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Bequemlichkeit hat finanzielle Folgen für Urner Gebührenzahler

Die Abwasser Uri kämpft mit einem Problem: Immer mehr Öle, Fette, Speisereste und weitere Abfälle landen im Kanalisationsnetz.
Bruno Arnold
Beat Furger, Geschäftsführer der Abwasser Uri, schaut kritisch auf den Zulauf der ARA Altdorf. Bild: Bruno Arnold (Altdorf, 18. Juli 2019)

Beat Furger, Geschäftsführer der Abwasser Uri, schaut kritisch auf den Zulauf der ARA Altdorf. Bild: Bruno Arnold (Altdorf, 18. Juli 2019)

Abwasser Uri ist seit 2010 operativ für den Betrieb und Unterhalt der Abwasseranlagen im ganzen Kanton Uri zuständig. Dazu stehen ihr gegenwärtig insgesamt 10 Abwasserreinigungsanlagen (ARA), 150 Sonderbauwerke wie Pumpwerke und Regenklärbecken sowie rund 350 Kilometer Leitungsnetz zur Verfügung. «Grundsätzlich funktionieren unsere Anlagen sehr gut», betont Geschäftsführer Beat Furger. «Und auch mit unseren Grossprojekten wie der Ableitung der Abwasser des Urserntals und des Oberlands in die ARA Altdorf oder der Sanierung der ARA Seelisberg sind wir auf Kurs.»

Doch es gibt auch ein «Aber»: In jüngster Zeit wird Abwasser Uri vermehrt mit einem Problem konfrontiert, das in Gastrobetrieben und in den privaten Haushaltungen beginnt. «Wir stellen fest, dass immer mehr Öle und Fette, Speisereste, Plastik, Feuchttüchlein, Zahnseide und andere Abfälle, aber auch Chemikalien und Desinfektionsmittel über WC, Schüttsteine oder Lavabos ‹entsorgt› werden», sagt Furger.

Sogar Pumpen werden ausser Betrieb gesetzt

«Die Leute scheinen zu vergessen, dass dies nicht nur die eigenen hausinternen Leitungen verstopfen, sondern auch in Kanalisationen, Pumpwerken und schliesslich in den Abwasserreinigungsanlagen grössere Probleme verursachen kann, für die letzten Endes der Gebührenzahler aufkommen muss.» Die Stoffe, die eigentlich nicht in die Kanalisation gehören, setzen sich an den Rohrwänden oder in den Pumpen fest und behindern dadurch den Abwasserabfluss oder setzen sogar Pumpen ausser Betrieb. Dies bedeutet für die Abwasser Uri einen bedeutend höheren Reinigungsaufwand. Überdies beeinträchtigen Öle und Fette den biologischen Reinigungsprozess des Abwassers in der Kläranlage. Öle binden den Sauerstoff und schränken dadurch die Reinigungsleistung der Anlagen ein. «Dies ist vor allem im Winter der Fall, wenn die Einhaltung der geforderten Reinigungsleistung aufgrund der kälteren Abwassertemperaturen an sich schon herausfordernd ist», so Furger.

Gastrounternehmen und Wohnungsbesitzer

Mehr Öle und Fette wurden in der Vergangenheit vor allem in der ARA Andermatt registriert. Im Normalfall liegen die Werte in vergleichbaren Einzugsgebieten bei rund 5 Gramm Fett pro Liter Wasser. In Andermatt wurden im Frühjahr 2019 Spitzenwerte bis zu 22 Gramm pro Liter gemessen. Beat Furger hat eine Erklärung:

«Die Ferienregion Andermatt boomt. Ein Teil der Stoffe dürfte aus der Gastronomie stammen.»

Der Abwasser-Uri-Geschäftsführer glaubt zudem, dass gerade auch Ferienwohnungsbesitzer sehr oft den Entsorgungsweg via Kanalisationsnetz der Abwasser Uri wählen. «Dies dürfte daran liegen, dass sie ganz einfach nicht wissen oder nicht genau informiert sind, dass die korrekte Entsorgung an den Sammelstellen der Gemeinden möglich und auch gratis ist. Vielfach kennen sie wohl auch deren Standorte nicht.» Mitspielen dürfte aber auch der Faktor menschliche Bequemlichkeit: Für viele ist es ganz einfach mit weniger Aufwand verbunden, geringe Mengen von Speiseresten durchs WC runterzuspülen statt in den gebührenpflichtigen Kehrichtsack zu werfen und diesen an die Strasse zu stellen.

Spitzenwert lag 52 Tonnen über dem Mittel

Das gedankenlose Entsorgen via Kanalisation hat eine weitere konkrete Konsequenz: In den ARA fällt deutlich mehr Rechengut an, das gepresst und danach in die Kehrichtverbrennungsanlagen transportiert werden muss. In der ARA Altdorf liegt der Mittelwert des angefallenen Kehricht- und Rechenguts beispielsweise bei 145 Tonnen. 2017 wurde ein Spitzenwert von 207 Tonnen registriert, 2018 waren es 175 Tonnen.» Die Abwasser Uri und damit letztendlich der Gebührenzahler haben immer höhere Kosten zu tragen. Furgers Appell lautet deshalb:

«Öle, Fette, Speiseresten und weitere Abfälle haben in der Toilette oder im Abfluss nichts verloren. Mit dem Weggiessen verschwinden sie zwar aus dem Blickfeld des Entsorgers, aber aus der Welt sind sie damit nicht.»

Der Abwasser-Uri-Geschäftsführer weist darauf hin, dass die Zentrale Organisation für Abfallbewirtschaftung im Kanton Uri (Zaku) rund 50 Sammelstellen in den Gemeinden betreibt. Dort können neben Glas, Alu, Altpapier, Blech et cetera auch Öle und Fette abgegeben werden. Furger erwähnt neben der Kehrichtabfuhr und den Sammelstellen der Gemeinden aber auch die klaren Regelungen für Sonderabfälle respektive für umweltgefährdende Stoffe wie Farben, Lacke, Desinfektionsmittel und Chemikalien: Diese können kostenlos an den publizierten Sammeldaten und -orten abgegeben werden. Im Übrigen ist auch der Handel verpflichtet, gewisse Stoffe unentgeltlich zurückzunehmen und fachgerecht zu entsorgen. Furger rät daher: «Fragen Sie schon beim Kauf nach einer fachgerechten Entsorgung.»

Mehr Informationen gibt es unter www.abwasser-uri.ch und www.zaku.ch. Zudem ist das Amt für Umweltschutz Uri (www.ur.ch) Ansprech- und Beratungsstelle für Umweltfragen aller Art.

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