicht etwas für einen arroganten Typen wie Sie?» Und: «Schnorrer und Ausrufer wie Sie braucht Bauen nicht auch noch.»

Gemeinde reagiert
Der Gemeinderat hat mittlerweile reagiert und die unbekannten Schreiber zum Gespräch aufgefordert. «Falls Sie stumm sind, können wir Ihnen auch schreiben. Ohne Namen geht das leider nicht», liest man im Anschlagkasten.

Einer bleibt nicht stumm: der zurücktretende Gemeindevizepräsident Peter Aschwanden. «Dass sich in diesem von Missgunst und Frustration geprägten Umfeld niemand mehr engagieren will, ist verständlich», sagt er. Aschwanden weiss, wovon er spricht. Er hat sich jahrelang für die Gemeinde eingesetzt. Nicht zuletzt gesundheitliche Probleme haben ihn aber zum Rücktritt veranlasst. Obwohl er die Arbeit im Gemeinderat nicht missen möchte. «Gerade Junge können einiges lernen.» Aschwanden glaubt aber nicht, dass sich Kandidaten melden. «Nur um angepöbelt und in Misskredit gezogen zu werden, nimmt keiner ein Amt auf sich, das viel Einsatz und Idealismus erfordert und finanziell nichts bringt.»

Bruno Arnold

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Samstag in der Neuen Urner Zeitung.