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BILDUNG: Immer mehr steigen quer in den Lehrerberuf ein

Obwohl die Lehrerausbildung immer gefragter ist, gibt es zurzeit noch keinen Überfluss. Teilzeitarbeit wird aber zu einem Problem.
Florian Arnold
Viele Lehrer suchen auch in Uri nach Stellen in Teilzeitarbeit. (Bild Pius Amrein)

Viele Lehrer suchen auch in Uri nach Stellen in Teilzeitarbeit. (Bild Pius Amrein)

Florian Arnold

Lehrer zu werden, liegt im Trend. Erneut haben die Anmeldungen an den Pädagogischen Hochschulen der Zentralschweiz zugenommen. Auch die Zahl Urner Neuanmeldungen an der PH Schwyz in Goldau ist innerhalb von vier Jahren von 10 auf über 30 gewachsen. 25 Prozent der Erstsemestrigen vom kommenden Herbst stammen damit aus Uri. Insgesamt beginnen 130 Personen eine Ausbildung in Goldau. Doch können diese nach Abschluss des Studiums alle beschäftigt werden?

Manko auf der Primarstufe

«Der Lehrermangel ist noch nicht behoben», stellt Silvio Herzog, Rektor der PH Schwyz, klar. Er stützt sich dabei auf Prognosen des Bundesamts für Statistik, welche die Altersstruktur der beschäftigen Lehrpersonen, die demografischen Entwicklungen sowie die Pensenverteilung miteinbeziehen. Ein Manko ist nach wie vor auf Stufe Kindergarten und Primarschule auszumachen. Die Situation für Uri hat sich allerdings etwas verbessert. Bis heute konnten fast alle frei werdenden Lehrstellen in Uri besetzt werden, wie Beat Spitzer, Vorsteher des Amts für Volksschulen ausführt. Auf der Ober- und der Primarstufe wird je noch eine Person gesucht. Eine Umfrage unter den Schulleitern zeigte zudem, dass es auf der Primarstufe eher einfacher als auf der Oberstufe war, neue Lehrer zu finden. Am schwierigsten gestaltete sich die Suche nach Heilpädagogen. Nach wie vor sei es für die Schulen aber schwierig, die Stellen zu besetzen. Die Suche nach Lehrpersonen sei mit einem grossen Aufwand verbunden.

Der Entwicklung an den Pädagogischen Hochschulen steht Spitzer positiv gegenüber. «Damit unsere Stellen ideal besetzt werden können, braucht es eine Auswahl.» Es sei deshalb sinnvoll, wenn mehr Leute ausgebildet würden, als es freie Stellen gibt. «Insgesamt gibt es sicher genügend Stellen», sagt Hochschulrektor Silvio Herzog. Die Strategie der PH Schwyz sei keinesfalls darauf ausgelegt, Überfluss zu produzieren. «Wenn es so weit kommt, werden wir Zulassungsbeschränkungen einführen», so Herzog. Fakt ist: Die Hochschulen müssen wirtschaftlich funktionieren. «Die erfreuliche Anmeldezahl hat bei uns tatsächlich zu einer Senkung der Pro-Kopf-Kosten geführt», sagt der Rektor. «Es ist gut, wenn wir die Klassen gut auslasten können.» Die Qualität stehe immer im Vordergrund. «Wir haben noch nie jemanden aus wirtschaftlichen Überlegungen aufgenommen.»

Vorbereitungskurs absolvieren

Zu einem wichtigen Teil der Studentenschaft sind heute die Quereinsteiger geworden. Die Zahl jener, die ein Maturazeugnis vorweisen können, ist leicht rückläufig. An der PH Schwyz ist es aber auch möglich, per Zulassungsprüfung in die Hochschule aufgenommen zu werden. Personen, die aus dem Arbeitsmarkt zum Lehrerstudium wechseln, können einen Vorbereitungskurs absolvieren. An diesem System will die PH Schwyz auch in Zukunft festhalten. Gezeigt hat sich nun, dass die Quereinsteiger später bessere Chancen auf dem Markt haben, weil sie bereits Berufserfahrung vorweisen können.

