BERUF: Schneiderlehrling eifert grossen Modezar nach

Marc Amstad lernt Bekleidungsgestalter – als einziger Mann neben sieben Frauen. Sein Vorbild ist Karl Lagerfeld.

Franziska Herger
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Marc Amstad will nach der Lehre Design studieren. (Bild Franziska Herger)

Marc Amstad will nach der Lehre Design studieren. (Bild Franziska Herger)

Acht Fotos von Lehrlingen hängen an der Tür des Lehrateliers für Bekleidungsgestaltung im Berufsschulgebäude in Altdorf. Sieben junge Frauen sind es, die hier nähen, Schnittmuster zeichnen und Stoffe zuschneiden – und mittendrin ein Mann. «Es ist schon etwas speziell, nur mit Frauen zusammenzuarbeiten», sagt dieser Mann, Marc Amstad, und lacht. «Aber wir kommen gut miteinander klar und haben es auch oft lustig.»

Der 18-Jährige ist im zweiten Lehrjahr als Bekleidungsgestalter – ein Beruf, der junge Männer nicht gerade in Scharen anzieht. «Ich bin, soweit ich weiss, in Uri und Schwyz seit Jahren der Einzige», sagt Amstad.

Fantasie walten lassen

Sogenannt typische Männerberufe haben Amstad nie gereizt. «Ich ging in der Oberstufe bei einem Schreiner schnuppern, das hat mich nicht so wirklich gepackt.» Weil das Fach Handarbeit ihm in der Schule schon immer Spass gemacht hatte, schaute er dann auf gut Glück auch noch bei den Bekleidungsgestaltern rein – und war sofort fasziniert. «In diesem Beruf kann ich so richtig meine Fantasie walten lassen und kreativ sein. Das gefällt mir», erzählt der angehende Schneider.

Aus diesem Grund pendelt Amstad nun jeden Tag vom Stoos ob Schwyz, wo er mit seiner Familie lebt, nach Altdorf. Fühlt er sich denn wohl als Hahn im Korb? «Ich sehe ja männliche Kollegen in der Schule», sagt er. «Allgemeinbildung haben wir immer mit den Automechanikern. Das sorgt für ein bisschen Abwechslung.»

Kollegen schauten komisch

Amstads Familie war über seine Berufswahl begeistert. Die Kollegen dagegen hätten am Anfang schon etwas komisch geschaut. «Sie wussten gar nicht, was das ist, Bekleidungsgestalter», erzählt er. «Danach fanden sie es dann schon cool, aber halt auch speziell, dass ich das mache.» Dabei braucht ein Bekleidungsgestalter durchaus Qualitäten, die traditionell eher dem männlichen Geschlecht zugeschrieben werden. «Handwerkliches Geschick ist sehr wichtig» sagt Amstad. «Und ein gutes Vorstellungsvermögen, damit man weiss, wie das Kleidungsstück am Schluss aussehen muss.»

Am liebsten stellt er einen Teil ganz neu her. «Bei Neuanfertigungen kann ich von Anfang an alles selber planen. Am schwierigsten sind massgeschneiderte Anzüge.»

Das ist im Moment aber noch Zukunftsmusik für den jungen Schneider. Im zweiten Lehrjahr stellt er nur Oberteile her. Sein Traumprojekt hingegen liegt schon hinter ihm. «Unsere Modeschau am 12. April war das Highlight meiner Lehre. Das Gefühl, in einer eigenen Kreation über den Laufsteg zu gehen, war der Hammer.»

Traum von eigener Kollektion

Eines Tages möchte Marc Amstad eine ganze eigene Kollektion über den Catwalk schicken. «Mein Traum ist es, Modeschöpfer zu werden. So wie Karl Lagerfeld, seinen Stil bewundere ich sehr.» So hat sich der junge Schneider für die Modeschau einen Frack im Lagerfeld-Stil selbst geschneidert.

Bis an die Fashionwochen von Paris und Mailand ist der Weg aber noch lang. Als ersten Schritt möchte Marc Amstad nach der Lehre an der Schweizerischen Textilfachschule in Zürich Design studieren. Was danach kommt, darüber zerbricht er sich noch nicht den Kopf. «Zuerst muss ich ja sowieso in die Rekrutenschule.» Da wird er dann für einmal hauptsächlich von männlichen Kollegen umgeben sein.