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Kolumne

Biodiversität ist weltweit alarmierend

Laut Kolumnist Christof Hirtler ist der Zustand der biologischen Vielfalt in der Schweiz besorgniserregend. Das Land würde im Vergleich mit den Nachbarnationen nicht gut davonkommen.
Christof Hirtler
Christof Hirtler aus Altdorf ist Kolumnist der Urner Zeitung. (Bild: PD)

Christof Hirtler aus Altdorf ist Kolumnist der Urner Zeitung. (Bild: PD)

Während des Zweiten Weltkriegs vergrösserte die Schweiz mit dem «Plan Wahlen» (benannt nach Friedrich Traugott Wahlen, dem damaligen Leiter der Abteilung für landwirtschaftliche Produktion im Eidgenössischen Kriegsernährungsamt) ihre Ackerflächen zur Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln. Sumpfgebiete wurden melioriert, Wiesen umgepflügt. Nicht nur auf dem Land, sondern in Städten und Dörfern wuchsen auf jeder verfügbaren Grünfläche Gemüse, Kartoffeln und Getreide. Bei der «Anbauschlacht» machten auch 12’000 Industriebetriebe und 500’000 Kleinpflanzer mit. Die Schweiz erreichte einen Selbstversorgungsgrad von 59 Prozent. Die Anbauschlacht förderte auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Widerstandswillen der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs.

Seit 30 Jahren leben wir in einer globalisierten Welt und zerstören mit der Maxime «Wachstum um jeden Preis» unseren Planeten und unsere Lebensgrundlagen. Bereits 1968 warnte der «Club of Rome», ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Ökonomen, vor einem grenzenlosen materiellen Wachstum und Konsum in einer Welt mit klar begrenzten Ressourcen. Sein Bericht «Die Grenzen des Wachstums» verkaufte sich millionenfach.

Leider handelt der Mensch erst, wenn die Katastrophe da ist. Der Weltbiodiversitätsrat veröffentlichte am 6. Mai seinen ersten Bericht zum globalen Zustand der Biodiversität.

Der Klimawandel gilt als wichtigster Treiber des Artensterbens. In der Schweiz ist der Zustand der biologischen Vielfalt alarmierend. Ein Drittel aller untersuchten Tier- und Pflanzenarten ist bedroht. Ein Vergleich mit unseren Nachbarländern zeigt, dass die Schweiz die höchste Anzahl an gefährdeten Arten aufweist und europäisches Schlusslicht bei den Schutzgebietsflächen ist. Trotzdem wird die Natur durch die intensive Landwirtschaft, den Bau von Wohnungen und Infrastrukturbauten weiter zurückgedrängt. 2018 wurden in der Schweiz 72’000 leere Wohnungen gezählt – Mietwohnungen als Geldanlage, angetrieben von

Pensionskassen und Versicherungen. Im Kanton Uri standen 2018 277 Wohnungen und 27 Einfamilienhäuser leer.

Neben ihrer Schönheit haben Tiere und Pflanzen eine lebenswichtige Funktion im Ökosystem: etwa die Bildung, Reinigung und Gesunderhaltung von Böden, die Bestäubung von Nutzpflanzen, die Aufbereitung von Trinkwasser, die Reinigung der Luft, die Regulation des Klimas oder die Bereitstellung von Nahrung. Landschaften haben ökologische, ästhetische, kulturelle, wirtschaftliche und emotionale Werte.

Tun wir mehr für mehr Natur: Jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten. Jede Dachbegrünung, jeder Quadratmeter Naturgarten, jedes Balkonkistchen mit Wildblumen zählt. Damit schaffen wir ökologisch wertvolle Lebensraumflächen für einheimische Tiere und Pflanzen.

Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF hat die Internetseite «Mission B» für mehr Biodiversität aufgeschaltet, eine Art «Anbauschlacht» für mehr Biodiversität. Auf der Website von SRF gibt es wertvolle Tipps wie diesen: «Lebensraum für einheimische Tier- und Pflanzenarten zu schaffen, bedeutet nicht zwingend, Aufwand zu betreiben. Im Gegenteil. Statt stundenlang jäten, kann man einfach zusehen, wie alles wächst und gedeiht. Die Natur bedankt sich bei denen, die es lockerer nehmen und sie machen lassen. So finden Schmetterlinge und Insekten ihre Nahrung.

Im Kanton Uri gibt es bereits gute Beispiele von Flächen mit hoher Artenvielfalt: die Wildheugebiete, das Witenwasserental, die Moorlandschaft in der Göscheneralp, das Reussdelta, die Waldreservate im Fellital oder im Etzlital usw. Auf den Grünflächen der Ruag und der Berufsschule wächst heute Gras anstatt Rasen. Das Gras bleibt so lange stehen, bis Blumen und Gräser absamen. Danach werden die Wiesen gemäht und das Heu wird den Tieren verfüttert.

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