Interview

Blues-Star Philipp Fankhauser vor seinem Auftritt in Altdorf: «Ich wäre auch gerne mal ein Star, der keiner ist»

Philipp Fankhauser kommt Ende März erneut ans Tonart-Festival in Altdorf. Der Musiker über den Blues, was er von der aktuellen Musik hält und was ihm beim Stichwort Uri in den Sinn kommt. 

Markus Zwyssig
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Philipp Fankhauser (Mitte) mit seiner Band bei einer früheren Ausgabe des Tonart-Festivals in Altdorf.

Philipp Fankhauser (Mitte) mit seiner Band bei einer früheren Ausgabe des Tonart-Festivals in Altdorf.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, März 2013)

Philipp Fankhauser spielt im Quintett am Tonart-Festival in Altdorf. Vorgängig konnte sich die «Urner Zeitung» mit der Schweizer Bluesgrösse zu einem Interview im Hotel Schweizerhof in Luzern treffen.

Sie spielen Ende März zum vierten Mal am Tonart-Festival in Altdorf. Ihr Konzert ist bereits ausverkauft, wie erklären Sie sich den Erfolg?

Philipp Fankhauser: Da müsste man jene fragen, die ein Ticket gekauft haben. Es ist ein wunderschönes Festival und ich freue mich, dabei zu zu sein. Als ich vor ein paar Jahren wieder einmal in Zweifeln geschwommen bin, da sagte mir ein lieber Freund: Du machst die Menschen glücklich. Wenn das so ist, dann kann es durchaus sein, dass die Menschen nach dem Konzert den Saal verlassen und sich ein bisschen besser fühlen als zuvor. Zum Erfolg tragen sicher auch meine vier wunderbaren Mitmusiker bei. Wir fünf bilden dermassen eine Einheit, die nicht an jeder Ecke im Land zu finden ist. Unsere Konzerte sind nicht von den schlechtesten.

Bei Ihnen läuft doch alles bestens. Weshalb haben Sie Zweifel?

Ich weiss schon, dass ich das Richtige mache. Es ist das 34. Jahr, dass ich auf der Bühne stehe. Und trotzdem sieht man manchmal links und rechts Menschen, die derart rasch Berühmtheit erlangen, die mir nicht einleuchtet. Ich wäre auch gerne mal ein Star, der keiner ist. Dann wäre ich auf allen Titelseiten und wahnsinnig wichtig. Das ist nicht Neid. Manchmal sucht man einfach nach dem Rezept für diesen Erfolg.

Was macht den Reiz der Bluesmusik aus?

Es ist eine wunderbare Musik, die auf einfache Art Emotionen transportieren kann. Es ist eine absolut authentische Musik. Man muss sich nicht verbiegen, nicht den Kasperli machen. Man muss keine Sonnenbrille anziehen und lässig sein. Es ist die Musik selber, die für sich spricht. Es geht darum, Geschichten zu erzählen. Das löst bei vielen Menschen offensichtlich etwas aus. Das Verlangen nach Tanzen und nach Bewegung hat man beim Blues auch. Aber es ist sicher nicht Tanzmusik, sondern eine einfache Sprache, bei der man die Seele und die Gefühlswelt eines Menschen erreichen kann.

Locken Sie auch jüngere an ihre Konzerte oder wird das Publikum immer älter?

Es gibt auch viele Junge, die an unsere Konzerte kommen. Das ist je nach Auftrittsort unterschiedlich. Wenn es Sitzplätze hat wie etwa bei das Zelt, dann kommen vor allem ältere Leute. Findet das Konzert im Kulturhaus Kiff in Aarau mit Stehplätzen statt, dann hat es auch viele jüngere. Aber es ist schon so, die meisten Konzertbesucher sind 40 oder älter. Das Publikum ist mit uns älter geworden, trotzdem ist es nicht überaltert.

Was gefällt Ihnen an der aktuellen Musik?

Ich setze mich nicht so stark mit der aktuellen Musik auseinander und höre kaum Radio. Ab Mitte 50 noch gewisse Sender einzuschalten, das funktioniert nicht mehr. Ich weiss, was mit jungen Blues- und Soul-Musikern passiert, aber sonst interessiere ich mich nicht für die neusten Trends. Stefanie Heinzmann gefällt mir. Sie hat von der Pike auf ihren Weg gemacht. Auch Loco Escrito macht qualitativ sehr gute Musik. 

Wie entwickelt sich die Bluesmusik weiter? 

Die Entwicklung geht vor allem auch über die Geschichten, die ich auf meinen Platten erzähle. Sie haben mit mir zu tun und stammen aus dem Jahr 2020. Ich bin kein Museumswärter. Es gibt ganz viele junge Musiker, die den Blues wieder aufnehmen. Gespielt wird aber immer noch auf der Fender Stratocaster und es sind dieselben drei Akkorde.

Wie eingangs erwähnt, ist das Konzert in Altdorf bereits ausverkauft. Gibt es trotzdem noch eine Möglichkeit, Sie live zu erleben?

Es gibt eine Premiere für mich in Luzern. Mit 17 war ich erstmals im «Stadtkeller» und hörte ein Blueskonzert. Jahre später durfte ich dann selber dort auftreten. Seit 1995 habe ich das regelmässig gemacht. Im vergangenen Jahr war ich erstmals in der «Schüür». Ich war eingeladen zur Plattentaufe von Dominic Schumacher. Der Veranstalter hat mich gefragt, ob ich mal in der «Schüür» spielen möchte. Beim «Stadtkeller» war man natürlich nicht erfreut, aber sie zeigten Verständnis. Zudem meinten sie, ich könne ja 2021 wieder im «Stadkeller» spielen. So kommt es nun, dass ich am 20. und 21. März in der «Schüür» spiele. Von Altdorf zur «Schüur» wäre es nicht so eine weite Reise. Auch spielen wir dasselbe Programm. Hier gibt es noch Tickets. Auf das Konzert in der «Schüür» freue ich mich sehr, wie natürlich auch auf den Auftritt in Altdorf. An den Kanton Uri habe ich spezielle Erinnerungen.

Woran denken Sie denn, wenn Sie Kanton Uri hören?

Ich bin im Tessin aufgewachsen und wenn wir dann nach Thun gefahren sind, war das in den siebziger Jahren eine grosse Reise. Wenn wir unterwegs waren, kehrten wir immer im Kanton Uri ein. Zudem freue ich mich immer über die Auftritte von Franz Steinegger. Auch Bernhard Russi ist ein lieber Freund von mir. Er ist schon öfters an meine Konzerte gekommen. Er ist eine absolute Legende. Ich habe ihn bewundert, als ich ein Teenager war. Mit ein bisschen Glück, wird er auch am Tonart-Festival dabei sein. Für ihn haben wir immer einen freien Platz im Konzertsaal. 

Hinweis: Philipp Fankhauser spielt am 28. März am Tonart-Festival in Altdorf. Ob das Festival wegen dem Corona-Virus stattfinden kann, wird in den nächsten Tagen entschieden.

Tickets zu gewinnen

Die Urner Zeitung verlost für die Konzerte am Freitag, 20. März, und am Samstag, 21. März, in der «Schüür» je drei mal zwei Tickets. Wer gerne Philipp Fankhauser in Luzern live erleben möchte, sendet ein E-Mail an redaktion@urnerzeitung.ch. Die Gewinner werden persönlich benachrichtigt.