Bovine Virusdiarrhoe: Rinderseuche ist in Uri immer noch aktiv

Die Bovine Virusdiarrhoe ist auf manchen Urner Bauernhöfen auch heute noch aktuell. Gewisse Tierhalter würden bisweilen Proben fälschen und damit grossen Schaden riskieren.

Lucien Rahm
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Für die Urner Kühe hat sich das Infektionsrisiko bei der Virusdiarrhoe verringert.

Für die Urner Kühe hat sich das Infektionsrisiko bei der Virusdiarrhoe verringert.

Symbolbild: Florian Arnold (Unterschächen, 14. Juli 2015)

Sämtliche Rinder, die den Sommer 2017 auf den Urner Alpen Fiseten und Alplen verbracht haben, müssen die Spezialisten untersuchen, als zwei Fälle der Tierkrankheit Bovine Virusdiarrhoe (BVD) bekannt werden. Rund 770 Tiere werden auf eine Infektion überprüft, bei etwa hundert davon wird ein möglicher Viruskontakt festgestellt.

Heute, rund zweieinhalb Jahre später, hat sich die Situation im Kanton Uri beruhigt. «Aktuell sind es drei Betriebe, dessen Tiere Kontakt mit dem Virus hatten und daher unter Beobachtung stehen», sagt Martin Grisiger, stellvertretender Kantonstierarzt des Laboratoriums der Urkantone. Es handle sich um etwa 15 Rinder. Wo sich die drei Betriebe konkret befinden, könne er aus Datenschutzgründen nicht sagen.

Dauerhaft infizierte Tiere werden getötet

Für die Sperrung eines ganzen Landwirtschaftsbetriebs reicht es, wenn sich bei einem einzigen Tier der Verdacht auf eine Infektion bestätigt. Die Kuhmilch dieses Hofes darf dann weiterhin verkauft werden. Für die Herde wird allerdings eine «Sperre ersten Grades» verhängt. «Das heisst, die Tiere dürfen nicht weitergegeben und ihr Bestand auch nicht vergrössert werden.» Wenn solche Tiere trächtig sind, empfiehlt das Laboratorium zusätzlich, dass diese ihre Kälber isoliert von der restlichen Herde zur Welt bringen. Dies sei für die Landwirte zwar nicht zwingend. «Wird die Massnahme aber nicht eingehalten, drohen weitere Sperren und die Zeit, während welcher der Betrieb nicht als BVD-frei gilt, verlängert sich unnötig», so Grisiger. Der Halter dürfe dann nicht an Ausstellungen teilnehmen und seine Rinder dürfen den Betrieb nicht verlassen.

Das Laboratorium unterscheidet bei einem infizierten Rind, ob es das Virus nur vorübergehend trägt oder damit permanent infiziert ist und es dadurch ein Leben lang ausscheiden würde. Ist Letzteres der Fall, muss das Tier getötet werden. Hierfür muss es zweimal positiv auf die Krankheit getestet werden. Als Folge des Ausbruchs auf den beiden Urner Alpen im Jahr 2017 mussten etwa 30 Rinder ihr Leben lassen. Seither hat das Laboratorium der Urkantone seine Überwachung intensiviert – «schon ein Jahr, bevor es in der restlichen Schweiz dazu kam», sagt Grisiger.

Zahl betroffener Betriebe hat stark abgenommen

Die verstärkte Beobachtung habe zu einem ansehnlichen Rückgang geführt. «2018 verzeichneten wir noch rund 70 gesperrte Betriebe in den Urkantonen.» Dazu zählen nebst Uri auch Nid- und Obwalden sowie Schwyz. «Heute sind es neun.» Seit dem Jahr 2008 ist es das erklärte Ziel des Bundes, die Krankheit in der Schweiz komplett auszurotten.

Dass sich das Virus heute trotz Massnahmen zu seiner Bekämpfung noch immer weiterverbreitet und unter anderem auch im Kanton Uri nach wie vor auftaucht, könne verschiedene Ursachen haben. «In der Schweiz herrscht ein enormer Tierverkehr», sagt Grisiger. Wenn beispielsweise die Tiere eines Händlers infiziert sind und dieser schweizweit tätig ist, könne sich die Krankheit auf diesem Weg im ganzen Land verbreiten.

Unehrliche Tierhalter können Schaden anrichten

Ein weiteres Problem könne die Unehrlichkeit gewisser Tierhalter darstellen. «Es kann auch gemauschelt werden.» So würden gewisse Tierverkehrsmeldungen unterschlagen, Aborte würden teilweise nicht gemeldet und können somit auch nicht untersucht werden. «Verdächtige Tiere werden zum Teil bewusst nicht gemeldet.» Auch würden manchmal Proben von einem kranken mit der Identifikationsnummer eines gesunden Tieres versehen und so in die Untersuchung gelangen. Grisiger sagt:

«Da sprechen wir von einzelnen Schlitzohren, die gewaltigen Schaden anrichten können – zum Beispiel
auf einer Alp.»

Falls Tierhalter dabei erwischt werden, würden diese zur Rechenschaft gezogen. Schwierig macht die Eindämmung überdies der Umstand, dass ein betroffenes Rind bis zu eineinhalb Jahre überleben kann, ohne die entsprechenden Symptome zu zeigen (siehe Kasten unten).

Importierte Rinder werden doppelt untersucht

Verlieren Rinderzüchter durch das Virus Tiere, entschädigt sie übrigens der Kanton dafür: Er bezahlt einem betroffenen Bauern 90 Prozent des Marktwerts. Die Tiere zusätzlich gegen Seuchenbefall zu versichern, lohne sich finanziell nicht, so Grisiger.

Idealerweise betrage das Risiko, dass sich Schweizer Rinder mit der Bovinen Virusdiarrhoe infizieren, aber sowieso bald null. Um dann zu verhindern, dass das Virus aus dem Ausland wieder in die Schweiz gelangt, werden importierte Rinder zweifach untersucht. «Importtiere müssen im Ursprungsland auf BVD untersucht werden.» In der Schweiz werden sie dann abgesondert und nochmals auf das Virus untersucht. «In zwei bis drei Jahren sollte die Krankheit ausgerottet sein.»

Das sind die Symptome

Zu den typischen Symptomen der Bovinen Virusdiarrhoe zählen gemäss dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen gelegentlicher blutiger Durchfall, der sich nicht therapieren lässt, oder auch Erosionen im Maul- und Zahnfleischbereich. Ausserdem kann das Virus zu Fruchtbarkeitsproblemen führen, die Fehlgeburten zur Folge haben können. Für Menschen stellt die Krankheit keine Gefahr dar. (lur)

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