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Berühmte Maler schummeln auch im Gotthardgebiet

Ein Autorenehepaar zeigt in seinen Büchern die Perspektiven von bekannten Malern. Die neuste Veröffentlichung zeigt die Gotthardregion und verdeutlicht teilweise überraschende Tricks der Künstler.
Claudia Naujoks
Konrad Richter und Ruth Michel Richter haben im Haus für Kunst Uri ihr neues Buch «Wandern wie gemalt – Gotthardregion» vorgestellt. (Bild: PD)

Konrad Richter und Ruth Michel Richter haben im Haus für Kunst Uri ihr neues Buch «Wandern wie gemalt – Gotthardregion» vorgestellt. (Bild: PD)

Mit der Vorstellung ihres neuen Buches «Wandern wie gemalt – Gotthardregion» hoben Ruth Michel Richter und Konrad Richter ihr neues Werk aus der Reihe Kunstwanderführer der besonderen Art aus der Taufe. Die Vernissage fand am vergangenen Sonntag im Haus für Kunst Uri in Altdorf statt. Beide betonten, dass es keinen würdigeren Rahmen für den Anlass hätte geben können und dankten der Direktorin Barbara Zürcher für das Gastrecht.

Seit 2016 arbeiteten die Autoren an dieser Zusammenstellung von Landschaftsbildern aus der Gotthardregion. Die Sujets wurden nach bestimmten Kriterien ausgewählten: Subjektives Gefallen, ein gewisser Zeithorizont sollte abgedeckt sein (1878 bis 2018), verschiedene Schwierigkeitsgrade bei den Wanderungen sollten berücksichtigt sein und das Spektrum der Maler reicht von internationalen Grössen wie William Turner (1775-1851) bis zu stark in der Region verwurzelten Künstlern wie Heinrich Danioth (1896-1953).

Auch Farben und Schatten stimmen oft überein

Bei ihrer Arbeit nahmen die Autoren exakt den Standort des Malers im Moment seines Schaffens ein. Diesen zu finden grenze mitunter an detektivische Kleinstarbeit, bei der das Internet mit seinen schier unerschöpflichen Pools der Fotodatenbanken bei der Vorbereitung der Wanderung hilfreich sei, erzählte Ruth Michel Richter. Vorort angekommen, müssten sie an Ort und Stelle das Feintuning vornehmen und zwei Meter vor und zurück, nach oben und nach unten laufen, um den perfekten Standort für die Aufnahme zu finden.

Konrad Richter fotografiert jeweils aus der gleichen Perspektive, die der Künstler damals hatte, und achtet dabei sogar auf Lichtverhältnisse und Sonnenstand, sodass selbst die Farben und Schatten oftmals nachempfunden sind. Dabei werden sowohl Veränderungen von damals auf heute sichtbar, aber auch verblüffend identisch gebliebene Ansichten. Der ein oder andere Künstler habe laut den Autoren, obwohl Photoshop noch in weiter Ferne war, die Realität doch schon dezent manipuliert – zum Beispiel den ein oder anderen Bergkamm verkürzt, wohl um noch mehr von dem schönen Panorama auf dem Gemälde unterbringen zu können. Einer von den zahlreichen im 432-seitigen Buch besprochenen Künstlern, Charles Chiron (1850-1914), hat sogar Blickwinkel von zwei Standorten zusammengelegt, so wie es die beiden Buchautoren zum Beispiel bei dem landauf, landab bekannten Gemälde aus dem Nationalratssaal «Die Wiege der Eidgenossenschaft» (1902) überraschenderweise zu Tage gebracht haben.

Wanderer erhalten Informationen

Die Journalistin Ruth Michel Richter, mit einer nach eigener Aussage persönlichen Leidenschaft für Kunst und die Natur der Berge seit Kindheit an, informiert in ihren humoristischen Texten über die Entstehungsgeschichte der Bilder damals und heute mit Bildbeschreibung und den Biografien der Künstler. Toureninformationen für die Wanderer unter den Lesern runden die Mischung aus Kunst- und Wanderführer ab.

Ursprünglich entstanden ist die Idee aus dem Erbe des Vaters von Ruth Michel Richter. Es handelt sich dabei um eine Stichesammlung mit Darstellungen aus dem Berner Oberland. Bei der Betrachtung und Überlegung, was daraus zu machen sei, kam der Gedanke, doch einmal den Ort des Geschehens in Natura zu besuchen und zu sehen, wie die Landschaft sich heute zeigt. Die damals Verantwortlichen im Rotpunktverlag nahmen die Idee begeistert auf. Auch an der Vernissage waren mit der stellvertretenden Geschäftsleiterin Sarah Wendle und dem betreuenden Lektor Adrian Flückiger Vertreter des Verlags anwesend.

Neben dem aktuellen Werk aus der Reihe «Wandern wie gemalt» werden auch die Regionen Berner Oberland sowie Graubünden angeboten. Im Unterschied zu diesen beiden findet das Ehepaar Richter vor allem die Vielfalt der Gotthardregion so herausragend. Diese sei unter anderem in den Ortschaften, den Sprachen und der Mobilitätsgeschichte zu finden, was die Region besonders interessant mache.

Konrad Richter hob darüber hinaus hervor, dass sie vor allem im Kanton Uri sehr positiv aufgenommen worden waren. Hier hätten sie überall «offene Türen, offene Herzen und offene Köpfe» erlebt. Trotzdem sei er perplex, wie viele Besucher zur Vernissage des neuen Buches gekommen sind.

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