Begegnungstag stärkt Bewusstsein für Anliegen der Flüchtlinge

Ein Streetfoodfestival, spontane Bandformationen zwischen Einheimischen und Asylsuchenden und die Thematik sichere Fluchtwege standen im Zentrum des Urner Flüchtlingstags. Informiert wurde auch über Menschenhandel in der Schweiz.

Remo Infanger
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Am Streetfoodfestival schlemmen sich die Besucher durch Spezialitäten aus Somalia, Eritrea, Afghanistan, Syrien und Ski Lanka. (Bilder: Remo Infanger, Altdorf, 15. Juni 2019)
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In Uri lebende Flüchtlinge haben am Flüchtlingstag diverse Köstlichkeiten aus ihren Heimatländern der  Bevölkerung zum Degustieren angeboten.
Die Formation Zunderobsi erhielt musikalische Unterstützung von Alaudin Uzbekzada aus Afghanistan (rechts).
Eritreische Frauen beweisen ihr Geschick beim Haareflechten.
Am Urner Flüchtlingstag werden die Besucher auf das Thema Menschenhandel senisbilisiert – unter anderem im Informationsbus der Internationalen Organisation für Migration (IOM).

Am Streetfoodfestival schlemmen sich die Besucher durch Spezialitäten aus Somalia, Eritrea, Afghanistan, Syrien und Ski Lanka. (Bilder: Remo Infanger, Altdorf, 15. Juni 2019)

Wer sich am Samstagnachmittag auf dem Winkelplatz in Altdorf aufhielt, konnte sich durch Spezialitäten aus aller Welt schlemmen. Kulinarisches aus Somalia, Eritrea, Afghanistan, Syrien und Sri Lanka wurde frisch zubereitet zum Degustieren angeboten. Anlass dazu bot aber nicht der samstägliche Wochenmarkt. Diesmal waren es in Uri lebende Flüchtlinge, die hinter den Ständen die Besucher mit Köstlichkeiten aus ihren Heimatländern überraschten. Grund dafür war der diesjährige Urner Flüchtlingstag, der vom Schweizerischen Roten Kreuz, dem Fachbereich Asyl- und Flüchtlingsdienst Uri sowie dem Hilfswerk der Kirchen Uri organisiert wurde.

«Es geht darum, die Bevölkerung für gewisse Themen im Bereich Flucht, Asyl und Integration zu sensibilisieren», erklärt Angelica Züst, Projektverantwortliche des Urner Flüchtlingstags 2019. Der Tag des Flüchtlings wird schweizweit durchgeführt und jährlich steht ein neues Thema im Zentrum. «Dieses Jahr wird das Anliegen sicherer Fluchtwege zum Thema gemacht», so die Sozialarbeiterin aus Altdorf. Aufgrund von kriegerischen Auseinandersetzungen seien immer mehr Flüchtlinge gezwungen, Zuflucht in überbelasteten und menschenunwürdigen Lagern zu suchen. Menschen würden sich somit auf eine gefährliche Reise auf illegalen Fluchtwegen begeben. Dadurch würden sie sich skrupellosen Schlepperbanden und dem Risiko von Ausbeutung aussetzen. «Flüchtlinge, die an Leib und Leben gefährdet sind, kommen so oder so», ergänzt Züst.

«Durch legale Fluchtwege kann man ihnen aber mehr Sicherheit bieten und auch eine Integration könnte so besser geplant und gestaltet werden.»

Bevölkerung erfährt mehr über Menschenhandel

Ein stationierter Informationsbus der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bot ausserdem Informationen zum Thema Menschenhandel in der Schweiz. «Schweizweit werden pro Jahr 250 Opfer von Menschenhandel betreut», weiss Fabienne Reber, Projektkoordinatorin IOM. «Das ist aber erst die Spitze des Eisbergs.» Das Ziel dieses Infobusses sei es, die Öffentlichkeit darüber aufzuklären, um Opfer schneller erkennen zu können.

Am Urner Flüchtlingstag standen aber nicht nur Sensibilisierungskampagnen im Zentrum. «Es soll unbedingt auch ein Tag von Begegnungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen sein», betont Züst. Im Alltag bestehe leider oft eine Hemmschwelle für den Austausch zwischen Einheimischen und Flüchtlingen. Am Flüchtlingstag biete sich die Chance, mit Asylsuchenden über Anliegen oder Alltägliches zu diskutieren.

Am Begegnungsfest liessen sich etwa junge Besucherinnen von eritreischen Frauen die Haare flechten und Frauen des Projekts Treffpunkt 26 gaben äthiopische Kaffeezeremonien zum Besten. Während der orientalische Bazar mit künstlerischen Attraktionen etwas fürs Auge bot und mit dem Streetfoodfestival für das leibliche Wohl gesorgt war, kam auch die Musik nicht zu kurz. Verschiedene Urner Bands präsentierten ein musikalisches Potpourri im Zusammenspiel mit verschiedenen Flüchtlingen. So unterstützte etwa der aus Afghanistan stammende Auladin Uzbekzada mit seiner Gitarre die Urner Formation Zunderobsi oder die junge Band Simonsen wurde musikalisch begleitet von syrischen Geschwistern. Organisiert durch die Plattform Urband und begleitet von Tamilischen und Somalischen Tanzgruppen, spielten Daens, Colster, Kind of a mate oder der Singer-Songwriter Kevin Guerreiro bis in die Nacht hinein.