Viele Kleinstpensen sind heikel

Zugenommen hat in den vergangenen Jahren das Angebot an und die Nachfrage nach Teilzeitanstellungen an den Schulen. Dieser Entwicklung stehen sowohl der PH-Rektor als auch das Amt für Volksschulen etwas kritisch gegenüber. «Natürlich ist es für Lehrpersonen interessant, ihren Beruf auch in Teilzeit auszuüben», sagt Herzog. Und Schulen sind auf solche Personen auch angewiesen. Doch aus pädagogischer Sicht seien zu viele Lehrer pro Klasse bedenklich. «Je jünger die Kinder, umso wichtiger ist eine konstante Bezugsperson», schätzt der PH-Rektor.

Und für Amtsvorsteher Beat Spitzer gibt es noch einen weiteren Negativpunkt: «Für Schulen mit vielen Teilzeitpensen ist es sehr schwierig, Teamanlässe durchzuführen. Das schränkt den Schulentwicklungsprozess ein.» Aber auch er sieht ein, dass Lehrern die Freiheit nach Teilzeitarbeit geboten werden soll. «Heikel wird es nur, wenn es zu viele Kleinstpensen gibt.»

Sprachzertifikat wird Knackpunkt

zf. Ein Absolvent der Pädagogischen Hochschule muss heute ein Sprachzertifikat auf Niveau C1 in Englisch oder Französisch vorweisen können, damit er nach Abschluss des Studiums ein Lehrdiplom entgegennehmen darf. Ein beträchtlicher Teil der Studierenden schafft dies während ihrer Ausbildung noch nicht. Sie haben nach Abschluss der Ausbildung bis zu sieben Jahre Zeit, das Zertifikat nachzureichen. «Die Absolventen sind zwar sehr breit und gut ausgebildet, ihnen fehlt aber ein wichtiges Mosaikteil für ihre Lehrbefähigung», erklärt Silvio Herzog, Rektor der PH Schwyz.

Laut Beat Spitzer, Vorsteher des Amts für Volksschulen in Uri, ist es heute üblich, Absolventen mit abgeschlossener Ausbildung, aber ohne Sprachzertifikat – und somit ohne Lehrdiplom – anzustellen. «Diese Personen werden befristet angestellt», so Spitzer. Ausserdem werden die «nicht Diplomierten» zu tieferen Löhnen angestellt. Den Schulleitern stellt der Kanton zudem frei, ob die Absolventen ohne Sprachdiplom Englisch unterrichten können oder nicht. «Das ist aus unserer Sicht legitim», sagt Spitzer. Ihm seien keine negativen Reaktionen von Eltern bekannt, welche sich über den Englischunterricht der «Patentlosen» beschwert hätten.

«Ein hohes Sprachniveau ist zentral für einen guten Fremdsprachenunterricht», sagt PH-Rektor Herzog. Deshalb sei die Schwelle – im Englisch ist es die Ausbildung «Advanced» – gerechtfertigt. «An diesem Qualitätsanspruch wollen wir auch nicht rütteln.» Doch auch Herzog ist bekannt, dass sich das Englisch zum Knackpunkt der Lehrerausbildung entwickelt hat, «gerade für Studierende, die keine Affinität zu Sprachen mitbringen». Man vergebe ein integrales Patent, stellt Herzog klar. «Es ist die Idee einer Allrounder-Ausbildung, dass man alle vorgeschriebenen Fächer beherrschen muss.» Intern bietet die PH Schwyz kostenlose Vorbereitungskurse für die international anerkannten Zertifikate an. Zum heutigen Stand sei an der PH Schwyz aber kein einziger Fall bekannt, in dem das Sprachzertifikat nach sieben Jahren noch nicht erworben worden sei.

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