Blitzlicht

Was das Archiv verrät

Rund 90 Artikel habe ich dieses Jahr verfasst. Einige wirken rückblickend etwas merkwürdig – und zeigen auf, wie sehr sich das Leben innerhalb eines Jahres verändert hat.

Christian Glaus
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Soeben habe ich meine Werke dieses Jahres bei Pro Litteris angemeldet. Pro Litteris ist die Schweizerische Urheberrechtsgesellschaft. Schreibt man regelmässig – und meldet die Arbeiten auch an – kommt jeweils ein anständiges Trinkgeld zusammen.

Christian Glaus

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Ich bekomme also zusätzlich Geld dafür, dass ich meiner Arbeit nachgehe. Wie schön! Wie ich die Artikel so durchschaue, bin ich mir fast sicher: Es gäbe einige, die mir kein Trinkgeld geben würden. Da gab es zum Beispiel den Artikel: «Urner Arzt fordert Ende der Maskenpflicht». Sie können sich ausmalen, wie viele – auch gehässige – Reaktionen ich darauf erhalten habe. Oder den Leitartikel zur Nidwaldner Steuergesetzrevision: «Unnötiges Geschenk an Holdings», lautete die Überschrift. Prompt meldete sich am nächsten Tag der Nidwaldner Finanzdirektor Alfred Bossard. Sinngemäss meinte er: Am ehesten könne er noch meine Behauptung verkraften, er träume davon, dass Nidwalden der steuergünstigste Standort weltweit wird.

Der Jahresrückblick im Zeitungsarchiv ist durchaus interessant. 90 Artikel finde ich mit meinem Namen. Weshalb habe ich im Juli keinen einzigen Text geschrieben? Ah, genau, Sommerferien. Damals konnte man sogar noch verreisen. Nicht überall hin, aber Österreich, Slowenien und Italien waren damals für uns Schweizer offen.

Vielsagend sind zwei Titel: «Jeder Zweite darf nicht zum Test.» Das war Ende März, als der Kanton Luzern sein Drive-in-Testzentrum in Betrieb nahm. Können Sie sich vorstellen, dass heute noch ein Testwilliger weggeschickt wird? Eben. Oder der hier: «Maskenpflicht in Läden ist vorerst unwahrscheinlich.» Das war im August. Mit dem Wort «vorerst» ist der Titel immerhin auch rückblickend nicht falsch.

Die Situation besser antizipiert habe ich mit dem Bericht über die bevorstehende Skisaison. «Was ist das grössere Risiko: Ein schneearmer Winter oder ein erneuter Lockdown?», fragte ich die Betreiber der Skigebiete Anfang November. Zumindest zwischenzeitlich waren alle Zentralschweizer Skigebiete geschlossen.

Und was können wir für 2021 lernen? «Nur Nidwalden verlängert die Schulferien», lautete kürzlich die Überschrift von meinem Artikel 87 dieses Jahres. Wir werden sehen.