Brauchtum
«Brüchä-Chatzämüsig» erfreut die Erstfelder

Jeden Donnerstag von Dreikönige bis zur Fasnacht wird oberhalb der Bruchen auf Fässern getrommelt.

Paul Gwerder
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Die «Brüchä-Chatzämüsiker» trommelten wie jeden Donnerstag in Erstfeld.

Die «Brüchä-Chatzämüsiker» trommelten wie jeden Donnerstag in Erstfeld.

Bild: Paul Gwerder (14. Januar 2020)

Kurz nach sieben Uhr stapften am Donnerstagabend zehn junge Burschen in Bergschuhen und eingehüllt in alte Militärmäntel durch den Schnee nördlich des Taubachs. Von dort stiegen sie noch etwa hundert Höhenmeter hinauf zu einer Waldlichtung, in der ihre 200-Liter-Blechfässer standen. Zuerst ist dort im starken Schneetreiben unter einem Felsen ein Feuer entfacht worden.

Unter den Burschen waren auch die drei Brüder Thomas, Daniel und Markus Zurfluh – alle gebürtige Taubächler. Mit von der Partie war auch Thomas Gisler: «Wir stammen alle hauptsächlich aus dem Schattigen ab, dies ist der Dorfteil westlich der Reuss.»

«Brüchä Zunft» hat eine lange Tradition

Lange bevor die offizielle Katzenmusik zu hören ist, wird in Erstfeld die Fasnacht nach einem alten Brauch mit der «Brüchä-Chatzämüsig» eingeläutet. Gegründet wurde diese Katzenmusik – übrigens eine der ältesten in Uri – im Jahr 1931 von zehn Burschen, die alle im «Schattigen» wohnten und sich «Brüchä Zunft» nannten. Die Leute wechselten in den vielen Jahren, jedoch dürfen dort nur Männer mitmachen.

Nachdem die Kirchturmuhr acht Uhr geschlagen hatte, ging es los. Mit schweren Holzhämmern droschen die Burschen die Katzenmusikmelodie auf die Fässer. Mit einem Eisenhammer gab einer der Musiker den Takt auf einem alten aufgehängten Eisenbahnwagenpuffer an. Dazwischen gab es einige Pausen, in denen ein warmer Kaffee oder ein Bier getrunken wurden.

Für die Bewohnerinnen und Bewohner von Erstfeld war es teils unheimlich, wenn aus dem Dunkeln der Katzenmusikmarsch ertönte. Eingefleischten Fasnachtsfreaks verursacht es aber Hühnerhaut, denn nun wissen sie, dass die schönsten Tage definitiv vor der Tür stehen. Nur dieses Jahr wird wegen der Pandemie wohl wenig von der Fasnacht zu spüren sein.

Kurz vor zehn Uhr wurden auf dem Grill noch einige Fleischstücke grilliert, welche die «Chatzenmüsiker» nach dem Trommeln assen. «Für uns ist das Trommeln hier Tradition und Spass zugleich», sagte Thomas Gisler. Und die Gebrüder Zurfluh sind überzeugt, dass sie mit ihrer Katzenmusik den Leuten im Dorf eine Freude machen. «Nur heute werden wir wegen des Schneefalls wohl nicht so gut gehört werden, wie vor einer Woche, als es schön und klirrend kalt war», waren sich die Erstfelder Burschen einig.