Bürgerdialoge lancieren im Kanton Uri die Digitalisierungsdebatte

Der Kanton Uri stellt sich den Herausforderungen der Digitalisierung. Nun ist ein breit angelegter Dialog unter Einbezug der Bevölkerung angelaufen.

Urs Hanhart
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Das Projekt «Chancen und Risiken der Digitalisierung für die dezentrale Besiedlung am Beispiel des Kantons Uri» nimmt Fahrt auf. Am Dienstag und Mittwoch wurden im Uristiersaal zwei Diskussionsabende mit der Bevölkerung durchgeführt. Zugegen waren jeweils 16 Personen sowie die vierköpfige Steuergruppe und die operative Projektleitung, der ebenfalls vier Mitglieder angehören. Verschiedene Bevölkerungsschichten waren vertreten. «Wir bewegen uns in einem Bereich, in dem alle Erwartungen haben. Ich weiss aber nicht, was daraus entsteht. Deshalb bin ich wirklich sehr gespannt, wie sich das Ganze entwickelt», sagte Markus Frösch, Leiter E-Government und Organisationsentwicklung im Landammannamt Uri, in seiner Begrüssung. Ziel sei es, im Gespräch zu erfahren, wie die Digitalisierung von Angeboten wahrgenommen, akzeptiert und genutzt werde. Die Mitwirkung der Bevölkerung sei somit ein zentrales Kernelement.

Hier konnten die Teilnehmer ihre Meinung kundtun.

Hier konnten die Teilnehmer ihre Meinung kundtun.

Bilder: Urs Hanhart (2. September 2020)

Das Projekt ist in drei Phasen unterteilt und erstreckt sich über rund zwei Jahre. In der ersten Phase, die nun angelaufen ist, und sich bis in den Herbst zieht, wird mit Bürgerdialogen und Workshops mit den Grundversorgern der Istzustand erhoben. Ziel der zweiten Phase (Winter/Frühling 2021) ist es, den Sollzustand aufzugleisen. In der dritten und letzten Phase (Sommer/Herbst 2021) geht es dann darum, Massnahmen zu definieren. Auch in den Phasen zwei und drei sind wiederum Bürgerforen und Workshops geplant. 2022 soll das Projekt mit einer sogenannten Ergebniskonferenz abgeschlossen werden. Unterstützung gibt es auch vom Bund.

«Als Stärken werden geografische und klimatische Themen, wie die Ruhe und die Natur eingestuft.»

Der Kanton Uri nutzt die Gelegenheit, sich mit diesem Projekt, das die Grundversorgung für die Digitalisierung nutzen will, am Programm «Modellvorhaben nachhaltige Raumentwicklung 2020–2024» des Bundes zu beteiligen. Die Projektleitung konnte bereits viele Urner Grundversorger für die Mitwirkung am Projekt gewinnen.

Rund 16 Personen haben neben den Verantwortlichen teilgenommen.

Rund 16 Personen haben neben den Verantwortlichen teilgenommen.

Beim ersten Bürgerdialog vom Montag wurden die Versammelten in drei Gruppen unterteilt. Es gab drei Posten zur Ist-Situation, an denen drei konkrete Fragestellungen diskutiert wurden. Die erste Frage lautete: Was sind die Stärken und Schwächen der peripheren Siedlungsgebiete? Die Ergebnisse fasst Martin Imholz von der Acht Grad Ost AG in Altdorf und Mitglied der operativen Projektleitung folgendermassen zusammen: «Als Stärken werden geografische und klimatische Themen, wie die Ruhe und die Natur vor der Tür eingestuft.» Auch der gute Zusammenhalt der Bevölkerung werde als positiver Aspekt wahrgenommen. Weiter sagt er: «Bei den Schwächen wurden vor allem die knappen Ressourcen bei den Finanzen und beim Personal, die Abhängigkeit von den Zentren, mangelnde Jobangebote und das teils hohe Verkehrsaufkommen erwähnt.»

Druck für neue Lösungen nötig

Was sind die Stärken und Schwächen der Grundversorgung in den peripheren Siedlungsgebieten? So lautete die zweite Fragestellung. Zu den abgegebenen Statements sagt Projektleitungsmitglied Martin Fritsch von der Sofies-Emag AG in Zürich: «Die Diskussion dieser nicht einfachen Thematik verlief sehr spannend. Als Schwäche wird die Mobilität der Schüler empfunden, weil die Eltern häufig als Chauffeure agieren müssen.» Dadurch werde verunmöglicht, dass beide Elternteile arbeiten können. Zudem gebe es in peripheren Gebieten weniger Kinderbetreuungsmöglichkeiten. In der Diskussion sei weiter herausgekommen, dass die Grundversorgung in peripheren Gebieten durchaus lösbar ist. Es brauche aber eine neue und echte Zusammenarbeit mit den Zentrumsgebieten. «Zudem ist auch ein gewisser Druck für neue Lösungen nötig, damit neue Sichtweisen und Innovationen hineingebracht werden können. Dieser Druck wäre eine Chance für neue Ideen.»

«Man ist sich einig, dass möglichst alle Leute mitgenommen werden sollten, beispielsweise mit gezielten Schulungen.»

Abgeschlossen wurde der Reigen mit der Frage «Welche Chancen und Risiken sehen Sie bezüglich der Digitalisierung der Grundversorgung?». Eine Zusammenfassung der häufigsten Antworten lieferte Projektleitungsmitglied Lilian Zihlmann von der Sofies-Emac AG: «Es gibt viele Chancen, Synergien zu nutzen und Angebote verfügbar zu machen – auch in Nicht-Öffnungszeiten. Auch bei der Flexibilität bezüglich neuer Arbeitsmodelle bestehen neue Chancen.» Als Risiko werde eingestuft, dass möglicherweise nicht die ganze Gesellschaft erreicht werden könnte. «Man ist sich einig, dass möglichst alle Leute mitgenommen werden sollten, beispielsweise mit gezielten Schulungen. Ganz wichtig ist also, wie die Digitalisierung der Grundversorgung umgesetzt wird.»

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