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Bei diesem Urner springt der Funke bei Stahl über

Während andere ihr Hobby zum Beruf machen, geht Michael Regli den umgekehrten Weg: Der gelernte Metallbauer hat den Werkstoff, mit dem er täglich arbeitet, zur seiner Leidenschaft gemacht, indem er ihn zu kunstvollen Stahlskulpturen formt.
Carmen Epp
Michael Regli arbeitet in seiner Werkstatt an der nächsten Stahlskulptur. (Bild: Boris Bürgisser (Schattdorf, 16. November 2018))

Michael Regli arbeitet in seiner Werkstatt an der nächsten Stahlskulptur. (Bild: Boris Bürgisser (Schattdorf, 16. November 2018))

Stahl begleitet den 34-jährigen Michael Regli bereits mehr als sein halbes Leben lang. Zunächst nur beruflich – der gelernte Metallbauer ist heute Werkstattleiter einer Urner Metallbaufirma. Seit zwei Jahren nimmt der Schattdorfer den Werkstoff immer öfters auch nach Hause, um in seiner eigenen Werkstatt Stahlskulpturen zu kreieren.

Am Anfang seines Weges zum Stahlkünstler stand eine nicht ganz so ernst gemeinte Wette unter Arbeitskollegen, wie Regli erzählt. Ab und zu beauftragten Künstler die Urner Metallbaufirma damit, ihre Visionen einer Stahlskulptur umzusetzen. Nach einer solchen Auftragsarbeit sagte Regli zu seinen Auszubildenden: «Was die können, kann ich schon lange.» Und liess seiner Fantasie freien Lauf. Die erste Stahlskulptur, die daraus entstand, liess er auf einer Onlineplattform versteigern. Das «Höchstgebot» lag mit 1 Franken zwar deutlich tiefer als der Materialwert allein, war für Reglis Start als Künstler aber von unschätzbarem Wert. Der Grund: Die erste von ihm gefertigte Skulptur ziert seither eine Villa in Monaco. «Da wusste ich, dass ich dranbleiben muss», so Regli.

120 Stunden Arbeit für eine
500-Kilogramm-Skulptur

Wenn Regli über Stahlkunst spricht, wird klar, dass er wohl auch ohne dieses Erfolgserlebnis mit seiner neu gewonnenen Leidenschaft weitergemacht hätte. Es scheint, als hätte diese erste Skulptur ein Tor geöffnet zu einer Fantasie, die seither nicht mehr zu bremsen ist. «Manchmal überfällt mich nachts eine Idee, ein Thema für eine Skulptur», erzählt der 34-Jährige. «Dann lässt mich das nicht mehr los, treibt mich an, bis die Skulptur schliesslich fertig ist.» Und das kann dauern: An seinem bisher grössten Werk, einer 500 Kilogramm schweren Skulptur, die nun im Garten seines Hauses steht, hat er 120 Stunden gearbeitet, teilweise mit schwerem Geschütz in der Werkstatt seines Arbeitgebers.

Einige seiner Skulpturen stellt Regli in einem Zimmer seines Hauses in Schattdorf aus. Und jede erzählt eine eigene Geschichte. Da ist etwa die Skulptur mit dem Titel «Die Freiheit des Gedankens», ein Stahlträger, der scheinbar entzweigerissen wurde und an einer Stelle sich selber durchdringt. «Das hat einiges an Kraft und Hitze gebraucht», erzählt Regli. «Genauso wie eben auch die Gedanken stark sein müssen, wenn sie frei sein wollen.» Daneben steht auf einem Betonsockel «Anerkennung», eine Art Würfel mit verbogenen Seiten. «Die Skulptur soll symbolisieren, dass, egal wie sehr man sich verbiegt, das Grundgerüst – die Kantenlängen des Würfels – immer dasselbe bleibt», erklärt Regli. Und kommt wieder auf die Anfänge seines Kunstschaffens zu sprechen: Eine Firma zu beauftragen, seine Skulpturen anzufertigen, wie er es damals erlebte, käme für ihn nicht in Frage. Die Umsetzung einer Vision, so Regli, gehöre für ihn genau so zum Kunstschaffen wie die Vision selber. «Arbeiten am Stahl ist für mich Entspannung pur. Ohne das könnte ich nicht mehr leben.» Manchmal sei er so im Element, dass seine Frau ihn nachts daran erinnern müsse, ins Bett zu kommen, erzählt Regli, seine Frau Michaela nickt schmunzelnd.

Für ihn ist Stahl viel mehr als nur ein Baustoff

Seit er als Stahlkünstler tätig ist, hat sich Reglis Beziehung zu seinem Arbeitsstoff verändert – von einer rein professionellen zu einer regelrecht emotionalen. Das merkt man, wenn der 34-Jährige über das Material spricht, mit dem er sich tagtäglich umgibt. Für ihn sei Stahl mehr als nur ein Baustoff. «Er ist eine Leidenschaft, eine Passion.» Auf die Frage, was diesen Baustoff denn so besonders macht, kommt der Urner gänzlich ins Schwärmen. Stahl reagiere mit der Umwelt, habe gar mehr Leben in sich als Holz, zeige die Wirklichkeit wie kein anderes Material, kein Zentimeter gleiche dem anderen. Chromstahl bezeichnet er als «verlogenes Material», und «nie im Leben» würde er den Stahl bemalen, das würde ihm die ganze Liebe nehmen. «Stahl hat nämlich etwas extrem liebliches und reizvolles und kann man durchaus als sexy bezeichnen.»

Nachdem er bereits einige Skulpturen verkaufen konnte, hofft Regli, seine Leidenschaft auch mal im Rahmen eines Wettbewerbs – etwa für Kunst am Bau – zeigen zu können. An Ideen mangelt es dem Urner jedenfalls nicht – und an Leidenschaft erst recht nicht.

Hinweis: Bilder von Reglis Kunstwerken gibt es unter www.instagram.com/regli_michael

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