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«Ich stehe vor meinem ruinierten Lebenswerk»: Zwei Erstfelder Betriebe sind nach Grossbrand zerstört

Warum die Halle am frühen Mittwochmorgen in Vollbrand geriet, ist noch unklar. Langsam wird das Ausmass der Zerstörung sichtbar: Der Sachschaden beläuft sich auf über eine Million Franken.

Paul Gwerder und Lucien Rahm
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Mit den Wasserstrahlen der Feuerwehr und des Löschzugs der SBB bekämpfen die Einsatzkräfte den Brand in der Industriehalle.
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Die Halle von xtreme tec Arnold und Epp Tankrevisionen ist am frühen Morgen in Brand geraten. Die Halle und Fahrzeuge wurden komplett zerstört.
Die Halle brannte lichterloh.
Die Feuerwache blickt auf die abgebrannte Halle.
Die abgebrannte Werkhalle in Erstfeld.
Die Feuerwehr konnte die komplette Zerstörung nicht verhindern.
In der Halle von «Xtreme Tec» Arnold sind rund ein Dutzend Fahrzeuge verbrannt, darunter einige Oldtimer.
Der Besitzer der Firma Epp-Tankrevisionen, André Epp, hat innert 2 Stunden alles verloren, was er in 20 Jahren aufgebaut hat.
In der Halle von «Xtreme Tec» Arnold sind rund ein Dutzend Fahrzeuge verbrannt.
In der Halle von «Xtreme Tec» Arnold sind rund ein Dutzend Fahrzeuge verbrannt, darunter einige Oldtimer.
Ein Bild der Zerstörung: Die Halle von «Xtreme Tec» Arnold ist komplett niedergebrannt.
In der Halle von «Xtreme Tec» Arnold sind rund ein Dutzend Fahrzeuge verbrannt, darunter einige Oldtimer.
Die Halle im Vollbrand.
Die Rauchentwicklung war sehr stark.
Viel Rauch über Erstfeld.

Mit den Wasserstrahlen der Feuerwehr und des Löschzugs der SBB bekämpfen die Einsatzkräfte den Brand in der Industriehalle.

Bild: PD

«Es hat zweimal laut geknallt», sagt eine in Erstfeld wohnhafte Person gegenüber unserer Zeitung. «Danach nahm ich ein monotones Summen wahr.» Das Geräusch habe sich schliesslich als das Knistern des Feuers herausgestellt, als sich die Person anschliessend auf den Balkon begeben habe. Daniela Furrer, welche mit ihrer Familie direkt neben dem in Brand geratenen Gebäude wohnt, berichtet von einer «Feuerwalze», welche eine gewaltige Hitze entwickelt habe. «Ich floh darauf mit meinem Mann und den beiden Kindern zu meinen Schwiegereltern, welche ganz in der Nähe wohnen.» Eine andere Frau, welche im vierstöckigen Haus daneben wohnt, erzählt: «Wir rannten sofort alle aus dem Haus, als wir das Feuer sahen und stellten noch unsere Autos in Sicherheit.»

Am Mittwoch um etwa 2.45 Uhr erreichte die Kantonspolizei Uri der entsprechende Notruf, der über den Grossbrand in einer Industriehalle an der Erstfelder Brämenhofstatt informierte. Relativ schnell seien die Feuerwehrkräfte vor Ort gewesen, sagt der Augenzeuge – dabei auch ein Löschzug der SBB, der ohnehin in Erstfeld stationiert ist. Mit diesem konnten die Einsatzkräfte die brennende Halle ebenfalls erreichen, da sie neben den Gleisen liegt.

Zerborstene Ölfässer und zerplatzte Pneus

Vor Ort seien sie auf zerborstene Ölfässer und zerplatzte Pneus von in der Nähe stehenden Fahrzeugen gestossen, sagt der Erstfelder Feuerwehrkommandant Carlo Zgraggen auf Anfrage. In der Industriehalle befanden sich eine Autogarage sowie eine Firma, die Öl- und Chemie-Tankanlagen revidiert – was unter anderem auch die Chemiewehr Uri auf den Plan rief. Die Feuerwehren Erstfeld und Altdorf, unterstützt vom SBB-Löschzug, konnten das Feuer rasch unter Kontrolle bringen und ein Übergreifen auf die umliegenden Gebäude – darunter Wohnhäuser – verhindern. Insgesamt standen rund 100 Feuerwehrkräfte im Einsatz, wie Zgraggen sagt. «Eine grosse Herausforderung war es erstens, die umliegenden Häuser zu retten, und zweitens, genügend Wasser herzubekommen. Wir mussten Wasserleitungen bis zum Walenbrunnen legen.»

