Budget
Altdorf budgetiert Defizit – hofft aber auf Aufschwung

Tiefere Unternehmenssteuern und mehr Sozialhilfeausgaben: Altdorf rechnet für 2021 mit 1,5 Millionen Verlust.

Florian Arnold
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«Die Lage ist angespannt, aber nicht hoffnungslos», so fasst Gemeindepräsident Pascal Ziegler das Budget und den Finanzplan der kommenden Jahre von Altdorf zusammen. Bei einem Aufwand von 40,1 Millionen wird für 2022 mit einem Defizit von 1,5 Millionen gerechnet (minus 330'000 Franken gegenüber dem laufenden Jahr). Danach sind bis 2027 weitere negative Abschlüsse geplant. Diese sollten aber durch das Eigenkapital aufgefangen werden. Ziegler kann deshalb Entwarnung geben: «Wir sollten in den kommenden Jahren ohne Steuererhöhung auskommen.» Zumindest für 2022 wird keine solche beantragt.

Sie stellten das Budget 2022 von Altdorf vor: (von links) Marlies Rieder, Verwalterin, Pascal Ziegler, Gemeindepräsident, und Markus Christen, Leiter der Finanzabteilung.

Sie stellten das Budget 2022 von Altdorf vor: (von links) Marlies Rieder, Verwalterin, Pascal Ziegler, Gemeindepräsident, und Markus Christen, Leiter der Finanzabteilung.

Bild: Florian Arnold (Altdorf, 11. Oktober 2021)

Corona hat nur geringe Auswirkungen

Belastend auf die Rechnung wirken die Abschreibungen für die grossen Projekte, die Altdorf in den vergangenen Jahren angegangen ist. Dazu zählen die Halle Hagen, die Tiefgarage beim Gemeindehaus und die Personenunterführung beim Bahnhof Altdorf. Hinzu kommen massive Einbussen bei den Steuern der juristischen Personen, die auf die neue Steuergesetzgebung zurückzuführen sind. Die gesetzlichen Abfederungen vermögen diese Ausfälle nicht aufzufangen. Gegenüber früher fehlt nun rund eine Million.

Bei den natürlichen Personen habe man zwar etwas vorsichtiger budgetiert. Die Coronasituation habe sich aber nicht allzu negativ ausgewirkt. Im Gegensatz zum laufenden Jahr wird im kommenden wieder mit höheren Einnahmen gerechnet. Bei den Quellensteuern rechnet man 2022 mit dem Niveau von 2020. Die Grundstückgewinnsteuern seien sehr schwierig zu budgetieren, sagte Markus Christen, Leiter der Finanzverwaltung. Diese hängt einerseits von der Bautätigkeit ab, aber auch vom Zeitpunkt der Abrechnungen.

Deutliche Spuren hinterlässt die Coronapandemie aber bei den Ausgaben für die Sozialhilfe, die deutlich am Steigen sind. Die höheren Werte beruhen auf Einschätzungen von Fachleuten. Der Personalaufwand wird auch im kommenden Jahr ansteigen. Dies ist auf neu bewilligte Stellen zurückzuführen. In der Schule – dem grössten Ausgabenposten der Gemeinde – sind die Ausgaben für die Integrierte Sonderschulung gestiegen. Die Ausgaben für das Feuerwehrkommando entfallen unter den Personalausgaben, tauchen aber unter Honoraren auf. Auch der Sachaufwand steige, liege aber wie für die öffentliche Hand üblich unter dem Budget: Dies, weil Maximalwerte und keine Richtwerte budgetiert werden.

Investitionen gehen zurück – Belastung bleibt

Deutlich am Sinken sind die Nettoinvestitionen. Insgesamt betragen diese im kommenden Jahr 1,6 Millionen Franken. Die grössten Positionen sind 610'000 Franken für das Vorprojekt zur Sanierung des Theaters Uri, Instandstellungsarbeiten bei den Fussballplätzen (325'000), ein Ersatzfahrzeug für den Werkhof (290'000), das Vorprojekt für die Sanierung des Feuerwehrlokals (200'000) sowie Ausbauten beim Fremdenspital (150'000). Letzteres wird neu zu einem Teil von der Gemeinde selber genutzt.

Obwohl es mit den grossen Investitionen vorderhand vorbei ist, wird im Finanzplan in den kommenden Jahren nur mit negativen Abschlüssen bis 1,5 Millionen gerechnet. «Wir hatten davor gute Abschlüsse und konnten so eine Eigenkapitalbasis von 14 Millionen ansparen», erklärt Markus Christen. «Wenn wir diese gegen die negativen Abschlüsse aufrechnen, können wir diese bis 2027 auffangen.» Als sehr positiv hätten sich die ausserordentlichen Abschreibungen erwiesen, die im Rahmen der guten Abschlüsse gemacht werden konnten. «Sonst wäre die Belastung heute grösser.» Gemeindepräsident Pascal Ziegler ergänzt: «Unsere Philosophie ist es, die guten Resultate dem Steuerzahler weiterzugeben.» Die Verschuldung der Gemeinde nimmt in den kommenden Jahren zu bis auf ein Niveau von 2000 Franken pro Kopf. Bis 2500 Franken pro Person könne aber von einer «tragbaren Verschuldung» gesprochen werden. Wenn sich aber bis 2027 nichts an der finanziellen Situation ändert, komme man dann nicht mehr um eine Steuererhöhung herum.

10'000er-Marke ist greifbar

Davon ist aber nicht auszugehen. «Wir rechnen mit grossen Veränderungen durch den neuen Bahnhof Altdorf», sagt Verwalterin Marlies Rieder. «Wir sehen viel Entwicklungspotenzial mit Chancen und Risiken. Und wir hoffen, dass sich die Investitionen positiv auswirken.» Bereits rechnet der Gemeinderat damit, in den kommenden Jahren die Marke von 10'000 Einwohnern zu überschreiten. «Natürlich bedeuten mehr Einwohnerinnen und Einwohner auch mehr Infrastruktur oder dass wir eine Klasse mehr führen müssen», gibt Verwalterin Marlies Rieder zu bedenken. «Vor allem aber heisst das auch mehr Steuerzahler.»

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