Der Flüeler Bedroher ist seinen Job los

Die Bedrohung von Polizisten am 1. August hätte laut der Urner Kripo-Chefin tragisch enden können. Der Mann muss Konsequenzen tragen.

Florian Arnold
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Der Fall eines 47-jährigen Urners, der am frühen Morgen des 1. Augusts Polizisten mit einer Waffe bedrohte, gab viel zu reden in Uri. Der Mann flüchtete zu sich nach Hause, nachdem die Polizei ihn angehalten hatte und ihn einen Atemalkoholtest ablegen liess. Dort steckte er die Pistole ein, die er später auf offener Strasse auf die Polizisten richtete, die ihn verfolgten. Nachdem der Mann schliesslich überwältigt werden konnte, sass er in Haft. Aus dieser wurde der 47-Jährige auf Anordnung des Zwangsmassnahmengerichts am Samstagabend entlassen.

Gegenüber «Blick» sowie unserer Zeitung zeigte der Mann Reue. «Ich kann mir nicht erklären, wie das passieren konnte», sagt der 47-Jährige. Er entschuldige sich bei den Polizisten, die im Einsatz standen. Er betont, die Waffe sei gesichert und nicht geladen gewesen. Neben den strafrechtlichen Konsequenzen hat der Vorfall auch Auswirkungen auf seine berufliche Situation. Seinen Job als Gemeindearbeiter ist der Mann mittlerweile los – dies weil man ihm aufgrund eines früheren Alkoholdelikts ein Ultimatum gestellt hatte.

Gefährlich – ob geladen oder nicht

Klar ist auch, dass die Situation, mit der die Polizisten am 1. August konfrontiert waren, nicht alltäglich war. «In der Aus- und Weiterbildung werden diverse Szenarien geübt, unter anderem auch solche», sagt Manuela Hobi, Chefin der Kriminalpolizei. Einen statistischen Wert, wie oft es zu einer Bedrohung von Polizisten mit einer Schusswaffe kommt, gebe es aber nicht. «Eine Bedrohung mit einer Schusswaffe, egal ob geladen oder vermeintlich ungeladen, stellt immer eine gefährliche Situation dar», so Hobi. Bei einer geladenen Waffe bestehe für die Polizisten die Gefahr, dass sie vom Bedroher verletzt oder gar getötet werden.

«Bei vermeintlich ungeladenen Waffen besteht ebenfalls ein Risiko für die Polizisten, da bei vielen Unfällen mit Schusswaffen von einer ungeladenen Waffe ausgegangen wurde, welche jedoch entgegen der Annahme geladen war.» Bei einer ungeladenen Waffe riskiere auch der Droher, dass er von den Polizisten in einer vermeintlichen Notwehrlage verletzt oder gar getötet werde. «Dasselbe gilt im Übrigen auch für Imitations-, Schreckschuss- oder Soft-Air-Waffen, da der Unterschied zu normalen Feuerwaffen oftmals nicht oder zu spät erkannt werden kann», führt Manuela Hobi weiter aus.

Es war eine «spontane Einzelkontrolle»

Zu einigen Details – etwa ob der Mann der Polizei gemeldet worden war – will die Kripo-Chefin aufgrund des laufenden Verfahrens keine Angaben machen. Hobi bestätigt aber: «Es handelte sich um eine spontane Kontrolle eines einzelnen Fahrzeuglenkers.» Und demnach nicht um eine geplante Kontrolle. «Es wurde ein Atemalkoholtest durchgeführt und später eine Blut- und Urinprobe angeordnet.» Dieser hatte sich der Mann bekanntlich entzogen.

Wie Anwohner berichteten, wurde das Haus des 47-Jährigen von «Polizisten in Vollmontur» durchsucht. Die Kripo-Chefin Hobi stellt allerdings klar, dass es sich dabei nicht um die «Interventionseinheit» handelte, sondern um «uniformierte Mitarbeitende der Kantonspolizei Uri». Die Polizisten, die vom 47-Jährigen bedroht worden waren, würden intern wie extern betreut, so Hobi.

Noch werden Befragungen durchgeführt. Danach liegt der Fall bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Uri. Dort kann man auf Anfrage noch keine Abschätzung machen, auf welchen konkreten Straftatbestand man plädieren wird, mit welchem Strafmass zu rechnen ist und ob statt eines Gerichtsverfahrens der Fall mit einem Strafbefehl abgeschlossen werden soll.