Video: PilatusToday

Bis am Mittwochmittag war die Feuerwehr noch daran, Schwelbrände zu löschen. «Um diese zu erreichen, mussten wir Wände einreissen», sagt Zgraggen. Es sei vor allem Altöl gewesen, das gebrannt habe. Anschliessend sei das Gelände bis mindestens um 22 Uhr überwacht worden.

Der Boden des Grundstücks wurde ausserdem mit Öl kontaminiert, wie die Polizei mitteilte. Die beschädigte Fläche werde nun abgetragen. Das Laboratorium der Urkantone habe Bodenproben entnommen, die nun auf schädliche Rückstände geprüft würden. Im Abwasser wurden bis am Mittwochnachmittag leichte Ölrückstände gefunden, wie es bei Abwasser Uri auf Anfrage heisst. Diese habe man im Pumpwerk in Erstfeld bereits isolieren und separat entsorgen können. Weil die Einsatzkräfte vor Ort rasch gehandelt hätten und derzeit trockenes Wetter herrscht, sei mit keinen weiteren Verschmutzungen zu rechnen, sofern kein neues Öl ins Abwasser fliesse. Das Industriegebäude selber sei durch den Brand komplett zerstört worden, teilte die Polizei mit. «Der Sachschaden dürfte aufgrund erster Schätzungen die Millionengrenze überschreiten.»

35 Personen mussten vorübergehend evakuiert werden

Personenschäden sind hingegen keine hinzunehmen: Verletzt wurde durch das Feuer niemand. Da zunächst unklar war, ob die Flammen auf umliegende Gebäude übergreifen könnten, mussten jedoch 35 Personen aus zwei Wohnhäusern evakuiert werden. Diese seien anschliessend im Pfarreizentrum in Erstfeld von Feuerwehrleuten betreut worden, sagt Zgraggen. Am Vormittag konnten sie dann wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.

Keine Rückkehr in die bisher genutzten Räume gibt es für Christian Arnold. Dem bald 40-Jährigen gehörte die niedergebrannte Garage mit dem Namen Xtreme Tec Arnold. Der Spezialist für Reisemobile und Expeditionsfahrzeuge, der auch Service- und Reparaturarbeiten an Autos durchführt, stand schockiert neben seinem Lebenswerk. «Alles ist weg! Es war eine harte Zeit, denn ich habe mein ganzes Geld in den letzten Jahren in diesen Betrieb investiert – und jetzt ist auf einen Klapf alles verloren.» Über ein Dutzend Fahrzeuge haben die Flammen zerstört, darunter Occasionsfahrzeuge und Kundenautos, ebenso einige Oldtimer. «Ich habe erst am Mittwochmorgen vom Grossbrand erfahren, da ich während der Nacht am Telefon nicht erreichbar war. Und jetzt stehe ich vor meinem ruinierten Lebenswerk», so der Garagist.

Arbeit von 20 Jahren hat sich «in Luft aufgelöst»

Schwer getroffen hat es auch André Epp, den Besitzer der Tankrevisionsfirma. «Ich erhielt gegen 3 Uhr ein Telefon und wurde informiert, dass mein Betrieb in Flammen steht.» Sofort sei er von seinem Wohnort Silenen nach Erstfeld gefahren. «Da musste ich leider feststellen, dass sich meine ganze Arbeit von 20 Jahren, die viel Schweiss kostete, innert zweier Stunden in Luft aufgelöst hat», sagt Epp. In der Halle befanden sich die ganze Werkstatt und das Lager. «Wie es weitergeht, weiss ich jetzt noch nicht. Aber mir liegen vor allem meine guten Mitarbeiter am Herzen.» Die niedergebrannte Lagerhalle selber gehörte Sabine Zurfluh, die schon vor zwei Jahren im Gebiet Breiteli eine Lagerhalle durch ein Grossfeuer verlor.

Was genau den Brand ausgelöst hat, ist derzeit noch unklar. Die Kantonspolizei Uri ist nun daran, die Ursache zu ermitteln.