Berghilfe

Eine Schweizer Patenschaft hilft den Urner Berggemeinden

Von der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden kann auch der Gotthard-Kanton profitieren. Es geht um die Wasserqualität oder den Schutz vor Felsstürzen.

Christian Tschümperlin
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Berggemeinden haben kein leichtes Los. Deshalb gibt es die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden. Der Verein wurde 1940 gegründet und beglei­tet das täg­li­che Wirken der Berggemeinden mit Spenden aus der ganzen Schweiz. Zu Weihnachten 2020 kamen 4,9 Millionen Franken für die Berggebiete zusammen. Davon kann auch der Kanton Uri profitieren. Unterstützt wurden im vergangenen Jahr Projekte in Gurtnellen, Silenen, Spiringen und Unterschächen.

Hier wird der Kabelgraben für das Reservoir Golzern gezogen.

Hier wird der Kabelgraben für das Reservoir Golzern gezogen.

Bild: PD

Gurtnellen ist ein typischer Kandidat. Am Fellihorn, oberhalb des Ortsteils Wiler, stürzen immer wieder Felsabbrüche ins Tal. Die meisten Felsbröcke bleiben jeweils im Wilerwald liegen. Einzelne Blöcke oder Schlammlawinen erreich­ten jedoch das Siedlungsgebiet. Das Sturzereignis vom 23. März 2017 in der Laubchäle hat gezeigt, dass für das Siedlungsgebiet Wiler in Gurtnellen ein Schutzdefizit besteht. «Ein Teil der Steine landete auf dem Sportplatz des Kreisschulhauses, mehrere Häuser und die Autobahn waren gefährdet», sagt Gemeindepräsidentin Verena Tresch.

Zum Schutz des Ortsteils Wiler, wel­cher direkt unter­halb des gefährdeten Gebietes liegt, wurde der dortige Damm Laubchäle in nord­öst­li­cher Richtung um 75 Meter ver­län­gert. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 368’000 Franken. Es kamen 105'600 Franken an Spenden zusammen. «Mittlerweile sind die Arbeiten abgeschlossen. Beim letzten Unwetter im Oktober hat sich der Schutzdamm enorm bewährt. Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung», sagt Tresch. Zu den Spendern zählen Familien und Firmen aus dem Kanton Uri und Stiftungen sowie Privatpersonen und Gemeinden aus der ganzen Schweiz.

Beim Wandern: Dank QR-Codes kann man vor Ort spenden

Ein weiteres Projekt ist eines in Silenen. Die am Eingang des Maderanertales gelegene Wassergenossenschaft Golzern-Bristen wur­de zwi­schen 1965 und 1985 erstellt und ist in die Jahre gekommen. Das auf 1500 Metern gelegene Reservoir und auf 1930 Metern über Meer gelegene Quellgebiet versorgen 50 Wohnbauten, 35 Ställe, zwei Gastwirtschaftsbetriebe und die Bergstation der Luftseilbahn Bristen-Golzern. Seit der Fertigstellung der Anlagen wurden keine grösseren Investitionen mehr vorgenommen. Mit den Spenden sollen nun Arbeiten in den Quellgebieten Oberchäseren und Brunni sowie am Reservoir Golzern vorgenommen werden. Darüber hinaus müssen die Druckreduktionsanlagen saniert werden.

Am Leitungsnetz sind dagegen kei­ne Massnahmen vor­ge­se­hen. «Wir haben im Herbst bereits mit Arbeiten begonnen», sagt Erwin Epp, Präsident der Wassergenossenschaft. Man habe einen Kabelgraben mit Strom- und Kommunikationsrohren zum Reservoir verlegt. «Das Projekt soll im Herbst 2021 abgeschlossen werden.» Die Druckreduzierventile auf der Höhe Golzern konnten ebenfalls bereits realisiert werden. Im Frühling 2021 sollen im Reservoir die Armaturen erneuert sowie eine UV- und Entkeimungsanlage installiert werden. «Ziel ist es, die Wasserqualität weiterhin gewährleisten zu können. Die Anlage entspricht nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik.» Neben der Patenschaft wurde die Wassergenossenschaft auch vom Kanton und der Gemeinde unterstützt. Zudem bestehen auf den Wanderwegen zum Golzernsee seit Frühling letzten Jahres Tafeln mit QR-Codes, über die man kleinere Beträge vor Ort spenden kann.

Profitieren von der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden kann man auch in der Gemeinde Unterschächen. Aktuell wird in der hintersten Gemeinde im Schächental die Instandstellung des Kreisschulhauses Spiringen und die erste Etappe der Gemeindestrasse rund 3,3 Kilometer langen Gemeindestrasse saniert. Die betroffenen Strassenabschnitte – rund 60 Prozent der gesamten Strasse – haben die Lebensdauer erreicht. Auch an zwei Brücken müssen Arbeiten vorgenommen werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 1,1 Millionen Franken – einen Betrag, den die Gemeinde von sich aus nicht stemmen kann. Die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden unterstützt die erste Bauetappe mit 150'000 Franken. «Die erste von drei Etappen ist mit der Bielenstrasse bereits realisiert», sagt Gemeindepräsident Iwan Imholz. «Unsere Finanzen sind nicht gerade auf Rosen gebettet. Die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden unterstützt uns immer wieder. Da sind wir sehr dankbar, dass die Solidarität in der Schweiz noch spielt.»

Die hohen Kosten der Berggemeinden

Die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden unterhält sehr gute Beziehungen zu den Berggemeinden im Kanton Uri. «Man kennt sich und wir sind oft auch selber vor Ort», sagt Barbla Graf von der Schweizer Patenschaft Berggemeinden. Die Berggemeinden im Kanton Uri seien von der Einwohnerzahl klein. «Sie haben aber höhere Ausgaben als die grossen Gemeinden.» Sie spricht vom Lawinenschutz oder der Wasserversorgung. «Wir können mit unseren Geldern die Gemeinden unterstützen, sodass sie ihre Projekte finanzieren können.»