Kanton Uri: Baumann lässt Z’graggen Vortritt

Der Präsident der CVP Uri freut sich über eine «geradezu optimale Urner Bundesratskandidatur». Aktive Urner Ständeräte sprechen aber von einem schwierigen Unterfangen.

Bruno Arnold
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Heidi Zgraggen möchte Nachfolgerin von Doris Leuthard werden, die 2011 mit dem Gesamtbundesrat in Uri weilte. (Archivbild: Urner Zeitung)

Heidi Zgraggen möchte Nachfolgerin von Doris Leuthard werden, die 2011 mit dem Gesamtbundesrat in Uri weilte. (Archivbild: Urner Zeitung)

Heidi Z’graggen (52) kandidiert definitiv für den Bundesrat. Seit der Rücktrittserklärung von Bundesrätin Doris Leuthard wird aber immer wieder auch der Urner CVP-Ständerat Isidor Baumann (63) ins Spiel gebracht – nicht unbedingt in den Medien, dafür umso mehr unter der Bundeshauskuppel in Bern. Z’graggen und Baumann sind denn auch von der CVP Uri kontaktiert und aufgefordert worden, die Ausgangslage auszuloten, eine persönliche Einschätzung der eigenen Wahlchancen vorzunehmen und eine Kandidatur zu prüfen.

«Heidi Z’graggen hat mir am vergangenen Mittwoch mitgeteilt, dass sie kandidieren wird», sagte Isidor Baumann gestern. «Ich steige hingegen nicht ins Rennen.» Z’graggens Kandidatur sei aber nicht der Hauptgrund für den Verzicht: «Ein Sitz im Bundesrat ist sicher nicht unbedingt das, was man in meinem Alter noch anstrebt», so Baumann. Zudem habe er höchstens bei ein paar Bundesparlamentariern «zu den Erstgenannten im engeren Favoritenkreis» gehört.

Für Regierungsrätin wesentlich anspruchsvoller

Angesprochen auf die Wahlchancen der Urner Regierungsrätin, meinte Baumann: «Dass eine Urnerin dem berechtigten Anspruch der Zentralschweiz auf einen Sitz im Bundesrat zum Durchbruch verhelfen will, erachte ich als äusserst positiv. Allerdings ist eine Einschätzung der Chancen sehr schwierig, zumal sich das Kandidatenkarussell nach wie vor dreht und die entsprechenden Gewichtungen weiterhin wechseln können.» Baumann gibt aber auch zu bedenken, «dass die Herausforderung für eine Regierungsrätin wesentlich anspruchsvoller ist als für eine Person, die bereits in Bern politisiert».

«Kandidatur ist geradezu optimal»

Flavio Gisler, der Präsident der CVP Uri, freut sich, «dass es mit einer Urner Kandidatur geklappt hat». Er sei von Heidi Z’graggens Fähigkeiten überzeugt. «Sie bringt aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung als Exekutivpolitikerin, die sich dem Kollegialitätsprinzip verpflichtet fühlt, wichtige Eigenschaften mit, über die eine Bundesrätin verfügen muss», so Gisler. «Als Frau, als Politikerin aus dem bisher im Bundesrat nie vertretenen Kanton Uri und als Vertreterin der anspruchsberechtigten Region Zentralschweiz ist ihre Kandidatur geradezu optimal.»

Dittli sieht Hoffnungen und auch Chancen

Am 5. Dezember wird in Bern auch über die Nachfolge von Bundesrat Johann Schneider-Ammann entschieden. Als möglicher Kandidat wurde auch der Urner FDP-Ständerat Josef Dittli gehandelt. Er hat aber seinen Verzicht bekanntgegeben. «Die Konstellation spricht für eine FDP-Frau im Bundesrat», begründete Dittli seinen Entscheid. «Karin Keller-Sutter ist eine Persönlichkeit, die alles mitbringt für das Amt des Bundesrats. Sie ist führungserfahren, dossierfest mit klarer bürgerlicher Orientierung, kommunikationsstark und mehrsprachig.»

«Ich finde es positiv, dass Heidi Z’graggen kandidiert», erklärte Dittli gestern auf Anfrage. «Bei der CVP ist die Ausgangslage offen. Das erlaubt Hoffnungen.» Die Zentralschweiz biete mit Heidi Z’graggen eine sehr gute Frauenkandidatur. Allerdings teilt auch Dittli die Meinung von Isidor Baumann, wonach es eine amtierende Regierungsrätin bedeutend schwieriger habe als eine aktive Bundesparlamentarierin. «Es könnte sich aber durchaus eine Konstellation mit reellen Chancen für eine Kandidatur aus der Zentralschweiz ergeben», glaubt Dittli.

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