Bisher Getestete sind «nicht infektiös»

Nachgefragt

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Wären die Tierhalter früher über die positiven BVD-Befunde auf den beiden Alpen informiert worden, hätten sie reagieren, ihre Tiere von den Alpen holen und zu Hause getrennt von ihren übrigen Tieren halten können: Dies ist ein oft geäusserter Kritikpunkt im Zusammenhang mit den BVD-Fällen auf den beiden Urner Alpen Fiseten und Alplen. Kantonstierarzt Andreas Ewy nimmt schriftlich Stellung.

Andreas Ewy, weshalb hat das Laboratorium der Urkantone die Tierhalter nicht früher informiert?

Solange es keinen dauerhaft infizierten Virusausscheider – also ein sogenanntes PI-Rind – gibt, sind die Rinder nicht ansteckend. Damit ist auch keine Gefahr einer Weiterverbreitung gegeben. Uns liegen inzwischen die Ergebnisse von zirka 400 Blutproben vor, und wir haben kein solches PI-Rind gefunden. Bis zum kommenden Wochenende werden wir alle Urner Rinder untersucht haben. Wir können dann zu Beginn der kommenden Woche mitteilen, welches Laborergebnis festgestellt wurde. Und zur Frage der früheren Information: Bei Alplen und Fiseten handelt es sich um grosse Alpen mit vielen Rindern. Der Veterinärdienst muss sicher sein, dass ein infektiöses BVD-Geschehen stattgefunden hat. Erst dann werden die betroffenen Rinderhalter informiert. Die beiden Älpler und die betroffenen zwei Tierhalter, deren zwei Rinder abortiert haben, wurden natürlich sofort nach dem Vorliegen des Laborergebnisses informiert.

Hätte man die Gesamtbeprobungen früher anordnen können?

Die Verantwortlichen vor Ort haben uns mitgeteilt, dass eine Beprobung auf den Hochalpen nicht durchführbar wäre. Wir haben dann mit ihnen zusammen entschieden, dass wir noch die zwei Wochen zuwarten, bis die Rinder so oder so wieder zusammengetrieben und auf den nächsten Stafel geführt würden.

Warum dürfen Halter, die Tiere auf den beiden Alpen gesömmert und aufgrund der vorgenommenen Blutproben einen negativen Befund erhalten haben, trotzdem nicht an der Grossviehausstellung teilnehmen?

Grundsätzlich verlieren diese Betriebe den Status «Amtlich anerkannt BVD-frei». Wenn alle Rinder eines Betriebes, die auf den beiden Alpen gesömmert wurden, durchgetestet und nicht tragend sind, kann dem Betrieb der Status zur BVD-Freiheit wieder zugeteilt werden. Sind aber bei diesen Rindern tragende Mütter dabei, die eine Verbringungssperre auferlegt bekommen haben, dann können diese Betriebe erst nach der Abkalbung der betroffenen Rinder wieder den Status «Amtlich anerkannt BVD-frei» erlangen. Solange ein Betrieb diesen nicht führen darf, kann er gemäss Tierseuchengesetzgebung an keiner Viehausstellung teilnehmen.

Wie schätzen Sie die Gefahr ein, dass die Ausbreitung des BVD-Virus aufgrund der zeitlichen Verzögerung respektive wegen inzwischen erfolgter schweizweiter Verschiebungen und Verkäufe oder durch Abkalbungen verstärkt wurde?

Die bisher getesteten Rinder sind alle «nicht infektiös». Wir rechnen nur mit einzelnen PI-Rindern – wenn überhaupt. Unsere Erfahrungen zeigen, dass wir oftmals kein solches PI-Rind finden. Damit wären alle Rinder «nicht infektiös». Aber warten wir zunächst noch die laufende Beprobung ab. (bar)