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BILDUNG: Eltern sollen auch in Uri weniger für Schullager bezahlen

Laut Bundesgericht ist es verfassungswidrig, wenn sich Eltern an obligatorischen Aktivitäten der Schule finanziell beteiligen müssen. Auch die Urner Bildungsdirektion reagiert und will nun mit einem Projekt eine korrekte Regelung herbeiführen.
Kinder in einem Schullager: Nicht in jedem Restaurant sind sie willkommen. (Bild: Themenbild: Keystone)

Kinder in einem Schullager: Nicht in jedem Restaurant sind sie willkommen. (Bild: Themenbild: Keystone)

Sie zählen zu den prägendsten Erlebnissen einer Schulzeit: Klassenlager, Schulreisen und Exkursionen. Doch dass Eltern für solche obligatorischen Veranstal- tungen der Schulen zahlen müssen, widerspricht der Bundesverfassung. Dies hat das Bundesgericht in einem Urteil im vergangenen Dezember festgehalten. Demnach soll der Besuch der Grundschule gratis sein; nur eine Verpflegungsentschädigung zwischen 10 und 16 Franken darf pro Kind und Tag eingezogen werden. Der Kanton Luzern hat nun ein entsprechendes Merkblatt an die Schulen verschickt, das dem Bundesgerichtsurteil Rechnung trägt.

Jetzt hat das Thema regelrechte Wellen geschlagen, die auch den Kanton Uri erreichten. «Wir haben erkannt, dass wohl auch in Uri Handlungsbedarf besteht», sagt Christian Mattli, Generalsekretär der Bildungsdirektion. «Wir vermuten, dass die Praxis im Kanton Uri nicht immer mit der Rechtsprechung des Bundesgerichts vereinbar ist.» Um möglichen Klagen vorzubeugen, gehe man das Thema nun aktiv an.

Die Hoheit der Volksschule liegt bei den Gemeinden. Man sei aber an einer kantonalen Regelung interessiert. Deshalb will man in das nun lancierte Projekt alle Involvierten einbeziehen: Vertreter der Gemeinden, der Bildungsdirektion sowie der Interessengruppen von Lehrern und Schulleitern. «In einem ersten Schritt wird die heutige Praxis analysiert», erklärt Mattli. «Ziel ist es, dass wir auf Anfang 2019 eine praktikable Regelung in Kraft setzen können.» Ob dies in Form einer Empfehlung oder einer Weisung daherkommen wird, sei noch nicht klar. Eine Abschaffung von Schullagern oder Exkursionen komme allerdings nicht in Frage. «Solche Aktivitäten fördern den Teamspirit einer Klasse und tragen zur Sozialisierung bei», ist Mattli überzeugt.

Abzeichnen dürfte sich wohl eine Kostenverlagerung auf die Gemeinden. «Es wird sich sicher die Frage stellen, was die Gemeinden übernehmen können und was nicht», so Mattli. «Fest steht aber, dass die Chancengerechtigkeit einer Schülerin oder eines Schülers nicht vom Wohnort abhängen sollte.»

«Die Schüler werden in die Pflicht genommen»

Den Stein ins Rollen gebracht hatte der Grosse Rat des Kantons Thurgau, der das Volksschulgesetz dahingehend abgeändert hatte, dass sich Eltern an Pflichtveranstaltungen, aber auch an Sprachkursen zu beteiligen haben. Dies hat das Bundesgericht revidiert.

Dass es auch ohne finanziellen Druck auf die Eltern geht, belegt ein Beispiel aus Seedorf. Primarlehrer Simon Arnold geht jeweils mit seinen Sechstklässlern für eine Woche in die Schulverlegung. «Unser Credo ist es, dass ein Lager nach Möglichkeit ohne finanzielle Beteiligung der Eltern durchgeführt werden kann», so Arnold. Stattdessen sei es ihm wichtig, die Schülerinnen und Schüler in die Pflicht zu nehmen. «Sie sollen lernen, dass man etwas tun muss für tolle Erlebnisse.»

So veranstaltet Arnold mit seinen Schülern eine Kaffee- und Verkaufsaktion mit selber gemachten Produkten vor dem Dorfladen: getrocknete Apfelringe oder aus Eierkarton gefertigte Hühnchen werden jeweils vor Ostern angepriesen, Betrag frei wählbar. An Elternbesuchstagen wird ein Kuchenbuffet betrieben. Und mit handgeschriebenen Briefen fragen die Schüler bei etlichen Firmen um Beiträge oder Naturalien an.

Einen grossen Beitrag leistet aber auch die Kreisprimarschule Seedorf-Bauen, die pro Kind und Woche 150 Franken an die Schulverlegung zahlt sowie die Finanzierung der Begleitpersonen übernimmt. «So konnten wir die Schulverlegung jeweils ohne Elternbeiträge durchführen», sagt der Primarlehrer.

Hinweis
Bundesgerichtsurteil 2C_206/2016.

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

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