Schattdorf: Betonbilder im Einrichtungshaus

Christoph Arnold formt aus Beton Würfel und dreidimensionale Bilder, die er mit historischen Postkartenmotiven der Schweiz überzieht. Die Werke sind demnächst in Schattdorf zu sehen.

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Das Thema der Betonbilder von Christoph Arnold lautet «Mobilität anfangs des 20. Jahrhunderts». (Bild: PD)

Das Thema der Betonbilder von Christoph Arnold lautet «Mobilität anfangs des 20. Jahrhunderts». (Bild: PD)

Kleine Schweissperlen glänzen auf der Stirn von Christoph Arnold. Ein Lächeln huscht über das Gesicht des Altdorfer Künstlers. Mit der Kelle mischt er Zement, Mörtel und Wasser zu einem dunkelgrauen Teig. Danach muss alles schnell gehen, denn der Teig bleibt nur etwa 5 Minuten lang flüssig. Dann wird er fest und lässt sich kaum mehr formen.

Die Formen aus gelben Schaltafeln stehen auf dem Tisch bereit. Kelle für Kelle füllt er den dickflüssigen Beton in die Negative, klopft die Masse zurecht, bis sie die passende Höhe erreicht hat. Jetzt fehlt noch das Anbringen der Aufhängevorrichtung, damit der Würfel nach der Fertigstellung mit Schraube und Dübel an der Wand befestigt werden kann. Doch bis es soweit ist, vergehen noch einige Tage. Zwei Tage allein braucht die Betonmasse, um zu härten. Dann werden die Verschalungen entfernt. Die restliche Flüssigkeit entweicht in den darauffolgenden zwei bis drei Tagen.

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

«Beton giessen ist für mich ein sinnlicher Prozess», sagt Arnold. Faszinierend sei der Prozess von der Konstruktion der Negativform, von der Entstehung des Betons aus Zement, Mörtel und Wasser und dann der grosse Moment, wenn die fertige Betonform aus der Verschalung genommen werde. «Eine gute Vorbereitung ist beim Betonieren die halbe Miete. Sie ist sogar entscheidend, denn ein kleiner Fehler an der Negativform oder beim Abmischen kann die ganze Arbeit zunichtemachen.» Warum Beton? «Beton ist ein Naturprodukt mit einer reizvollen Haptik. Zudem gefällt es mir, wenn man die Holzmaserungen im Beton sieht», sagt Christoph Arnold.

Mit seinen braunen, nach hinten gegeelten Haaren und dem wild gewachsenen, üppigen Bart entspricht der 34-jährige Familienvater einer Mischung aus Hipster und Wilhelm Tell. Sein grüner Overall, den er im Atelier trägt, weist an manchen Stellen Spuren von Beton und Spachtelmasse auf. Seine Betonwerkstatt befindet sich im Erdgeschoss des Crivelli-Hauses in Altdorf. Hier liessen sich im Spätmittelalter junge Männer gegen wenig Entgelt als Söldner für fremde Heere einspannen. Das Bürgerhaus diente einer wohlhabenden Magistratenfamilie als Verwaltungssitz für die sogenannte Reisläuferei. Heute ist es Wohn- und Atelierhaus in einem. Die breiten Gänge im Eingang, alte Gemälde an den Wänden und der Steinboden erinnern noch an die einstige Nutzung.

Technik laufend weiterentwickelt

Im Atelier von Christoph Arnold befand sich vermutlich früher ein Stall. Seit Anfang 2017 entstehen hier Betonwürfel und -bilder als Wandelemente. Auf die Idee, mit Beton zu arbeiten, kam der Mathematik- und Werklehrer schon während des Studiums. Später durften seine Schüler mit Beton arbeiten. Es folgten die ersten Experimente zu Hause – zuerst mit Fertigmischungen, später mit Hochleistungsmörtel und Schablonen aus Schaltafeln. «Erst mit dem Hochleistungsmörtel erhalten die Würfel und Bilder scharfe Kanten.» Laufend entwickelte Christoph Arnold seine Technik weiter, feilte an den Negativen, an der Betonmischung und an der Weiterverarbeitung der Betonobjekte. Die Betonbilder von Christoph Arnold zum Thema «Mobilität Anfang des 20. Jahrhunderts» können während der Open Days vom 20., 21., 27. und 28. Oktober im Einrichtungshaus Muoser in Schattdorf bestaunt werden. (pd/bar)