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Borkenkäfer richten in Urner Wäldern enorme Schäden an

Der Hitzesommer 2018 hat den Wäldern zugesetzt. Jetzt leiden Bäume und der Borkenkäfer breitet sich rasant aus, wie bei einem Augenschein in Gurtnellen deutlich wird.
Christian Tschümperlin
Von links: Josef Gehrig, Ferdinand Herger, Alois Kempf und Damian Epp. Bild: cts (Gurtnellen, 16.9.2019)

Von links: Josef Gehrig, Ferdinand Herger, Alois Kempf und Damian Epp. Bild: cts (Gurtnellen, 16.9.2019)

Der Hitzesommer 2018 und die Windwürfe im vergangenen Winter haben in den Urner Wäldern ihre Spuren hinterlassen: Aktuell müssen im Kanton Uri so viele geschädigte Bäume aus dem Wald geschafft werden wie seit vielen Jahren nicht mehr. Der Schadholzanteil beträgt bereits die Hälfte einer durchschnittlichen Urner Jahresnutzung. Damit gibt es drei Mal so viel Schadholz wie in einem normalen Jahr. Der Schadholzanfall im Urner Wald betrage seit Jahresbeginn rund 14'000 Kubikmeter, erklärt Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti am Montag in der Nähe des Güetli-Parkplatzes nördlich von Gurtnellen.

Der Schadholzanfall ist zurzeit in der ganzen Schweiz und in vielen europäischen Ländern sehr gross. «Dadurch sind die Rundholzpreise für Sagholz auf einem absoluten Tiefpunkt angelangt», so Moretti. Der Preis liegt derzeit bei 50 bis 60 Franken pro Kubikmeter. Der ebenfalls anwesende Toni Zberg sagt:

«Als ich vor vierzig Jahren als Förster anfing, lag der Preis noch bei 150 Franken.»

Angesichts der hohen Schadholzmengen haben die meisten Urner Forstbetriebe den Umfang der geplanten Holzschläge reduziert oder zurückgestellt.

«Vor allem ältere Tannen, deren Gesundheit schon längere Zeit angeschlagen war, sind betroffen», weiss Beat Annen, Vorsteher des Amts für Forst und Jagd. Der Wassermangel im vergangenen Jahr habe zum Absterben vieler Weisstannen geführt. «Besonders augenfällig ist dies im Bannwald von Schattdorf und Bürglen zu beobachten», führt Annen weiter aus. Aber auch im Altdorfer Bannwald seien viele Weisstannen abgestorben.

Borkenkäfer vermehrt sich rasant

Im Urner Oberland hingegen leiden in erster Linie die Fichten (Rottanne) an den Folgen des Hitzesommers. «Der Borkenkäfer hat sich in vielen Gebieten sehr stark vermehrt, denn durch Trockenheit geschwächte Fichten sind auf den Borkenkäferbefall besonders anfällig», erklärt Annen mit Blick auf einige befallene Bäume, die gerade gefällt wurden. Auf der anderen Seite begünstige eine trockene Periode die Ausbreitung des Borkenkäfers. «Das ist wie ein Teufelskreis.»

Der Borkenkäfer frisst sich durch das Holz. (Bild: Christian Tschümperlin, Gurtnellen, 16.9.2019)

Der Borkenkäfer frisst sich durch das Holz. (Bild: Christian Tschümperlin, Gurtnellen, 16.9.2019)

«Die Situation ist ein Stück weit vergleichbar mit dem Hitzesommer 1983», sagt Beat Annen. Damals war das Waldsterben in aller Munde. «Mittlerweile geht man nicht mehr davon aus, dass der Wald stirbt, aber es kommt zu Veränderungen in der Zusammensetzung des Waldes, vor allem in den tieferen Lagen.» Am stärksten betroffen sind die Wälder in der Gemeinde Gurtnellen, in denen rund 2500 Kubikmeter Fichten vom Borkenkäfer befallen sind. Die Befallsherde sind überall verstreut und der Zugang zu den geschädigten Bäumen ist vielerorts lang und beschwerlich.

Seit Ende Juli ist der Forstbetrieb Uri Süd damit beschäftigt, vom Borkenkäfer befallene Bäume aus dem Wald zu schaffen und in die Sägerei zu bringen oder im Wald zu fällen, zu entrinden und liegen zu lassen. Einmal gefällt, verenden die Borkenkäfer im Baum. Gerade in abgelegenen Gegenden kommt letztere Option zum Zug. «Das Entrinden und liegen lassen hat den Vorteil, dass die Bäume dann als Schutzwall gegen Steinschläge dienen können», so Annen. Der Einsatz von Chemie gegen die Borkenkäfer dagegen ist verboten.

Der Borkenkäfer-Befall ist in Gurtnellen gut sichtbar. (Bild: Toni Zberg, 16.9.2019, Gurtnellen)

Der Borkenkäfer-Befall ist in Gurtnellen gut sichtbar. (Bild: Toni Zberg, 16.9.2019, Gurtnellen)

Dämme wirken nur zusammen mit Schutzwald

Der Schutzwald ist von grosser Wichtigkeit: Ohne ihn nützten auch künstliche Barrieren nichts. «Die Dämme wirken nur im Zusammenspiel mit dem Schutzwald», sagt Annen.

Die Bäume müssen gefällt werden solange sich die Larven der neuen Käfergeneration noch unter der Rinde befinden. Wenn die Käfer bereits ausgeflogen sind, ist es für eine Behandlung zu spät. Vom Befall des Baumes bis zum Ausfliegen der neuen Käfergeneration dauert es, je nach Höhenlage und Witterung, zwischen sieben und zwölf Wochen. Für die Forstleute bleibt also nicht viel Zeit, um zu handeln. Dazu Toni Zberg:

«Borkenkäfer-Befall ist etwas vom Schlimmsten. Man sieht vor lauter dürren Bäumen den Wald fast nicht mehr.»

Meistens sei man zu spät vor Ort. In einem einzigen Baum könne man bis zu 80'000 Borkenkäfer vorfinden. Solange die Nester noch klein seien, bestehe aber noch die Chance, diese zu vernichten.

«Wir sind gefordert», sagt Annen. Denn: Der Personalbestand des Forstbetriebs Uri Süd reicht nicht aus, um der Lage Herr zu werden. Es stehen zusätzlich Forstwarte und Maschinen aus praktisch sämtlichen Urner Forstbetrieben und von privaten Forstunternehmungen im Einsatz. «Dank dem überbetrieblichen Einsatz des Urner Forstpersonals besteht aber die Chance, den Befall rechtzeitig reduzieren zu können», führt Dimitri Moretti aus. «Die ganze Situation wäre ohne die Hilfe der anderen Gemeinden unmöglich, zu stemmen», sagt auch Betriebsleiter Ferdi Herger. Insgesamt sind bis zu 25 Forstwarte im Einsatz.

Bis zu 25 Forstwarte sind bei Gurtnellen im Einsatz. (Bild: Christian Tschümperlin, Gurtnellen, 16.9.2019)

Bis zu 25 Forstwarte sind bei Gurtnellen im Einsatz. (Bild: Christian Tschümperlin, Gurtnellen, 16.9.2019)

Hoffen auf einen nassen Frühling

Mit einer konsequenten Bekämpfung der Käfer können die zu erwartenden Folgeschäden um die Hälfte reduziert werden. «Wir gehen aber davon aus, dass wir das Problem im nächsten Jahr noch haben werden», so Annen. Denn die Borkenkäfer-Zyklen dauern länger als ein Jahr. «Wir können nur hoffen, dass es einen möglichst nassen Frühling 2020 gibt.»

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