Seelisberg: Bogenparcours-Pläne sorgen für Knatsch

Bogenschützen können im Breitlohnwald nun doch nicht auf Tierattrappen schiessen. Umweltverbände und eine Interessensgemeinschaft haben dafür gesorgt, dass der örtliche Tourismusverein sein Baugesuch für einen Bogenparcours sistiert hat.

Carmen Epp
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Ein solcher Bogenparcours mit Tierattrappen hätte im Breitlohnwald erstellt werden sollen. (Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018))

Ein solcher Bogenparcours mit Tierattrappen hätte im Breitlohnwald erstellt werden sollen. (Bild: Philipp Schmidli (Mörlialp, 29. September 2018))

Ab dem 1. Januar 2019 arbeiten die Tourismusorte rund um die Klewenalp zusammen. Dafür fasste Seelisberg Tourismus eine neue Trendsportart ins Auge: Bogenschiessen. Als Ergänzung zum Bogenpark auf der Stockhütte oberhalb von Emmetten hätte im Breitlohnwald ein Bogenparcours errichtet werden sollen, bei dem gegen einen Eintrittspreis an 28 Posten auf Tierattrappen hätte geschossen werden können.

Hätte, wäre, wenn: Aus den Plänen wird nun doch nichts. Seelisberg Tourismus hat das Projekt sistiert und das Bauvorhaben zurückgezogen, wie Präsidentin Ursi Aschwanden auf Anfrage bestätigt. An verschiedenen Fronten hatte sich Widerstand gegen das Vorhaben formiert – mit teilweise harscher Kritik sowohl am Projekt, als auch am Vorgehen des Vorstands von Seelisberg Tourismus.

Zuerst bewilligungsfähiges Projekt, dann informieren

An der GV von Seelisberg Tourismus im April diesen Jahres, als das Vorhaben zum ersten Mal zur Sprache kam, habe der Vorstand die Informationen zu den Plänen sehr spärlich gehalten und nur häppchenweise rausgerückt, erinnert sich Vereinsmitglied Peter Hauser. Nach einem persönlichen Gespräch mit Präsidentin Uri Aschwanden habe er den Eindruck gehabt, dass der Bogenparcours bereits beschlossene Sache sei. «Offensichtlich war der Vorstand der Meinung, dieses Vorhaben sowohl an den eigenen Vereinsmitgliedern als auch der übrigen Dorfbevölkerung vorbei durchziehen zu können.»

Diesen Vorwurf will der Vorstand von Seelisberg Tourismus nicht gelten lassen. An der besagten GV habe der Vorstand nur eine erste Idee und noch keinen Projektinhalt gehabt, sodass noch keine Diskussion möglich gewesen sei, hält Präsidentin Aschwanden auf Anfrage unserer Zeitung fest. Bei früheren Projekten habe man von Anfang an ausgiebig informiert. Wenn diese dann nicht umgesetzt werden konnten, habe man sich bei den Vereinsmitgliedern und der Bevölkerung verständlicherweise unglaubwürdig gemacht. Beim Projekt «Bogenparcours» wollte der Vorstand deshalb anders vorgehen. «Wir wollten zuerst ein bewilligungsfähiges Projekt haben und dann erst konkret informieren und diskutieren.»

Doch so weit sollte es gar nicht erst kommen: Eine Gruppe rund um Hauser hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Pläne des Tourismusvereins zu bekämpfen. Zusammen mit sieben Mitunterzeichnern reichte Hauser eine Einsprache ein. Bogenschiessen im offenen Waldparcours sei gefährlich und pädagogisch bedenklich, heisst es in der Einsprache. Ausserdem würde Seelisberg den schützenswerten Breitlohnwald und die kostbaren Naturschätze darin verlieren.

Ins selbe Horn blies auch der WWF Uri, der im Namen des Urner Umweltrats ebenfalls Einsprache gegen das Bauvorhaben erhob. Kurt Eichenberger, Geschäftsleiter des WWF Uri, stellt den öffentlich aufgelegten Projektunterlagen von Seelisberg Tourismus ein schlechtes Zeugnis aus: «Böse gesagt hat man fast jede Regel der Kunst einer öffentlichen Auflage missachtet», sagt er auf Anfrage. So habe etwa ein Betriebskonzept gefehlt, und auch der Bedarf sei nicht handfest nachgewiesen worden. «Man hat wohl einfach darauf gehofft, dass sich niemand mit dieser in der Schweiz noch jungen Disziplin auskennt und Einsprachen deshalb ausbleiben.»

«Umweltorganisationen wurden nie konsultiert»

Eichenberger übt ausserdem Kritik an der Kommunikation von Ursi Aschwanden. In mehreren Medienberichten habe sie behauptet, die Pläne seien mit Umweltorganisationen abgesprochen. «Welche Organisation sie damit meint, bleibt ihr Geheimnis», sagt Eichenberger. Keine der einspracheberechtigten Umweltorganisationen in Uri sei je in der Sache konsultiert worden.

Ursi Aschwanden klärt auf: Seelisberg Tourismus habe mit den zuständigen Behörden bei Gemeinde und Kanton Uri und den Waldbesitzern im Rahmen des Projekts beziehungsweise der Baubewilligung mehrmals Kontakt und Begehungen vor Ort gehabt. «Der Begriff in den Medieninformationen war insofern falsch, als dass wir mit Umweltorganisationen die Umweltamtsstellen des Kantons meinten und nicht den Umweltrat.»

Die Auffassung, dass die öffentlich aufgelegten Unterlagen mangelhaft gewesen sein sollen, teilt der Vorstand von Seelisberg Tourismus indes nicht. Man habe zahlreiche Unterlagen für die Bewilligungsbehörde erstellt, wie etwa ein Tourismuskonzept, ein Parcours- und Sicherheitsreglement und vieles mehr.

Das war im Nachhinein gesehen jedoch vergeb’ne Liebesmüh. Nachdem die «IG Bogenschiessparcours Nein» unter der Leitung von Hauser 114 Unterschriften gegen den Bogenpark im Breitlohnwald gesammelt hat, ist dieser auch für Seelisberg Tourismus vom Tisch. Das Projekt wurde sistiert und die Bauplanauflage zurückgezogen. Nun müsse man andere Ideen finden, welche die Attraktivität von Seelisberg für Gäste erhöhen und so die nötigen Umsätze für das Dorf und seine Leistungsträger bringen, sagt Ursi Aschwanden. «Bereits arbeitet eine Gruppe an einem neuen Dorftheater für den kommenden Sommer und an der Umsetzung einer Geschichtsreise durch Seelisberg.»

Bogenparcours soll Gäste nach Seelisberg locken

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Christoph Näpflin