BIENENSEUCHE: Veterinäre erklären Uri zum Sperrgebiet

Es besteht der dringende Verdacht, dass im Kanton Uri ein aggressiver Parasit auftritt, der Bienenvölker befällt. Das Veterinäramt schlägt Alarm.

Anian Heierli
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Weisse Larven und tote Bienen nach dem Befall mit dem Kleinen Beutenkäfer. (Bild Vik Gisler)

Weisse Larven und tote Bienen nach dem Befall mit dem Kleinen Beutenkäfer. (Bild Vik Gisler)

Anian Heierli

In einem Urner Imkereibetrieb wurden am 28. März verdächtige Larven des Kleinen Beutenkäfers entdeckt und sofort ausgemerzt. Es ist das erste Mal, dass der Verdacht dieses gefährlichen Bienenschädlings nördlich der Alpen und in der Schweiz ausgesprochen wurde. «Es ist enorm wichtig, dass wir den Parasiten frühzeitig ausmerzen», sagt Andreas Ewy, Kantonstierarzt der Urkantone. «Sobald sich der Schädling flächendeckend ausbreitet, gibt es keine Chance mehr, ihn loszuwerden.» Denn der Kleine Beutenkäfer ist robust: Neben der Antarktis ist Westeuropa der einzige Kontinent, auf dem sich der Parasit nicht ausgebreitet hat. Der Kantonstierarzt hat den Urner Talboden von Göschenen bis nach Bauen am Urnersee ab dem 30. März zum Sperrgebiet erklärt, aus dem kein Bienen- oder Imkermaterial ausgeführt werden darf. Die Aufhebung der Sperre wird zu gegebener Zeit im Urner Amtsblatt publiziert.

Eine Frage der Zeit

Der Kleine Beutenkäfer ist im September des vergangenen Jahres in Kalabrien in Süditalien erstmals wieder in Europa gefunden worden. Die italienischen Behörden vernichteten 60 befallene Bestände vollständig und kontrollierten Bienenvölker im Überwachungsradius von 100 Kilometern.

Der Parasit wurde kürzlich vom Bundesrat wegen seiner zerstörerischen Wirkung als zu bekämpfende Tierseuche eingestuft. Schweizer Behörden, kantonale Veterinärämter und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) rechneten von Beginn an damit, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Käfer auch in der Schweiz auftaucht. Entsprechende Gegenmassnahmen wurden geplant.

Die Urkantone und der Kanton Uri mit der Nord-Süd-Verkehrsachse galten von Anfang an als mögliches Einfallstor. So wurde bekannt, dass Bienenschwärme aus Italien oder dem Tessin mit Güterzügen oder Lastwagen durch den Gotthardtunnel reisten und an der Gotthard-Raststätte von lokalen Imkern eingefangen werden konnten. Der Kleine Beutenkäfer ist in der Lage, im Bienenschwarm mitzureisen. Zudem kann er die kalten Monate im Bienenkasten überstehen.

Am 25. März hatte das Veterinäramt der Urkantone die Urner Imkerschaft in einer extra einberufenen Pflichtinfoveranstaltung über den Kleinen Beutenkäfer informiert. Vermittelt wurden seine Erkennungsmerkmale, verursachte Schadensbilder und mögliche Bekämpfungsmassnahmen. Alle Urner Imker wurden mit Beutenkäfer-Fallen ausgerüstet. Diese Fallen töten den Käfer, ohne die Bienen zu beinträchtigen oder Rückstände am Honig zu hinterlassen.

400 Larven entdeckt

Drei Tage später, am vergangenen Samstag, installierte ein Urner Imker seine Fallen im Bienenhaus und stellte bei einem Volk verdächtige Spuren fest, die auf einen Befall mit dem Kleinen Beutenkäfer hinweisen (siehe Foto). Über 400 weisse Larven wimmelten auf den Waben herum, während alle Bienen bereits tot waren. Die meisten hatten ein Loch im Rückenschild und bestanden nur noch aus der Chitinhülle.

Sofort informierte der betroffene Imker den Urner Bieneninspektor Vik Gisler. Gisler wiederum zog Bruno Reihl, den leitenden Bieneninspektor der Urkantone, hinzu. Beide legten umgehend fest, dass das gesamte Wabenmaterial und die bereits durch den Befall getöteten Bienen in Kehrsichtsäcke dicht verpackt und anschliessend bei minus 12 Grad tiefgekühlt werden. «Erwiesenermassen werden so die Eier, die Larven und die erwachsenen Tiere des Kleinen Beutenkäfers abgetötet», erklärt Kantonstierarzt Ewy. «Die verdächtigen Larven stammen vermutlich von einem Weibchen des Kleinen Beutenkäfers.» Vermutlich habe das Weibchen seine Eier am 19. März im Bienenvolk gelegt.

Am vergangenen Sonntag kontrollierten die Inspektoren andere Bienenvölker. Dabei stellten sie keinen weiteren Befall fest. Tierarzt Ewy ist besorgt. Schon heute seien die Bienenvölker wegen der verbreiteten Varroamilbe und anderer Faktoren geschwächt, sagt er. «Ein weiterer dauerhafter Schädling hat fatale Folgen.»

Aufruf an alle Imker

Da das Veterinäramt nicht ausschliesst, dass eventuell weitere Exemplare des Kleinen Beutenkäfers eingeschleppt worden sind, muss rasch gehandelt werden. Das Veterinäramt ruft alle Imker im Kanton Uri auf, die eigenen Bienenvölker zu kontrollieren und nach Schadbildern zu suchen. Im Verdachtsfall ist sofort der Bieneninspektor Vik Gisler (Tel. 079 358 70 44) zu benachrichtigen. Die Kontrolle sollte bis Ostern abgeschlossen sein und ebenfalls dem Bieneninspektor gemeldet werden. Imker, die ferienhalber abwesend oder durch Krankheit und Verpflichtungen verhindert sind, sollen dies umgehend melden. Ihre Völker werden dann von den Bieneninspektoren kontrolliert.