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BÜRGLEN: Bürgler haben Bucheli verraten

Nun wehrt sich das Bistum Chur. Pfarrer Bucheli habe sich Anfang Februar einsichtig gezeigt. Sein Entscheid, in Bürglen zu bleiben, sei unerwartet gekommen.
Zurzeit ist Pfarrer Bucheli nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Gemäss automatischer Mailantwort ist er bis zum 3. März abwesend. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Zurzeit ist Pfarrer Bucheli nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Gemäss automatischer Mailantwort ist er bis zum 3. März abwesend. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Anian Heierli

Jetzt legt das Bistum Chur seine Sicht der Dinge auf den Tisch: Demzufolge soll Pfarrer Bucheli (61) eine 180-Grad-Wende gemacht haben. «Am 2. Februar fand ein Gespräch zwischen dem Bürgler Pfarrer Bucheli und dem Churer Bischof Vitus Huonder statt», sagt Giuseppe Gracia, Medienverantwortlicher des Bistums Chur. «Damals hat Bucheli gesagt, dass er sich dem Entscheid von Bischof Huonder fügen werde.» Bucheli ist beim Churer Bischof Vitus Huonder in Ungnade gefallen, weil er im Oktober 2014 ein lesbisches Paar gesegnet hat. Nun will Bischof Huonder den Bürgler Pfarrer zwangsversetzen. Mittlerweile kämpft Bucheli aber öffentlich für seinen Verbleib in der Pfarrei Bürglen, in der er seit zehn Jahren tätig ist.

Bucheli wollte nach Israel

«Bucheli hat sich vorerst ganz klar einsichtig gezeigt», sagt Bistumssprecher Gracia. Der Bürgler Pfarrer habe auch erklärt, er sehe ein, dass er den Bischof mit der Segnung in eine schwierige Lage gebracht habe. Bucheli habe in Huonders Entscheid auch «den Willen Gottes» gesehen. «Im Gespräch vom 2. Februar hat Pfarrer Bucheli weiter gesagt, dass er ab Sommer 2015 eine mehrmonatige Sabbatzeit in Israel machen wolle. Er hat deshalb Bischof Huonder gebeten, sich mit dem Entscheid zu beeilen, damit er die notwendigen Vorkehrungen für den Umzug rechtzeitig treffen könne», betont Gracia.

Einen Tag nach dem Gespräch zwischen Bischof Huonder und Pfarrer Bucheli habe sich der in der Pfarrei Bürglen als Seelsorger tätige René Deiss beim Bistum Chur gemeldet. Er wollte für eine Delegation aus Bürglen beim Bischof einen Termin vereinbaren. Bischof Huonder war zu diesem Zeitpunkt aber verreist. «Anschliessend erfuhren wir aus den Medien, dass Pfarrer Buche­li seine Meinung geändert hat und den Entscheid von Bischof Huonder missachtet», so Gracia.

Pfarrer hält sich bedeckt

Pfarrer Bucheli hat gestern nicht auf Anrufe und Fragen unserer Zeitung reagiert. Er ist gemäss automatischer Mailantwort bis zum 3. März abwesend. Dafür nimmt aber der Bürgler Kirchenratsvizepräsident Peter Vorwerk zu den aktuellen Aussagen des Bistums Chur Stellung. «Der Kirchenrat ist über den Inhalt der Aussagen erstaunt», so Vorwerk. Zudem hat Vorwerk bestätigt, dass Bucheli einen Brief des Bischofs, der den Inhalt des Gesprächs vom 2. Februar aus Sicht des Bistums Chur schildert, umgehend zurückgewiesen hat, weil er mit dem Inhalt nicht einverstanden war. Heute Freitag wird der Kirchenrat Bürglen eine Medienmitteilung veröffentlichen, die sich konkret auf die aktuellen Aussagen des Bistums Chur bezieht.

In den vergangenen Tagen berichteten verschiedene Schweizer Medien, dass die Gemeinde Bürglen geschlossen hinter ihrem Pfarrer und der umstrittenen Segnung des lesbischen Paars stehe. Nun versichert aber das Bistum Chur, dass Personen aus Bürglen Bischof Huonder über die umstrittene Segnung in Kenntnis gesetzt haben. «Wir wussten bereits sehr früh von der Segnung», sagt Bistumssprecher Gracia. «Fälschlicherweise wird oft behauptet, wir hätten erst später durch die Lokalpresse oder das Pfarreiblatt von der Sache Wind bekommen.» Die Lokalpresse habe aber darüber berichtet, bevor das Bistum weitere Erkundigungen habe einziehen können. Demzufolge gebe es auch in Uri Personen, die nicht mit der Segnung eines lesbischen Paars einverstanden seien.

Trotzdem lässt sich nicht abstreiten, dass Pfarrer Bucheli riesige Rückendeckung erhält. Aktuell haben über 38 000 Personen die Online-Petition «Pfarrer Wendelin Bucheli muss in Bürglen bleiben» unterschrieben. Die Zahl ist aber mit Vorsicht zu geniessen: Es ist weder ersichtlich, wer die Petition unterschrieben hat, noch woher die Unterzeichner stammen.

Generalvikar habe davon gewusst

Im Fall Bucheli gibt es noch eine weitere Ungereimtheit. Der Urschweizer Generalvikar Martin Kopp hat in unserer Zeitung vom 10. Februar die Vorgehensweise des Bistums Chur kritisiert. «Ich wurde nicht im Geringsten miteinbezogen», sagte er damals. Stattdessen habe er fast gleichzeitig mit den Medien vom Entscheid erfahren.

«Das stimmt so nicht», sagt Gracia. Bischof Huonder habe den Entscheid per Post mit Datum vom 4. Februar sowohl Martin Kopp wie auch Pfarrer Bucheli mitgeteilt. Das erste Mal berichtete die NZZ aber erst am 8. Februar über die drohende Versetzung Buche­lis. «Zudem hat Martin Kopp zwei Tage vor dem Gespräch zwischen dem Bischof und Pfarrer Bucheli mit dem Bischof telefoniert und ihm seine Sicht dargelegt», so Gracia.

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