BERUFSWAHL: Auch Tochter schmiedet Gold

Als einzige Urnerin lernt Simona Triulzi Goldschmiedin – Chef ist ihr eigener Vater. «Wir profitieren beide voneinander», sagt die 21-Jährige.

Franziska Herger
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Sägen, Schleifen, Polieren und Löten. Simona Triulzis Beruf ist abwechslungsreich. (Bild Urs Hanhart)

Sägen, Schleifen, Polieren und Löten. Simona Triulzis Beruf ist abwechslungsreich. (Bild Urs Hanhart)

Uhrmacher, Wagner, Kupferschmied: Solche seltenen Berufe können Urner Jugendliche nur ausserhalb des Kantons erlernen. Nicht so den Beruf des Goldschmieds. In seinem Geschäft in Altdorf betreibt Walter Triulzi das Kunsthandwerk seit über dreissig Jahren – jetzt gibt er sein Wissen weiter. Tochter Simona Triulzi wird im Mai zusammen mit nur zwei anderen Zentralschweizer Goldschmiedinnen und einem Goldschmied ihre Lehre abschliessen.

Bereits als Kind im Atelier

«Ich habe sicher keinen Nullachtfünfzehn-Beruf», sagt Simona Triulzi. Behutsam feilt sie einen filigranen Silberring, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden ist. «Das Schönste für mich ist, wenn ich ein Stück von A bis Z alleine herstellen kann und es dem Kunden gefällt.»

Die 21-Jährige konnte schon als kleines Mädchen im Atelier ihres Vaters Schmuck mitgestalten. «Die Arbeit mit verschiedenen Materialen hat mich immer fasziniert.» Vier Lehrjahre haben daran nichts geändert – im Gegenteil: «Noch immer gibt es nichts, das ich nicht gern mache», sagt Triulzi. Besonders die Abwechslung gefällt der jungen Goldschmiedin an ihrem Beruf. «Von Sägen über Schleifen zu Polieren und Löten gibt es jeden Tag etwas anderes zu tun.»

Dazu kommt ein Schultag pro Woche, jeweils am Freitag. Triulzi ist froh darüber. «Es ist immer schön, mich mit den anderen Lehrlingen auszutauschen.» Trotzdem sei sie nicht einsam als einzige Goldschmiedin im Kanton. «Gesellschaft habe ich ja von ihm», sagt sie und nickt ihrem Vater zu. «Wir sind sowieso den ganzen Tag am Arbeiten, da wirds nicht langweilig», wirft Walter Triulzi ein.

Erstmals ein Lehrling

Die Zusammenarbeit mit dem Vater, oder «Chef», wie ihn Simona Triulzi im Geschäft nennt, ist bisher harmonisch verlaufen. «Wir profitieren beide voneinander», sagt sie. «Ich von seinem grossen Wissen – und er vielleicht manchmal von den neuen Ideen, die ich einbringe.»

Für Walter Triulzi ist es die erste Erfahrung mit einem Lehrling. «Früher hatten wir gar keinen Platz in dem kleinen Atelier.» Erst die Miete eines neuen Raumes ermöglichte ihm, seine Tochter auszubilden – auch als künftige Nachfolgerin? «Natürlich würde mich das freuen», sagt Triulzi mit einem Lachen. «Aber diese Entscheidung liegt bei ihr.»

Lehrstelle: Weiterbestand ungewiss

Simona Triulzi denkt noch nicht so weit in die Zukunft. «Nach der Lehre möchte ich vor allem reisen und Kurse besuchen, um mich in meinem Beruf weiterzuentwickeln.» Vorerst wird sie daher im Geschäft ihrer Eltern weiterarbeiten. «Irgendwann möchte ich jedoch sicher auch in einen anderen Betrieb hineinschauen», sagt Triulzi. «Aber die Arbeitssituation ist im Moment sehr schwierig.» Walter Triulzi stimmt dem zu: «Beim Schmuck wird heute immer seltener auf Qualität gesetzt. Deswegen gibt es nur wenige Goldschmiede, und natürlich auch nicht viele Stellen.» Bei der Frage, ob er seine eigene Lehrstelle aufrechterhalten wird, zögert der Goldschmied: «Das kommt immer darauf an, ob wir uns das wirtschaftlich leisten können. Der Platz wäre jetzt aber sicher da.» Zuerst, so Triulzi, müsse seine Tochter ohnehin die Abschlussprüfung bestehen.

Simona Triulzi schaut der Hürde zuversichtlich entgegen. «Das wird schon klappen. Am meisten Respekt habe ich vor Edelsteinkunde.» Der praktische Teil der Prüfung, in dem die Lehrlinge ein vorgegebenes Schmuckstück herstellen müssen, bereitet ihr weit weniger Sorgen. Triulzi hofft, mit Gold arbeiten zu können – als Goldschmiedin ist das ihr Lieblingsmaterial. «Im Gegensatz zu Silber läuft es nicht an, und es gibt nicht nur Gelb-, sondern auch Weiss-, Rot- und Rosétöne», schwärmt sie. «Zudem lässt sich Gold gut erhitzen und verformen.» Bei so viel Begeisterung scheint Triulzi im richtigen Beruf gelandet zu sein. Das findet auch die junge Goldschmiedin: «Ich würde mich definitiv wieder für diese Lehre entscheiden.»